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Forschung und Lehre enger verzahnen durch ‚Forschendes Lehren‘

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert eine breite Beteiligung von Studenten in der Forschung. Gemäß dem Humboldt’sche Bildungsideal gehören Forschung und Lehre unmittelbar zusammen. „Forschendes Lernen“ sollte fest in die Lehrangebote für interessierte Studierende aller Studiengänge integriert werden, um Studierende frühzeitig im Studium an Forschung heranzuführen. Jeder Student muss die Chance auf Teilhabe an einem Forschungsprozess haben.

Dementsprechend sind auch eine Weiterbildung des Lehrpersonals sowie eine Strukturanpassung der Studiengänge anzustreben. Prüfungen sollen nicht nur theoretisches Wissen abfragen, sondern, wo möglich, auch Methodik und praktische Fähigkeiten. Die Bundesländer rufen wir auf, im Falle einer entsprechenden Umsetzung die notwendigen Gelder dafür bereitzustellen. Auch im Falle einer Fortführung des Qualitätspakts für die Lehre sind vom Bund Projekte, die „Forschendes Lehren“ umsetzen wollen, besonders zu berücksichtigen.

Einrichtung des Hildegard-Hamm-Brücher-Preises für herausragende Lehre

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen verleiht im Zwei-Jahres-Takt den Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für herausragende Lehre in Höhe von 1.000,- Euro Preisgeld. Mit diesem Preis sollen Nachwuchswissenschaftler im Mittelbau oder Juniorprofessoren für ihre Leistungen in der Lehre geehrt werden. Das Preisgeld wird zielgerichtet und zweckgebunden via Spenden vom Bundesvorstand eingeworben. Entsprechende Rücklagen sind im Haushalt zu bilden. Sollten die Spendeneingänge innerhalb des Zwei-Jahres-Takts eine höhere Dotierung zu lassen, ist der Bundesvorstand berechtigt, die Dotierung entsprechend in 500-Euro-Schritten zu erhöhen.

Für die Vergabe des Preises wird durch die BMV eine sechsköpfige Jury bestellt, die aus zwei LHG Mitgliedern, die weder dem Bundes- noch einem Landesvorstand angehören dürfen, aus zwei Akademikern aus den Reihen des VLA, die nicht dem Präsidium des VLA angehören dürfen, sowie aus zwei Vertrauensdozenten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit besteht. Das Gremium ist zu 50% aus Studenten zu besetzten.
Vorschlagsrecht hat jedes Mitglied des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen.

Die Vergabe des Preises wird weiter durch das, diesem Beschluss angehängte Statut bestimmt, das die oben genannten Grundsätze aufnimmt und ergänzt.

Der Bundesvorstand wird beauftragt, nach einer Schirmherrschaft, vorzugsweise durch das Bundesbildungsministerium anzufragen.

Statut zur Preisverleihung des Hildegard-Hamm-Brücher-Preises für gute Lehre

Präambel

Zur Würdigung von Hildegard-Hamm-Brücher sowie zur Auszeichnung herausragender Leistungen in der Hochschullehre an einer deutschen Hochschule verleiht der Bundesverband liberaler Hochschulgruppen den „Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für herausragende Lehre“. Er wird im Rahmen einer Bundesmitgliederversammlung.

  • 1 Der Preis

Der „Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für herausragende Lehre“ ist mit mindestens 1.000 Euro dotiert. Vergeben wird er für herausragende Leistungen in der Lehre an einer staatlichen oder privaten Hochschule in der Bundesrepublik Deutschland, die von einer Nachwuchswissenschaftlerin oder einem Nachwuchswissenschaftler im Mittelbau oder der Inhaberin oder dem Inhaber einer Juniorprofessur erbracht wurden. Dies kann die Umsetzung innovativer Lehrmethoden, qualitativ hochwertige Lehrveranstaltungen oder die besondere Förderung wie Forderung studentischer Beteiligung in Lehrveranstaltungen beinhalten. Die Verleihung findet alle zwei Jahre statt.

  • 2 Vergabe

Vorschlagsrecht hat jedes Mitglied des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury. Die auszuzeichnende Leistung in der Lehre hat an einer staatlichen oder privaten Hochschule in der Bundesrepublik Deutschland erbracht worden zu sein. Bewerbungen sind ausgeschlossen. Die Preisentscheidung trifft allein und unabhängig eine Jury.

