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Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Der Verband der Liberalen Hochschulgruppen fordert alle im Bundestag und in den Länderparlamenten vertretenen Parteien auf, sich stärker für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses einzusetzen.

In der Bundesrepublik Deutschland werden nicht genügend Spitzenkräfte ausgebildet. Derzeit mangelt es in sämtlichen Bereichen an geeigneten Führungskräften. In der Wirtschaft werden bereits seit Jahren viele Spitzenpositionen mit Fachkräften aus dem Ausland besetzt. Die Universitäten in ganz Deutschland müssen deshalb wieder mehr Mittel in die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses investieren.

Derzeit teilen sich an einigen Universitäten im Schnitt zwei Professoren einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter tragen jedoch in der Regel die Hauptlast der Arbeit, sowohl im Bereich der Lehre als auch im Bereich der Forschung. Diese Arbeit qualifiziert sie dazu, später Spitzenpositionen nicht nur an den Universitäten, sondern auch in der Wirtschaft und der Verwaltung zu übernehmen. Die Anzahl an Mitarbeitern im Bereich des wissenschaftlichen Mittelbaues müsste derzeit vervierfacht werden, um den an den Universitäten und in der Wirtschaft bestehenden Bedarf zu decken.

Dies kann jedoch nicht alleine von den Ländern finanziert werden. Der Bund sollte deshalb ein Sonderprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses initiieren. Kernpunkte dieses Programm sind:

  • Verdoppelung der Plätze für Hochschulabsolventen in Graduiertenkollegs des DFG.
  • Gewährung zusätzlicher Forschungsmittel in den nächsten 6 Jahren in Höhe von insgesamt DM 2 Milliarden.
  • Stärkere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an den Universitäten. Hierzu müssen neue Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau geschaffen werden. Außerdem müssen die Universitäten künftig noch besser untereinander vernetzt werden als dies derzeit der Fall ist, damit nicht ein und dieselbe Arbeit doppelt und dreifach gemacht wird.

Frauenförderung in der Wissenschaft

Der LHG setzt sich für die Förderung der Einstellung und Einberufung von Frauen in wissenschaftlichen Positionen im Bereich der Hochschule ein und spricht sich gegen Diskriminierung von Frauen oder Männern in diesen Bereichen aus.

Der LHG fordert die Hochschulen und die Politik auf, die Stukturen ihrer Promotions- und Habilitationsverfahren dahingehend zu verändern, daß die wissenschaftliche Laufbahn für Frauen attraktiver wird.

Wer keine Frauen in führende Positionen erhebt, wählt unumgänglich die Quote.

Stellungnahme zum gemeinsamen Papier der KMK/FMK vom 09. 10. 1993

Der LHG lehnt die Konkretisierung der Vorschläge der Kultus- und Finanzministerkonferenz der Länder vom 09. 10. l 993 als Diskussionsgrundlage für den Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern über eine Fortsetzung der Studienreform entschieden ab.

Der Vorschlag, Studiengebühren von Studierenden zu erheben, welche äußerst knapp bemessene Regelstudienzeiten überschreiten, verkennt die angespannt finanzielle Lage der meisten Studierenden und wird aufgrund des dadurch nochmals erhöhten finanziellen Drucks genau das Gegenteil vom angestrebten Ziel einer Verkürzung der Studienzeiten bewirken.

Die vorgeschlagene zwangsweise Exmatrikulation von Studierenden, welche die Regelstudienzeit überschreiten, stellt einen völlig unverhältnismäßigen und deshalb unzulässigen Eingriff in die vom Grundgesetz verbürgten Grundrechte der einzelnen Studierenden dar.

Der LHG begrüßt dagegen den vorgeschlagenen Ausbau der Fachhochschulen, weist jedoch darauf hin, daß dieser finanziell keinesfalls zu Lasten der Universitäten gehen darf.

Der LHG begrüßt grundsätzlich Maßnahmen zur Evaluierung der Lehr- und Forschungsleistungen der Hochschulen und zur Schaffung positiver Leistungsanreize für Lehrende und Studierende, fordert bei den konkreten Maßnahmen aber eine stärkere Berücksichtigung der von studentischer Seite auch mit Unterstützung des LHG bereits durchgeführten und bewährten studentischen Veranstaltungskritik.

Der Vorschlag der Kultus- und Finanzminister, Universitätsstudiengänge künftig in solche berufsqualifizierender Art und solche zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterteilen, ist ohne nähere Konkretisierung insbesondere der Frage des Zugang zu den Studiengängen zur Ausbildung des wissenschaftliche Nachwuchses nicht als Diskussionsgrundlage zu brauchbar.

Eine nachhaltige „Entrümpelung“ von Studienplänen- und inhalten ist unverzichtbar.

Wiedereinstiegsstipendien

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) begrüßt die Intention der Wiedereinstiegsstipendien des Hochschulsonderprogramms II. Diese erfordern aber in der Regel eine Promotion als Voraussetzung. Da typische Frauen-Biographien diese aber nicht vor einer Familienpause erreichen, wird das Programm nur sehr schleppend abgerufen.

 

Das Programm geht somit zum Teil an den Notwendigkeiten der Frauenforderung vorbei. Dies ist umso bedauerlicher, als der Schlüssel zur Verbesserung des Frauenanteils am wissenschaftlichen Personal in der Förderung des weiblichen Nachwuchses liegt.

 

Der LHG fordert daher die vollständige Öffnung des Wiedereinstiegsstipendienprogramms für Promovierende.

Graduiertenkollegs

In einigen Bundesländern sind in den letzten Jahren sogenannte Graduiertenkollegs eingerichtet worden. Auch durch das Überlastprogramm des Bundes für die Hochschulen sollen solche Graduiertenkollegs gefördert werden. Der LHG beurteilt diese Entwicklung als falsch, unsinnig und gefährlich für unser Bildungssystem. Er begründet dies wie folgt:

a) Graduiertenkollegs bedeuten die Trennung zwischen der Ausbildung deswissenschaftlichen Nachwuchses, also der vertieften wissenschaftlichen Ausbildung, und den anderen Teilen des Studiums.

Am Ende dieser Entwicklung steht ein Zwei – Stufen – Modell des Studiums:
Einerseits eine verschulte Kurzausbildung mit berufsqualifizierendem Abschluß, andererseits eine darauf aufbauende getrennte wissenschaftliche Ausbildung, die diesen Namen nicht verdient, da sie die Defizite des Grundstudiums nicht mehr ausgleichen kann. Die Graduiertenkollegs sind unzweifelhaft ein Schritt in Richtung auf ein solches Zwei – Stufen – Modell und damit der falsche Schritt:

b) Die Einrichtung von Graduiertenkollegs lagert die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses – und damit einen wichtigen Teil der Forschung räumlich und organisatorisch aus der Universität aus. Dies bedeutet eine Bedrohung der Einheit von Forschung und Lehre und zerstört das produktive Zusammenwirken von Studium, Forschung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, das das Wesen der Universität ausmacht.

c) Wegen dieses produktiven Zusammenwirkens ist die Wirkung finanzieller Zuwendungen in einer Universität, in der die einzelnen Bereiche nicht getrennt sind, größer als in abgetrennten Graduiertenkollegs. Die Einrichtung von Graduiertenkollegs ist deshalb auch eine Verschwendung öffentlicher Mittel.

Aus den genannten Gründen fordert der LHG:
– keine Einrichtung weiterer Graduiertenkollegs
– keine Förderung der bestehenden Graduiertenkollegs durch Bundesmittel
– Verbesserung der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses innerhalb der bestehenden Strukturen der Hochschulen.`