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Hochschulorganisation

Die Hochschulorganisation muß weiter im Hochschulrahmengesetz geregelt bleiben. Nur so ist der Gefahr einer Verregelung durch die Bundesländer Einhalt zu gebieten. Diese würde auf Wettbewerb der Bundesländer hinauslaufen. Um demgegenüber den Wettbewerb der Hochschulen zu erreichen, ist ein bundeseinheitlicher Organisationsrahmen erforderlich. Der LHG fordert deshalb, die Hochschulorganisation im HRG folgendermaßen zu regeln:

 

1) Rechtsstellung

Die Hochschulen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen. Sie haben das Recht der Selbstverwaltung im Rahmen der Gesetze.

 

2) Aufsicht

Das Land übt die Rechtsaufsicht aus. Die Mittel der Rechtsaufsicht werden durch Gesetz bestimmt. Eine über die Rechtsaufsicht hinausgehende Aufsicht ist unzulässig.

 

3) Organisationsgrundsätze

Die Hochschulen geben sich eine Verfassung. Die Hochschulleitung wird von den Mitgliedern der Hochschule gewählt.

 

 

Mitgliedschaft und Mitwirkung

Die Selbstverwaltung der Hochschulen muß gestärkt werden. Außerdem muß den Stundenten ein größeres Gewicht bei der Mitwirkung daran gegeben werden. Deshalb fordert der LHG Mitgliedschaft und Mitwirkungsgrundsätze folgendermaßen zu regeln:

 

1) Mitgliedschaft

Die Mitglieder der Hochschule sind die an der Hochschule nicht nur vorübergehend oder gastweise hauptberuflich Tätigen und die eingeschriebenen Studenten. Die Hochschulverfassung (nicht der Landesgesetzgeber!!!) regelt die Stellung der sonstigen an der Hochschule Tätigen sowie der Ehrenbürger und Ehrensenatoren.

 

2) Mitwirkung

Die Mitwirkung an der Selbstverwaltung ist Recht und Pflicht der Mitglieder. Hochschulmitglieder dürfen wegen ihrer Tätigkeit in der Selbstverwaltung nicht benachteiligt werden. Die Übernahme einer Funktion in der Selbstverwaltung kann nur abgelehnt werden, wenn wichtige Gründe dafür vorliegen.

Die Mitglieder eines Gremiums werden, soweit sie dem Geremium nicht kraft Amtes angehören, für eine bestimte Amtszeit bestellt oder gewählt; sie sind an Weisungen nicht gebunden. Sie haben durch ihre Mitwirkung dazu beizutragen, daß das Gremium seine Aufgaben wirksam erfüllen kann. Das Nähere über Rechte und Pflichten der Mitglieder regelt die Hochschulverfassung.

 

3) Gremien der Hochschulverwaltung

Art und Umfang der Mitwirkung sowie die zahlenmäßige Zusammenstezung der Gremien bestimmen sich nach der fachlichen Gliederung der Hochschule, den Aufgaben der Gremien sowei nach der Qualifikation, Funktion, Verantwortung und Betroffenheit der Mitglieder der Hochschule.

Das Verhältnis der Sitze und der Stimmen, über die die Gruppen (1) der Professoren, (2) der Studenten sowie (3) des akademischen Mittelbaus in den zentralen Kollegialorganen verfügen, ist durch die Hochschulverfassung zu regeln. Dabei sind Kollegialorgane grds. drittelparitätisch zu besetzen.

Die Kollegialorgane tagen in der Regel hochschulöffentlich. In begründeten Einzelfällen kann ein Gremium die Öffentlichkeit ausschließen.

 

4) Verfaßte Studentenschaft

An der Hochschule ist zur Wahrnehmung politischer, sozialer und kultureller Belange der Studenten sowie zur Pflege der überregionalen und internationalen Studentenbeziehungen eine Studentenschaft zu bilden. Die Studentenschaft verwaltet ihre Angelegenheiten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen selbst. Sie kann zur Erfüllung ihrer Aufgaben Beiträge erheben.

Die Studentenschaft untersteht ausschließlich der Rechtsaufsicht der Leitung der Hochschule und er zuständigen Landesbehörde.