  • 3 Bestellung und Zusammensetzung der Jury

Die Jury besteht aus sechs stimmberechtigten Mitgliedern. Diese werden alle zwei Jahre im Jahr vor der Preisverleihung von der Bundesmitgliederversammlung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen für eine Preisentscheidung gewählt. Zwei der Jury-Mitglieder entstammen dabei den Mitgliedsgruppen des Bundesverbandes, zwei Weitere den Reihen der Vertrauensdozenten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die zwei anderen aus Reihen des VLA. Das Gremium ist zu 50 % aus Studenten zu besetzen. Die unmittelbare Wiederbestellung in die Jury ist nur einmal möglich.

  • 4 Arbeit der Jury

Die Jury tritt möglichst zeitnah nach ihrer Wahl zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Sie wählt aus ihrer Mitte mit einfacher Mehrheit einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende. Eine Wiederwahl ist zulässig. Die Sitzungen der Jury sind nicht öffentlich. Die Beratungen sind vertraulich. Die Jury ist beschlussfähig, wenn mindestens vier Jury-Mitglieder anwesend sind. Die Jury wählt den Preisträger bzw. die Preisträgerin. Im Falle der Stimmengleichheit gilt der Vorschlag als abgelehnt. Stimmenthaltungen sind nicht möglich. Die Entscheidung der Jury ist endgültig. Der Ablauf der Beratungen wird in Form eines Verlaufsprotokolls dokumentiert. Der Wortlaut der Begründung wird festgehalten. Nach der Entscheidung ist dem Bundesvorstand des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen die Entscheidung der Jury mitzuteilen und das Verlaufsprotokoll auszuhändigen.

  • 5 Bekanntgabe

Der Bundesvorstand des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen teilt die Beschlüsse der Jury der Öffentlichkeit mit. Die Beschlüsse können nicht auf dem Rechtsweg angefochten werden. Die Preisverleihung erfolgt in festlicher Form.

 

Positionen des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) zur Evaluation der Lehre

  1. Einleitung

 

Um eine Qualitätssicherung in der Lehre zu ermöglichen, müssen Instrumente zu ihrer Durchführung gefunden werden. Der LHG hält sowohl eine Sicherstellung lediglich durch Vorgaben und Prüfungsordnungen, als auch eine Orientierung an Abschlüssen und dem Berufserfolg der Studierenden für nicht ausreichend, um eine Bewertung von Lehre vornehmen zu können. Durch Evaluation soll ein Einblick in den Kernbereich der Vermittlung von Wissen erfolgen, Strukturen des Wissenstransfers sollen beleuchtet werden.

 

Evaluation von Lehre kann auf höchst unterschiedlichen Wegen erfolgen. Dazu gehören vor allem studentische Evaluation in Form von Befragungen, sowie interne und externe Begutachtung durch eine Gutachtergruppe. Der LHG setzt sich dafür ein, daß alle diese Möglichkeiten der Lehrqualitätsbewertung vereint zur Evaluationsdurchführung herangezogen werden sollten.

 

  1. Rahmenbedingungen

 

Evaluation muß im Autonomiebereich der Hochschule erfolgen. Der Staat soll nicht in die Durchführung des Evaluationsverfahrens eingreifen. Die Gründung einer Zentralstelle bzw. von Regionalbüros zur Koordinierung von Evaluation ist nicht nötig. Nach Vorbild des norddeutschen Evaluationsverbundes kann dies auch in gegenseitiger Absprache zwischen Hochschulen erfolgen.

 

Grundsätzlich sollte jeder Fachbereich alle fünf Jahre evaluiert werden. Innerhalb dieser Frist kann sich der Fachbereich selbst für einen Zeitpunkt entscheiden. Wenn Fachbereiche die Evaluation nicht fristgerecht durchführen, kann diese ausnahmsweise vom Senat der Hochschule angeordnet werden.

