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Vorbereitung von Schülern auf das Hochschulstudium

Sowohl hohe Abbrecherquoten in den ersten Semestern, als auch Vorzug und Ablehnung bestimmter Fächer bei der Studienwahl sind zu einem großen Teil auf mangelnde Orientierung der Studienanfänger zurückzuführen. Die Suche nach dem optimalen Studiengang geschieht bei vielen Abiturienten in großer Unklarheit über das, was sie eigentlich erwartet.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen setzt sich dafür ein, dass künftige Abiturienten an den Gymnasien und anderen anderen Bildungseinrichtungen, die auf einen Abschluss mit Hochschulzugangsberechtigung vorbereiten, in den verschiedenen Bereichen besser auf Ihr Studium vorbereitet werden:

  • Um sich entscheiden zu können, ob ein Studium überhaupt richtig ist und wenn ja, in welcher Form, muss den Schülern genau aufgezeigt werden, welche Vor- und Nachteile ein Studium mit sich bringt, welche Ansprüche es hat und welche Ideale es voraussetzt. Hier ist genau zu differenzieren zwischen Fachhochschul- und Universitätsstudium. Um dieses Ziel zu erreichen, sind ein punktuelles, bis zum Ende der Schulzeit sich verdichtendes wissenschaftliches Arbeiten und vermehrte autodidaktisch zu erschließende Themengebiete in den Unterricht einzubinden. Eine größere Anzahl daraufhin speziell didaktisch ausgebildeter Lehrer würde die wissenschaftliche Kompetenz an den Schulen verstärken.
  • Ein klares Bild vom wissenschaftsbezogenen universitären Studium und vom berufsbezogenen Fachhochschulstudium, ist genau zu vermitteln. Hierzu muss etwa die Frage „Was ist Wissenschaft?“ genauso erörtert werden, wie die unterschiedlichen Möglichkeiten der Lebensplanung in verschiedenen Hochschularten, Studiengängen und Studienabschnitten.
  • Um die Entscheidung für einen Studiengang außerhalb des schulischen Fächerkanons zu erleichtern, muss den Schülern mehr Freiraum gelassen werden, eigene Interessen zu entwickeln. Hierzu muss den Schülern beispielsweise die Möglichkeit gegeben werden, sich auch an technischen Fragestellungen zu versuchen, um sich mit der Option eines Ingenieurstudienganges qualifiziert befassen zu können.
  • Das Lernen an der Fachhochschule, mehr noch an der Universität, unterscheidet sich deutlich vom schulischen. Die Eigenverantwortlichkeit bei Auswahl und Antritt eines Studiums, beim Erschließen komplexer Themen, bei der Organisation des Studiums, beim Zurechtfinden in einer neuen Lebenssituation und bei den außercurricularen Pflichten eines zukünftigen Trägers der Gesellschaft überfordert viele Schüler, die bislang noch viele Entscheidungen abgenommen bekommen haben. Um Abiturienten also wirklich aufs Studium vorzubereiten, muss die Eigenverantwortlichkeit bereits in der Schule gestärkt werden. So könnten Wahlpflichtprojekte außerhalb des regulären Stundenplans, zu welchen sich Oberstufenschüler eigenständig anmelden müssen, terminliche und strukturelle Absprachen treffen müssen und selbständig Ergebnisse erzielen müssen, Studienbedingungen simulieren. So würde den Schülern die Möglichkeit gegeben, Interessen zu entwickeln und bereits das selbständige Erschließen von Themen anhand individuell adäquater Methoden und Mittel zu üben.
  • Diese Methoden und Mittel müssen verstärkt von den Lehrern, den Gymnasien und anderen anderen Bildungseinrichtungen, die auf einen Abschluss mit Hochschulzugangsberechtigung vorbereiten zur Verfügung gestellt werden. So sollten in der Oberstufe auch weniger kollektive Schulbücher die Inhalte transportieren, sondern vielmehr gut sortierte Bibliotheken den Schülern das Suchen, Selektieren und Erschließen von Fachliteratur ermöglichen. In den Naturwissenschaften sollten Versuche nicht gezeigt oder auf Anweisung vollstreckt, sondern in eigener Verantwortung bewältigt werden. Die Allgemeingültigkeit bestimmter Mittel, wie zum Beispiel einem bestimmten Set an Hausaufgaben zum Einüben eines Themas, ist durch das Angebot verschiedener individueller Lernmethoden zu ersetzen. Angebote zu studiumsrelevanten Kompetenzen wie Zeitmanagement, Lesetechnik, Präsentieren und freies Vortragen, etc. können den Studienantritt erheblich vereinfachen.
  • Um auf die zahlreichen Fragen, denen Abiturienten auf der Suche nach dem für sie richtigen Studiengang begegnen, kompetent antworten zu können, sollten für die relevante Zeit vor dem Abitur regelmäßige Vorbereitungstreffen für die Studienwahl angeboten werden. Hier können die Unterschiede einzelner Hochschulen, die Schwerpunkte verschiedener Studiengänge, die Möglichkeiten eines Auslandsstudiums oder auch Zulassungsregelungen und vorausgesetzte Kompetenzen besprochen werden.
  • An dieser Stelle sind auch die Hochschulen in die Pflicht zu nehmen. Eine Hochschule, die mit anderen um die besten Studenten konkurriert, hat ein Interesse daran, schon an den Schulen für sich zu werben und zu informieren. An dieser Stelle müssen die Schulen mit den Universitäten über Ländergrenzen hinweg kooperieren.