 

Zulassung zum Studium

Den Hochschulen sind die Befugnisse zur Auswahl der Studenten weitgehend zu übertragen. Deshalb fordert der LHG:

 

1) Allgemeine Zulassungsvoraussetzungen

Jeder Deutsche im Sinne des Art. 116 GG sowie aller EU-Bürger ist zu dem von ihm gewählten Hochschulstudium berechtigt, wenn er die für das Studium erforderliche Qualifikation nachweist. Der Nachweis wird für den Zugang zu einem Studium, das zu dem ersten berufsqualifizierenden Abschluß führt, entweder durch den erfolgreichen Abschluß einer auf das Studium vorbereitenden Schulbildung (Abitur oder eines entsprechenden Bildungsabschlusses) oder durch den Nachweis einer Qualifikation in der beruflichen Bildung erbracht. Die derzeitige Formulierung im HRG über die Widerruflichkeit der Einschreibung (§28) soll erhalten bleiben.

 

2) Auswahlrecht der Hochschule

Die Hochschule allein wählt ihre Studierenden aus. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) wird damit funktionslos.

Die Hochschule vergibt die Studienplätze nach pflichtgemäßen Ermessen in einem von ihr gewählten Auswahlverfahren.

 

Prüfungen

Der LHG fordert eine Reform des Prüfungswesens in folgender Weise:

 

1.) Zwischenprüfung

 

Zwischenprüfungen können studienbegleitend stattfinden. Ihr Bestehen ist Vorraussetzung für die Fortsetzung des Studiums. Sie können zweimal wiederholt werden.

 

2) Hochschulabschlußprüfung

Die Hochschulabschlußpfrüfung soll, soweit die Art des Studiengangs dies erlaubt, in Abschnitte geteilt sowie durch Anrechnung studienbegleitender Leistungsnachweise entlastet werden. Eine Freischußregeluing wird für alle Studiengänge eingeführt.

 

3) Internationale Vergleichbarkeit

Um dem internationalen Wettbewerb standzuhalten und internationale Vergleichbarkeit herzustellen sind folgende Maßnahmen zu treffen:

Den Hochschulen sollte die Möglichkeit gegeben werden, den „bachelor“ als ersten berufsqualifizierenden Abschluß anzubieten. Dabei sollte der qualitative Inhalt dieses „bachelor“ international vergleichbar sein aber deutlich vom jetzigen Vordiplom abgegrenzt werden.

Ferner ist im Zusammenwirken von Hochschulen und zuständigen staatlichenStellen zur Akumulation und zum Transfer von Studien- und Prüfungsleistungen sowohl des Präsenz- wie des Fernstudiums ein Leistungspunktsystem („credit-point-system“) zu schaffen.

 

Wissenschaftliches und künstlerisches Personal

Der LHG fordert eine grundsätzliche Reform des Personalwesens der Hochschulen. Insbesondere ist das HRG in folgenden Punkten zu ändern:

 

1) Rechtsstellung des Hochschulpersonals

Das nähere regelt Landesrecht.

 

2) Einstellungsvoraussetzungen und Berufung von Professoren

Die für die Ersteinstellung als Professor erforderlichen besonderen wissenschaftlichen Leistungen werden entweder durch Habilitation oder durch gleichwertige wissenschaftliche Leistungen, die auch in einer Tätigkeit außerhalb des Hochschulbereichs erbracht sein können, nachgewiesen.

Professoren werden von der Hochschule eigenverantwortlich berufen. Dabei können die Mitglieder der eigenen Hochschule nur in begründeten Ausnahmefällen berücksichtigt werden.

 

Verbesserung der Lehrqualität und Hochschulautonomie

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG}fordert eine massive Finanzaufstockung zur Förderung der Lehre an den Hochschulen. Die Hochschulen müssen dabei zeigen, daß sie ihre Autonomie zu Recht besitzen, indem sie von sich aus eigene, weitreichende Pläne für eine Verbesserung der Lehrqualität ausweisen. Nur wenn solche Pläne eindeutige Verbesserungen für die Situation der Lehre an den Hochschulen in sich bergen, wird die Gesellschaft bereit sein, Geld für die Lehre zu investieren. Dabei schlägt der LHG im einzelnen folgende Maßnahmen vor, die die Hochschulen von sich aus leisten können:

 

  1. Die verstärkte, institutionalisierte Berücksichtigung studentischer Meinung bei Fragen, die die Lehre betreffen

 

  1. die flächendeckende Einführung von Lehrberichtserstattung inklusive studentischer Veranstaltungskritik

 

  1. die Herausgabe eines Hochschulführers-Deutschland, der auf Lehrberichtserstattung und weiteren objektiven Daten über Forschung und Lehre basiert

 

  1. die Forcierung der Qualifikation der Mitarbeiter in didaktischen Belangen

 

  1. die Erweiterung des Netzes hochschuldidaktischer Zentren.