 

Die Verwertbarkeit der Evaluation kann dadurch gesteigert werden, daß den Hochschulen das Recht zugestanden wird, Studierende selbst auszuwählen. So könnte die Verantwortung der Hochschule gegenüber ihren Studierenden erhöht und somit die Gefahr, daß die Schuld für schlechte Ergebnisse in einem Evaluationsverfahren den Studierenden zugeschoben wird, verringert werden.

 

Forschungs- und Lehrevaluation sind zu trennen. Jedoch sollte die Verknüpfung von Lehre und Forschung sowie die Berücksichtigung von Forschungsergebnissen in der Lehre durch Lehrevaluation mitberücksichtigt werden.

 

 

  1. Ziele der Evaluation

 

Evaluation soll durch eine Bestandsaufnahme, Analyse und Bewertung von Strukturen eines Fachbereichs Mißstände aufdecken und Vorschläge zur Verbesserung geben. Dabei sollten vor allem Effiziensreserven gefunden werden, um sie in Zukunft zu nutzen. Eine wichtige Voraussetzung für interne Evaluation ist die regelmäßige Verabschiedung von Zielvorgaben seitens der Fakultät. In diesen Zielvorgaben soll die Fakultät ihre Pläne und Ziele bis zur nächsten Evaluation festlegen. Die Evaluation beinhaltet dann auch die Überprüfung dieser Zielvorgaben.

 

Durch Evaluation soll eine Vergleichbarkeit von Fachbereichen verschiedener Hochschulen auf der Grundlage objektiver Daten ermöglicht werden. Dabei ist jedoch die Profilbildung der einzelnen Fachbereiche zu berücksichtigen. Die Abschlußgutachten und die Methoden der Evaluation sollten veröffentlicht , Einzelberichte bzw. Ergebnisse von Befragungen sollten Studierenden wie Lehrenden zur Einsicht zugänglich gemacht werden.

 

  1. Durchführung der Evaluation

 

Der LHG ist der Auffassung, daß nach niederländischem Vorbild heute weit verbreitete Modell einer internen und externen Begutachtung grundsätzlich als gut und besonders objektiv zu bewerten ist. Jedoch muß sowohl innerhalb dieses Modells die studentische Beteiligung in den Gutachtergruppen, sowie bei der Planung festgeschrieben werden, als auch studentische Evaluation in Form von Befragungen durchgeführt werden. Deren Ergebnisse sind im Gutachten der internen Evaluation zu veröffentlichen und bei der Bewertung zu berücksichtigen.

 

Interne Evaluation ist eine Selbstbegutachtung des Fachbereichs durch Professoren, wissenschaftliches Personal und Studierende. Die Durchführung soll einer Arbeitsgruppe, in der Vertreter dieser drei Statusgruppen vertreten sind, übertragen werden. Interne Evaluation soll ermöglichen, daß Stärken und Schwächen des Fachbereichs kenntlich gemacht werden, ggf. sollen Änderungen in der Struktur zur Verbesserung der Lehre beitragen. Grundlage sollen Lehrberichte des Fachbereichs, welche wesentliche Strukturdaten und deren Kommentierung enthalten und welche ein bis zwei Jahre aktualisiert vorgelegt werden, sowie Ergebnisse aus Befragungen von allen Studierenden, die eingeschrieben sind, sein. Daneben sollen weitere Formen der Erkenntniserlangung, wie Diskussionen oder Gruppengespräche treten. Interne Evaluation soll alle 3 Jahre durchgeführt werden. Ihren Abschluß bildet ein Evaluationsbericht.

 

Befragungen sollten durch standardisierte Fragebögen, die von Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren gemeinsam erarbeitet wurden, erfolgen. Die Fragebögen müssen alle Studierende des Fachbereichs erreichen, um zu verhindern, daß lediglich die Gruppe der Anwesenden in die Bewertung eingeht. Die Fragebögen sind daher jeweils zu Semesterbeginn mit den Evaluations-/Semesterunterlagen an die Studierenden auszugeben. Sie sollten sich mit der einzelnen Lehrveranstaltung, aber auch mit den Studienverhältnissen am Fachbereich und, soweit ein Bezug zum Studium gegeben ist, mit Verhältnissen auf der Hochschulebene befassen. Die Ergebnisse, die sich lediglich auf einzelne Lehrveranstaltungen beziehen, sollten ohne Namensnennung im internen Evaluationsbericht erscheinen.

