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Zwangsmaßnahmen gegen Studierende und Einschränkung der Studienfreiheit

Die im Papier der Kultus- und Finanzministerkonferenz erarbeitenden Pläne zur Veränderung des Studiums werden die Studienbedingungen erheblich verschlechtern. Die angekündigten Zwangsmaßnahmen gegen Studierende und Einschränkungen der Studienmöglichkeiten sind nicht geeignet das Studium zu verkürzen. Zu diesen zählen insbesondere:

 

  • Die Erstellung verbindlicher Prüfungstermine auch im Hauptdiplom, deren Nichteinhaltung mit Exmatrikulation bestraft wird.

 

  • Die Erhebung von Studiengebühren beim Überschreiten der Regelstudienzeiten

 

  • Die Einschränkung auf ein berufsqualifizierendes Studium, das den bisherigen Bildungsanspruch nicht aufrechterhält, zur Verschuldung neigt und eine zügige wissenschaftliche Ausrichtung unmöglich macht.

 

  • Die Kürzung von Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengängen.

 

Diese Maßnahmen ziehen verheerende Konsequenzen nach sich und stehen den eigenen Zielsetzungen entgegen:

 

  • Aufgrund des erheblichen Prüfungsdrucks werden viele Studierende nur noch für die Prüfungen lernen, und die Möglichkeit/Fähigkeit zur selbständig organisierten Bildung wird zerstört.

 

  • Spezialvorlesungen, die Studierende in die Tiefe eines Fachgebietes einführen, werden wegen des geringen Besuches überflüssig, so daß der für die Universitäten lebensnotwendige wissenschaftliche Nachwuchs ausbleibt.

 

  • Die Wahlmöglichkeiten im Studium entfallen und der Erwerb von Zusatz- und Zweitqualifikationen wird erschwert.

 

  • Die engen Prüfungstermine machen machen einen anderen Studienverlauf als den des Vollzeitstudierenden unmöglich. Das entspricht aber nicht mehr der Lebenssituation vieler Studierender und schließt viele sinnvolle oder nötige andere Studienverläufe aus, wie z.B. Auslandsaufenthalte oder längere Betriebspraktika. Damit werden ganze Gruppen von der Hochschulausbildung ausgeschlossen und Eigeninitiative blockiert.

 

Stellungnahme zum gemeinsamen Papier der KMK/FMK vom 09. 10. 1993

Der LHG lehnt die Konkretisierung der Vorschläge der Kultus- und Finanzministerkonferenz der Länder vom 09. 10. l 993 als Diskussionsgrundlage für den Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern über eine Fortsetzung der Studienreform entschieden ab.

Der Vorschlag, Studiengebühren von Studierenden zu erheben, welche äußerst knapp bemessene Regelstudienzeiten überschreiten, verkennt die angespannt finanzielle Lage der meisten Studierenden und wird aufgrund des dadurch nochmals erhöhten finanziellen Drucks genau das Gegenteil vom angestrebten Ziel einer Verkürzung der Studienzeiten bewirken.

Die vorgeschlagene zwangsweise Exmatrikulation von Studierenden, welche die Regelstudienzeit überschreiten, stellt einen völlig unverhältnismäßigen und deshalb unzulässigen Eingriff in die vom Grundgesetz verbürgten Grundrechte der einzelnen Studierenden dar.

Der LHG begrüßt dagegen den vorgeschlagenen Ausbau der Fachhochschulen, weist jedoch darauf hin, daß dieser finanziell keinesfalls zu Lasten der Universitäten gehen darf.

Der LHG begrüßt grundsätzlich Maßnahmen zur Evaluierung der Lehr- und Forschungsleistungen der Hochschulen und zur Schaffung positiver Leistungsanreize für Lehrende und Studierende, fordert bei den konkreten Maßnahmen aber eine stärkere Berücksichtigung der von studentischer Seite auch mit Unterstützung des LHG bereits durchgeführten und bewährten studentischen Veranstaltungskritik.

Der Vorschlag der Kultus- und Finanzminister, Universitätsstudiengänge künftig in solche berufsqualifizierender Art und solche zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterteilen, ist ohne nähere Konkretisierung insbesondere der Frage des Zugang zu den Studiengängen zur Ausbildung des wissenschaftliche Nachwuchses nicht als Diskussionsgrundlage zu brauchbar.

Eine nachhaltige „Entrümpelung“ von Studienplänen- und inhalten ist unverzichtbar.