 

  1. die Einrichtung eines gemeinsamen, bundesweiten Instituts als Diskussions- und Forschungsformen für die akademische Lehre

 

  1. Durchforstung der Studienpläne auf die Möglichkeit, neue Lehr- und Lernformen, wie z.B. team teaching durch Studienprojekte, einzusetzen

 

  1. Stärkung der Beteiligung der Studierenden in allen universitären Bereichen – von den Selbstverwaltungsgremien bis hin zur Gestaltung von Lehrplänen und Vorlesungen

Globalhaushalte und Hochschulautonomie

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) tritt für die Einführung von Globalhaushalten an allen bundesdeutschen Hochschulen ein. Globalhaushalte an den Hochschulen sind unabdingbare Voraussetzung für den Wettbewerb unter den Hochschulen. Durch den Wettbewerb unter den Hochschulen soll erreicht werden, daß

 

  • sich mittels des Wechselspieles zwischen Angebot und Nachfrage die Qualität der einzelnen Hochschulen zeigt und so die Nachfrageströme eine Orientierung ermöglichen;

 

  • die Hochschulen angereizt werden, besonders qualifizierte Studiengänge anzubieten;

 

  • es zu einem Umdenken im Bereich der Lehre kommt, so daß die Lehrveranstaltungen qualitativ besser werden.

 

Um diese Ziele zu erreichen, soll allen Hochschulen die Möglichkeit eingeräumt werden, eigenständig (insb. ohne Weisung der Länder) über ihre Finanzmittel verfügen zu können. Hierbei sind die Finanzmittel, die jede Hochschule zugewiesen bekommt, am Ergebnis des Hochschulmarktes, d.h. an der Zahl der eingeschriebenen Studierenden, zu bemessen. Hierbei sollen die Hochschulen nicht jedes Semester Gelder erhalten, sondern einen einmaligen Betrag pro Studierendem und einen weiteren Betrag pro erfolgreichem Absolventen.

 

Um die unterschiedlichen Kosten, die Studienplätze in Fachbereichen unterschiedlicher Fachrichtungen und unterschiedlicher Größe verursachen, auszugleichen, sind die Finanzmittel nicht nur an der absoluten Zahl der eingeschriebenen Studierenden zu bemessen, sondern auch an der Art und Größe der einzelnen Fachbereiche. Hierbei ist so zu verfahren, daß die Hochschule bei kostenintensiven Fachbereichen pro eingeschriebenem Studierenden mehr Geld erhält als bei kostengünstigen Fachbereichen und bei großen Fachbereichen pro eingeschriebenem Studierenden weniger Geld als bei kleinen Fachbereichen.

Auf diesem Wege erhält jede Hochschule die Möglichkeit, ständig Schwerpunkte im eigenen Angebot der Studiengänge zu setzen. Soweit diese Schwerpunktsetzunge den Bedürfnissen des Marktes entspricht, also das jeweilige Angebot von Studierenden nachgefragt wird, erhält die Hochschule für ihr Angebot finanzielle Unterstützung. Soweit das Angebot einen Mangel hat (schlechte Qualität der Lehrveranstaltungen; ungenügende Lehrmittel; wenig praxisorientierter Abschluß; o.ä.) und aufgrund dessen keine Studierenden anziehen kann, wird die finanzielle Unterstützung bis auf einen Basissatz gekürzt, um das mangelhafte Angebot nicht gleich zu zerstören, sondern der Hochschule die Möglichkeit einer Verbesserung zuzugestehen.