 

Externe Evaluation basiert auf den internen Evaluationsberichten. Sie soll erreichen, daß die Eigenerkenntnisse des Fachbereichs durch Gutachter, die nicht aus dem Bundesland stammen, in welchem die zu evaluierende Hochschule liegt, kritisch beleuchtet und Anregungen zur Verbesserungen gegeben werden. In dieser Gutachtergruppe müssen auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende vertreten sein. Darüber hinaus sollten auch Vertreter der Praxis berücksichtigt werden. Die Gutachter sollen durch eine unabhängige Stelle ernannt werden. Während eines zwei- bis dreitägigen Besuchs sollen in Gesprächen mit Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden die wesentlichen Problemlagen auf Grundlage des externen Evaluationsberichts diskutiert werden. Die Gutachtergruppe erstellt anschließend mit dem Fachbereichsrat, dem Fachschaftsrat und der Hochschulleitung bespricht. Eine externe Evaluation soll entsprechend der internen Evaluation alle 5-6 Jahre durchgeführt werden.

 

Sobald eine Evaluationsdurchführung angedacht wird, sind unverzüglich alle Statusgruppen zu informieren, um sich auf den Evaluationsprozeß vorzubereiten.

 

Die Kosten einer Evaluation entstehen neben einem gewissen Sachaufwand, vor allem durch erhöhte Personalkosten bei der internen Evaluation und durch Reise- und Übernachtungskosten bei der externen Evaluation. Diese Kosten sollten von Ländern, Bund und Hochschulen gemeinsam getragen werden. Die EU sollte Förderungsmittel hierfür bereitstellen.

 

  1. Konsequenzen aus einer Evaluationsdurchführung

 

Neben dem Verfahren der Selbsterkenntnis und der Anregungen von außen, die zu Verbesserungen im Lernprozeß führen sollen, dürfen keine Konsequenzen von außen, beispielsweise in Form von Mittelkürzungen durch die Länder, damit verbunden sein. Jedoch könnten die Hochschulleitungen als Anreiz die Vergabe zentral verwalteter Gelder an die Ergebnisse von Evaluationsverfahren knüpfen. Zwei Jahre nach Abschluß einer Evaluation sollten die Ergebnisse in der Umsetzung überprüft werden.

 

  1. Fragestellungen

 

Grundlage der internen und externen Evaluation sollte der Fragebogen der HIS sein. Dieser ist jedoch in einigen Punkten zu ergänzen:

  • Werden hochschulinterne Auswahlverfahren (-tests) durchgeführt? Welche Kriterien werden angewendet?
  • Haben Professoren didaktische Fortbildungen besucht?
  • Wie hoch ist der Anteil an Forschungssemestern? Welche weiteren Freistellungen gibt es?
  • Welche Art von Hochschulzugangsberechtigung besitzen die Studierenden?
  • Alter der Studierenden?
  • Blick auf den Ist-Zustand der Studierendenschaft
  • Statistik über Studienabbrecher/-wechsler
  • Differenzierung der Labor-/Praktikaplätze nach Grund- und Hauptstudium
  • Zugänglichkeit von Hochschuleinrichtungen ohne Professoren
  • Personal/Kopierer in Bibliotheken
  • Herkunft und Verwendung von Haushaltsmittel
  • Wer hat die Kompetenzen für die Mittelvergabe?
  • Ist das Verhältnis Frauen-Männer zufriedenstellend?
  • Gibt es Angebote für didaktische Fortbildung der Lehrenden?
  • Wie werden Lehrveranstaltungen frequentiert (prozentual)?
  • Bestandsaufnahme auf Hochschulebene, z.B. im sozialen Bereich, und deren Auswirkung auf den Fachbereich