Für eine verbesserte Vorbereitung auf das Hochschulstudium

Redaktionelle Anmerkung

Dieser Antrag ersetzt den Beschluss „Schlüsselqualifikation vermitteln“ der 18. Ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) vom 07.02.-09.02.97 in Leipzig

 

Es ist eine triviale Tatsache, dass sich der Lehrbetrieb an Schulen erheblich von dem der Hochschulen unterscheidet. Dies ist begründet durch die Intention der beiden Bildungsinstitutionen und ist durchaus sinnvoll, da die Schule einen Erziehungsauftrag erfüllt, wohingegen die Hochschule die Aufgaben der Wissensvermittlung und das Lehren des wissenschaftlichen Arbeitens innehat. Das Bindeglied der beiden Systeme stellt hierbei die gymnasiale Oberstufe dar, die den potenziellen Studenten auf das Studium vorbereiten soll.

 

Die Realität zeigt bei den Studienanfängern allerdings, dass die Oberstufe diese Aufgabe nicht erfüllt. So ist zur Zeit allgemeine Desorientierung an der Tagesordnung, welche unnötiges „herumstudieren“ zur Folge haben kann. Um diesen Missstand zu beheben fordert der LHG alle zuständigen Stellen auf, die Curricula so anzupassen, dass die gymnasiale Oberstufe wieder das Bindeglied zwischen Schule und Hochschule darstellt. Hierzu fordert der LHG die obigen Stellen auf, die folgenden Ziele und Maßnahmen in die Tat umzusetzen, namentlich in die Lehrpläne aufzunehmen:

 

Als vornehmliches Ziel ist hierbei die Erziehung der Schüler zu Selbstverantwortlichem und selbstbestimmtem Lernen und – wissenschaftlichen – Arbeiten zu nennen. Des weiteren muss schon den Schülern prospektives Denken vermittelt werden. Außerdem sind die sozialen Kompetenzen der Schüler zu fördern und deren Wichtigkeit für die Gesellschaft zu vermitteln. Im Universitätsbetrieb ist es auch unverzichtbar, sich aktiv zu Orientieren, das heißt selber aktiv zu werden um zum Beispiel Plätze in bestimmten Lehrveranstaltungen zu bekommen. Schließlich muss Leistungsbewusstsein vermittelt und gefördert werden.

 

Um dies durchzusetzen, fordert der LHG die zuständigen Stellen auf, zu gewährleisten, dass innerhalb der vorhandenen Fläche durch entsprechende Curricula oben genannte Schlüsselkompetenzen als zentraler Bestanteil vermittelt werden. Durch diese Maßnahme wird den zukünftigen Studierenden der problemlose Einstieg in das Hochschulstudium ermöglicht. Ein weiterer Vorteil dieses Modells ist, dass die Kassen geschont werden, da häufiges Wechseln des Studienfachs vermieden wird sowie überhöhte Studienzeiten reduziert werden können.