Dieses System kann jedoch nur bestehen, wenn der Wettbewerb unter den Hochschulen von anderen Maßnahmen begleitet wird:

 

Das Funktionieren des Systems der Globalhaushalte wird zunächst von dem Problem der Studentenschwemme bedroht. Soweit nach Einführung des Systems der Globalhaushalte weiterhin die Situation besteht, daß die Nachfrage nach Studienplätzen bei weitem das Angebot überschreitet, können die Nachfrageströme, von denen die Vergabe der Finanzmittel abhängen soll, kein marktgerechtes Bild ergeben. Mit der Überschwemmung der Hochschulen würden dann alle Hochschulen finanziell gefördert, unabhängig davon, ob die einzelne Hochschule ein besonders marktgerechtes Angebot vorzuweisen hat oder nicht. Daher sind die Mittel, die nach dem oben beschriebenen System vergeben werden, pro Studierenden so hoch anzusetzen, daß den Hochschulen insgesamt die Möglichkeit gegeben geben wird, die Nachfrage nach Studienplätzen zu befriedigen. Soweit dieser Zustand erreicht wird, wird die Vergabe von Studienplätzen durch die ZVS, die heute aufgrund der Diskrepanz zwischen Studienplatzangebot und -nachfrage notwendig ist, überflüssig. Jeder potentielle Studierende kann sich in Zukunft direkt bei der Hochschule bewerben, bei der er studieren möchte. Jede Hochschule kann nach eigenen Kriterien unter den Bewerbern auswählen. Aufgrund der Finanzmittelvergabe anhand der Zahl der eingeschriebenen Studierenden ergibt sich für die Hochschulen die Notwendigkeit, den Bereich der Lehre nicht gegenüber dem Bereich der Forschung zu kurz kommen zulassen.

Trotzdem besteht insb. aufgrund des erheblichen Umfanges der Drittmittelbeschaffung die Gefahr, daß die Gelder, die der Hochschule insgesamt zur Verfügung stehen, einseitig in den Bereich Forschung fließen. Um hiergegen ein wirksames Instrument zu schaffen, ist der Einfluß der Studierenden in den Hochschulgremien zu steigern. Die Studierenden müssen an den wesentlichen Entscheidungen Mitspracherechte erhalten.

 

Außerdem ist bei einem Einstieg in das Studium oder Wechsel des Hochschulortes die Informationsmöglichkeit über die verschiedenen Studienangebote unerläßlich für das Funktionieren des Systems der Globalhaushalte. Daher ist unabhängigen Institutionen bzw.. Verlagen die Möglichkeit einzuräumen, über das Angebot der Hochschulen Rankinglisten zu erstellen.

 

Neben dem Ausbildungsangebot sind weitere Faktoren (derzeit insb. die Wahlmöglichkeiten) für die Wahl des Studienortes maßgeblich. Um auch in diesem Punkt ein marktgerechtes Angebot zu schaffen, sind einerseits die Finanzmittel der Studentenwerke an den eingeschriebenen Studierenden zu bemessen, und andererseits ist den Kommunen nahezulegen, den studentischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dieser zweite Punkt erscheint angesichts des enormen „Imports“ von Kaufkraft an den Hochschulort – der Erwerb von Lehrmitteln, Lebensmitteln u.ä. wird durch Gelder finanziert, die meist außerhalb des Hochschulortes erwirtschaftet werden – legitim.

Auf dem Weg in den Wettbewerb

Wettbewerbsinitiative Hochschullehre

 

Um die in der Lehre noch vorhandenen Reserven zu wecken, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) eine Wettbewerbsinitiative für die Hochschulen. Zur Durchführung sind die dringend für einen Abbau der Überlast nötigen Mittel einzusetzen, wie sie inzwischen von KMK und HRK gefordert werden. Kernpunkte dieses Programmes sollen Information, Autonomie und Anreizmechanismen sein. Ansatzpunkte des Wettbewerbsmechanismus sollen neben den Hochschulen direkt die Institute und Dozenten sein.

 

Gestuftes Informationssystem

 

Information ist für einen Wettbewerb eine entscheidende Voraussetzung. Um dem Studierenden die Entscheidung der Studienortwahl zu erleichtern, ist ein dreistufiges Informationssystem Hochschulwahl zu installieren:

In einer frühen Phase wird ein zukünftiger Studierender eine Vorauswahl der Hochschulen treffen wollen. Dazu kann im allgemeinen ein Handbuch des Arbeitsamtes über alle Berufe auch eine kurze Darstellung der Hochschulen mit Generalinformationen wie Größe des Lehrangebotes, Gestaltung des Campus, Überlastsituation, Ausstattung etc. enthalten.