Keine Leistungsnachweise nach dem 2. Semester

1. Der LHG spricht sich gegen die von der Bundesregierung vorgeschlagene Einführung von Leistungs- bzw. Studienstandsnachweisen nach dem 2. Semester für alle Studierende aus. Diese stellen einen nicht akzeptablen Eingriff in die Studienfreiheit des Einzelnen dar. Der durch sie erzeugte Leistungsdruck wird es den Studienanfängern noch schwerer machen, sich in das Studium einzugewöhnen und wird viele Studierende aus ihrem Wunschstudium heraushalten oder -werfen.
2. Der LHG lehnt auch die Einführung von Leistungs- bzw. Studienstandsnachweisen nach dem 2. Semester nur für BaföG-Empfänger ab. Diese würden dadurch neben den sich durch den geringen Förderungssatz ergebenden sozialen Problemen noch zusätzlich gegenüber finanziell besser gestelten Studierenden benachteiligt. Für den LHG stellt dieses Die Einführung eines „sozialen Numerus Clausus“ dar.
3. Der LHG fordert, die Studienbedingungen an deutschen Universitäten zu verbessern; die derzeitigen Bedingungen sind extrem schlecht (überfüllte Hörsäle, wenig Professoren, schlechte Qualität der Lehre, wenig Prüfungstermine, volle Wartelisten, überfüllte Seminare); unter derartigen Umständen ist eine Beschleunigung des Studiums durch etwaige Leistungsnachweise unmöglich. Zudem läßt eine erzwungene Einengung des Studiums keine interdisziplinären Studien zu, das Studium verkommt zu einem Schmalspurstudium. Eine Beschleunigung ist nur mit Qualitätsverbesserungen der Lehre und der Studienbedingungen zu erreichen.

Förderung von Evaluation in der Eigenverantwortung der Hochschulen

Der LHG fordert alle Landesregierungen auf, Gelder bereitzustellen, damit alle Hochschulen in eigener Verantwortung Programme zur Evaluation der Lehre durchführen können. Eine finanzielle Absicherung der studentischen Beteiligung ist dabei zu beachten.

Die zwischenhochschulische Einrichtung von Evaluationsagenturen auf Landesebene kann zur Förderung und Begleitung der Evaluation sinnvoll sein.

Eckdatenverordnung NRW

NRW – Eckdaten kein Vorbild gelungener Studienreform

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert Hochschulen und Landesregierungen nachdrücklich zu Studienreformmaßnahmen auf, die eine echte Liberalisierung des Studienablaufs ermöglichen, unnötigen Ballast aus den Studienordnungen entfernen und die Prüfungsorganisation vereinfachen.

 

Die von der Ministerin für Wissenschaft und Forschung des Lands NRW erlassene Eckdatenverordnung lehnt der LHG als einen mißlungenen Beitrag zur Studienreform ab: Erstens, weil wir die auf den Schreibtischen der Ministerialbürokratie entstandenen Eckdaten für zu bürokratisch und der realen Situation an den Fachbereichen für zu wenig angepaßt halten. Zweitens, weil wir die von der Ministerin zur Umsetzung der Eckdaten gewählte Vorgehensweise, insbesondere den äußerst knapp bemessenen Zeitrahmen bis Oktober 1995 und die Drohung mit Ersatzvornahmen, insofern für verfehlt halten, als damit selbst bei reformwilligen Professoren der Eindruck eines Oktroy entsteht, ein konstruktiver Dialog zwischen Professoren und Studenten, der unter dem sanfteren Druck einer längeren Zeitschiene und weniger bürokratischer Vorgaben durchaus mit Aussicht auf Erfolg führbar gewesen wäre, von vorneherein unmöglich gemacht wird, und die reformunwilligen Professoren geradezu heroisch auf den Klageweg getrieben werden, an dessen Ende ein gerichtlich verordnetes Scheitern der Reform als solcher stehen könnte. Da wir letzteres nicht wollen, fordern wir die Landesregierung von NRW zur Rücknahme und einer unverzüglichen Überarbeitung ihrer Eckdaten auf.

 

Der LHG bekräftigt darüber hinaus seine grundsätzliche Haltung, daß mit finanziellen Anreizsystemen die Reformbereitschaft der Hochschulen weitaus effektiver zu steigern ist als mit bürokratsich-dirigistischen Maßnahmen. Der LHG fordert daher alle anderen Landesregierungen im Bemühen um eine geligende Studienreform auf, dem Beispiel der NRW – Eckdaten nicht zu folgen.

