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Thesen des LHG zur Studienzeitverkürzung

  1. Die Studienzeiten in der Bundesrepublik Deutschland sind z.Z. in der Regel länger als nötig. Selbst wenn man die Schwierigkeiten bei der Gegenüberstellung verschiedener Bildungssysteme berücksichtigt, fällt im Vergleich zum Ausland auf, daß die Ausbildungszeiten in der Bundesrepublik deutlich länger sind. Betrachtet man die Situation in der Bundesrepublik, fällt auf, daß in der Tendenz die durchschnittliche Studiendauer steigt.

 

  1. Der LHG sieht folgende wichtige Gründe für Studienzeitverlängerungen:

 

  1. a) inneruniversitäre Gründe

Die mangelnde Ausstattung der Hochschulen mit Mitteln und Personal und die Belastung der Hochschulen weit über die vorhandenen Kapazitäten hinaus führt zu unnötigen Wartezeiten (z.B. bei Praktika und Bibliotheksbesetzung).

Die aus der Überlast resultierende mangelhafte Betreuung der Studierenden und die miserablen Studienbedingungen (z.B. der Wegfall kleinerer Lerngruppen, fehlende Arbeitsräume, fehlende Liteatur) führen dazu, daß Studierende immer mehr Zeit für ihr Studium aufwenden müssen.

Die inneruniversitären Strukturen sind so angelegt, daß kein Anreiz dazu besteht, Studiengänge zu entrümpeln oder Beratung und Betreuung der Studierenden zu verbessern.

Aus diesem Grunde werden auch kaum Anstrengungen unternommen, für zusätzlich eingeführte Studieninhalte überholte Inhalte abzubauen oder die Anzahl der Leistungsnachweise auf das nötige Maß zu reduzieren.

Weitere inneruniversitäre Gründe liegen in den Studien- und Prüfungsordnungen (Beginn nur zu bestimmten Semestern, aufeinander aufbauende Veranstaltungs- und Prüfungszyklen, zu lange Anmeldefristen). Dies gilt besonders für Studiengänge mit Staatsexamen.

Die mangelhafte Organisation innerhalb der Universität (Wege zwischen den Hörsälen, nicht aufeinander abgestimmte Vorlesungszeiten) trägt ebenfalls zur Verlängerung des Studiums bei.

 

  1. b) außeruniversitäre Gründe

Während des Studiums ist es vor allem die soziale Notlage vieler Studierender, die sich auf die Studiendauer auswirkt, indem Studierende unzumutbar lange neben ihrem Studium arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Dazu führen unter anderem zu niedrige BAföG-Beiträge, die Probleme für Studierende aus dem sogenannten Mittelstandsloch sowie die Tatsache, daß Studierende kurz vor Ende des Studiums aus der Förderung herausfallen.

Die aussichtslose Lage auf dem Arbeitsmarkt (Akademikerarbeitslosigkeit) zwingt Studierende dazu, Verlängerungen ihres Studiums in Kauf zu nehmen. Die Dauer der Schulzeit und des Wehr- und Zivildienstes sind Faktoren, die deutsche Studierende im Vergleich zu ihren Kommilitonen in anderen Ländern deutlich benachteiligen. Schulzeiten und Wehr-/Zivildienstzeiten müssen daher in die Diskussion um Ausbildungszeitverkürzungen einbezogen werden.

Staatliche Regelungen, vor allem für den öffentlichen Dienst, sind oft absurd und wirken studienzeitverlängernd. Dies gilt vor allem für Studiengänge mit Staatsexamen (Jura, Medizin, Lehramtsstudiengänge).

 

  1. Eine Verkürzung der Ausbildungszeiten ist wünschenswert. Diese Verkürzung findet jedoch eine Grenze in den Anforderungen an die Qualität von Bildung und Ausbildung. Außerdem darf Studienzeitverkürzung nicht zum Selbstzweck werden.

Eine unnötige Verlängerung der Ausbildungszeit verlängert für die Studierenden die Zeit der Unselbständigkeit und Abhängigkeit.

Vermeidbare Wartezeiten im Studium wirken demotivierend. Der Volkswirtschaft werden durch sinnlose Ausbildungszeitverlängerungen wichtige Kreativitäts- und Ideenpotentiale entzogen.