In einer zweiten Phase kann der zukünftige Studierende sich dann zu einem Fachbereich schon jetzt durch die Broschur des Arbeitsamtes informieren. Diese Broschur muß um eine Kurzdarstellung der Besonderheiten eines Fachbereiches an einer speziellen Hochschule ergänzt werden. Dazu sollen insbesondere der Umfang des Vorlesungsangebotes, die Eingangsbedingungen, die Einrichtungen der Fakultät und die Betreuungsrelation gehören. Zusätzlich ist eine Seite zur Selbstdarstellung der Fakultät vorzusehen.

In einer dritten Stufe sollen Messen eines bestimmten Fachgebietes bundesweit durchgeführt werden. Solche Messen sind für die Studierenden als Informationsquellen besser geeignet als gelegentliche Tage der offenen Tür, bei denen man sich meist nur die Hochschulen in der Nähe anschauen kann. Sie unterstützen die Studienortentscheidung und Studienortswechsel.

Neben dieses Informationssystem Hochschulwahl müssen hochschulinterne Informationssysteme treten. In diesen werden durch Vorlesungsbefragungen, Selbst- und Kollegenevaluation der Professoren deren Lehrleistungen dokumentiert. Ein weiteres Informationssystem soll die Studienorganisation und die Kritik an dieser dokumentieren und ein drittes internes Informationssystem ist zuständig für die Bewertung der Ausstattung der Hochschule sowie deren Verbesserung.

 

Autonomie und Regelung

 

Ohne die Entscheidungskompetenz der Marktteilnehmer kann eine stärker wettbewerbsorientiertes Hochschulsystem natürlich nicht funktionieren. Die Hochschulen müssen ein eigenes Profil entwickeln können, um im Wettbewerb zu bestehen. Dazu müssen sie in der Lage sein,

  • über ihre Haushaltsmittel in weiten Grenzen frei zu verfügen
  • die zu ihrem Profil passenden Studierenden auszuwählen
  • innovative Studienangebote und ‑pläne unbürokratisch zu realisieren.

Zur Realisierung dieser Maßnahmen ist ein Rückzug der Bundesländer aus der bürokratischen Regelung des Hochschulwesens erforderlich. Die Finanzierung der Hochschulen muß langfristig im Drittelmix von zweckgebundenen, strukturgebundenen und freien Haushaltsmitteln erfolgen. Die Einstellung von Hochschullehrern und die Genehmigungspraxis von Studienplänen obliegen weiterhin den Ländern, genauso wie die Anstrengungen zur Förderung der Lehre. Hier können die Bundesländer durch strukturbezogene Mittel ( z.B. für die Herstellung von Skripten, für die Neueeinrichtung von Tutorien etc. ) Einfluß üben. Weiteren Lenkungsspielraum können die Länder über die Ausgestaltung der Anreizmechanismen nehmen.

Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, Studiengänge nach vier, sechs und acht Semestern mit vollwertigen Abschlüssen anzubieten.

 

Anreizmechanismen

 

Um den Wettbewerb um Studierende anzuregen, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) die Einführung eines Bildungsgutscheinsystems. Abhängig von dem Aufkommen an Gutscheinen werden einer Hochschule Finanzmittel zugewiesen. Diese Finanzmittel sollten sinnvollerweise nicht zweckgebunden sein.

Die Höhe des Zuweisungsbetrages muß von Studienfach und Semester des Studierenden abhängen: So werden einerseits aufwendige Fächer nicht benachteiligt, andererseits besteht ein starker Anreiz zur Studienzeitverkürzung.

Eine Stiftung, von Bund, Ländern und Wirtschaft finanziell getragen, soll unter Einbeziehung der Studierenden besonders gelungene Konzepte und Einzelleistung in der Lehre fördern. Diese Stiftung soll von ihrer Ausstattung und Arbeitsweise den Stiftungen für die Forschung entsprechen.

Den Fachhochschulen ist die durch einen verstärkten Ausbau die Möglichkeit zu geben, sich zu engagieren. Das Symptom der Überfüllung der Fachhochschulen läßt die Vorteile der FH’s derzeit nicht voll zur Geltung kommen.

Die Lehre muB für das Prestige des einzelnen Hochschullehrers eine größere Rolle spielen. Dazu sind die Leistungen in der Lehre beim Gehalt und bei den Berufungen zu berücksichtigen; als Bewertungskriterium sollte dabei das hochschulinterne Informationssystem dienen. Weiterhin sind besondere Lehrleistungen durch die Ausschreibung von Preisen besonders zu würdigen. Die venia legendi soll in Zukunft den Nachweis einer entsprechenden pädagogischen und didaktischen Ausbildung voraussetzen.

 

Wege in den Wettbewerb

 

Die bundesdeutsche Hochschulen bilden ein sehr komplexes System. Es ist daher ratsam, vorsichtig vorzugehen. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) schlägt daher vor, die Wettbewerbsinitiative auf breiter Front bald zu beginnen, aber die einzelnen Maßnahme vorsichtig einzuführen. Nach jeder Phase ist ein gründlich Bewertung und Reflexion nötig. Im einzelnen bedeutet dies:

 

Kurzfristig

 

  • bevorzugte Mittelzuweisungen an Hochschultypen, für die besondere Nachfrage besteht
  • konsequenter Ausbau und Besserstellung der FH’s
  • Einführung bzw. Erweiterung der Globalhaushalte
  • Informationskampagne über das geplante Programm
  • Erhöhung der Transparenz des Hochschulsystems durch Vorlesungsbefragungen
  • Einberufung einer Kommission, die sich mit der Einrichtung einer Stiftung zur Förde rung der Lehre beschäftigt.
  • Vorantreiben der Entwicklung in den neuen Bundesländern, Unterstützung von innovativen Projekten.
  • stärkere Einbeziehung der Lehre bei der Bewertung und Berufung von Professoren
  • Pilotprojekte für die neuen Informationssysteme

 

Mittelfristig

 

  • Beginn des Bildungsgutscheinsystems mit steigenden Beträgen
  • Teilweise Durchführung von Studiengängen an Fachhochschulen, die in diesem Niveau oder in dieser Fachrichtung bisher noch nicht üblich gewesen sind
  • Beginn der Informationssysteme auf breiter Basis
  • Vergabe strukturorientierter Mittel und Erhöhung der Globalhaushalte
  • Aufnahme der Tätigkeit der Stiftung zur Förderung der Lehre
  • Festigung der Grundlage der Hochschulen in den neuen Bundesländern
  • Bindung der venia legendi an eine pädagogische und didaktische Ausbildung des Hochschullehrers
  • Studierende sollen bei der Berufung der Professoren ein wichtiges Wort mitreden können; dazu ist ihnen Stimmrecht in den Berufungskommissionen zu gewähren

 

Langfristig

 

  • Mittelzuweisungen an die Hochschulen erfolgen im Drittelmix ungebunden, struktur orientiert und zweckgebunden. Die Höhe der Mittelvergabe wird zu einem nicht unbeachtlichen Teil durch das Bildungsgutscheinsystem und die Stiftung zur Förderung der Lehre beeinflußt
  • Institutionalisierung der Informationssysteme
  • Abbau der starren beamtenrechtlichen Vorschriften beim Beruf des Hochschullehrers
  • Konsolidierung des Verhältnisses von Fachhochschulen und Universitäten
  • die Stiftung zur Förderung der Lehre wird zu einem festen Bestandteil des bundes deutschen Hochschulsystems und wird um weitere, ähnliche Stiftungen ergänzt.

Hochschulautonomie

Im Zuge eines zu erstrebenden Wettbewerbes zwischen den Hochschulen fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen; – getragen von dem Wunsch, eine größtmögliche Angebotsvielfalt und eine an der studentischen Nachfrage orientierte Ausrichtung der Studiengänge zu gewährleisten, – die Regierungen und Parlamente der Bundesländer auf, auf eine größtmögliche Autonomie der Hochschulen hinzuwirken.

 

Unabdingbare Voraussetzung ist eine effektive Einflußnahmemöglichkeit durch die Studierendenschaft auf die Qualität der Lehre einzelner Hochschullehrer. In diesem Zusammenhang fordert der LHG die Beendigung der Abhängigkeit der Hochschulen bei der Berufung von Professoren von der Genehmigung durch den zuständigen Minister. Darüberhinaus fordert der LHG die Schaffung von Globalhaushalten, die es den Hochschulen ermöglichen, die Mittelzuweisung nach eigenen Ermessen zu gestalten; so kann gewährleistet werden, daß die Ausbildungskapazitäten optimal ausgeschöpft werden. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Fächervielfalt an den Hochschulen erhalten bleibt.

Studienordnungen sollten künftig nicht mehr der Genehmigung durch das zuständige Ministerium bedürfen.