Verbesserung der Lehrqualität und Hochschulautonomie

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG}fordert eine massive Finanzaufstockung zur Förderung der Lehre an den Hochschulen. Die Hochschulen müssen dabei zeigen, daß sie ihre Autonomie zu Recht besitzen, indem sie von sich aus eigene, weitreichende Pläne für eine Verbesserung der Lehrqualität ausweisen. Nur wenn solche Pläne eindeutige Verbesserungen für die Situation der Lehre an den Hochschulen in sich bergen, wird die Gesellschaft bereit sein, Geld für die Lehre zu investieren. Dabei schlägt der LHG im einzelnen folgende Maßnahmen vor, die die Hochschulen von sich aus leisten können:

 

  1. Die verstärkte, institutionalisierte Berücksichtigung studentischer Meinung bei Fragen, die die Lehre betreffen

 

  1. die flächendeckende Einführung von Lehrberichtserstattung inklusive studentischer Veranstaltungskritik

 

  1. die Herausgabe eines Hochschulführers-Deutschland, der auf Lehrberichtserstattung und weiteren objektiven Daten über Forschung und Lehre basiert

 

  1. die Forcierung der Qualifikation der Mitarbeiter in didaktischen Belangen

 

  1. die Erweiterung des Netzes hochschuldidaktischer Zentren.

 

  1. die Einrichtung eines gemeinsamen, bundesweiten Instituts als Diskussions- und Forschungsformen für die akademische Lehre

 

  1. Durchforstung der Studienpläne auf die Möglichkeit, neue Lehr- und Lernformen, wie z.B. team teaching durch Studienprojekte, einzusetzen

 

  1. Stärkung der Beteiligung der Studierenden in allen universitären Bereichen – von den Selbstverwaltungsgremien bis hin zur Gestaltung von Lehrplänen und Vorlesungen

Deutsche Lehrgemeinschaft

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die Einrichtung einer Deutschen Lehrgemeinschaft (DLG). Diese soll ähnlich der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) besondere Leistungen in der Lehre finanziell fördern. Damit soll das Gleichgewicht von Forschung und Lehre wiederhergestellt werden.

 

 

Aufgaben

 

Die Deutsche Lehrgemeinschaft soll die Qualität der Lehre an den Universitäten und die Forschungsvorhaben, die sich mit der Lehre beschäftigen, fördern. Sie soll in allen Grundsatzfragen der Bildungsplanung und -forschung die zuständigen Behörden, Ministerien und Parlamente beraten. Die Vergabe der Mittel erfolgt nach einem Gutachterprinzip ähnlich der DFG. Jedes Universitätsmitglied kann einen Antrag auf Förderung stellen, der von unabhängigen Gutachtern geprüft wird. Die Beurteilung richtet sich u.a. nach folgenden Kriterien:

 

– Einzelprojektförderung:

Gefördert werden Projekte, die im Rahmen bestehender Studienordnungen wesentliche Verbesserungen in der Unterrichtsgestaltung darstellen. Darüber hinaus gelangen Projekte in die Förderung, die gänzlich neue Ausbildungsformen in Erweiterung bestehender Curricula einführen. Insbesondere sind Projekte zu fördern, die die Studierenden in die Unterrichtsgestaltung und inhaltliche Vorbereitung von Unterrichtsreihen einbinden. Beispiele wären ein Ost-West-Tutorenprogramm in Fächern wie Jura oder BWL, Einführungsveranstaltungen vor Studienbeginn, die einen Überblick über das Studienfach geben und ein breiteres Seminarangebot schon im Grundstudium.

 

– Schwerpunktförderung:

Mit der Schwerpunktförderung sollen interdisziplinäre Modellversuche oder Modellstudiengängen (gemäß HRG) eines Faches zur Studienreform ermöglicht werden. Die Schwerpunktförderung dient dem Erhalt der Innovationsfähigkeit der Hochschulen in der Lehre. und damit zur Weiterentwicklung des wissenschatlichen Hochschulsystems. Insbesondere ist dabei an die Entwicklung von Studiengängen in den neuen Ländern zu denken.

 

– Ausbildungsforschung:

Es sollen Projekte gefördert werden, die der Erforschung der Ausbildungsbedingungen, -ziele, -motivation sowie den dabei erforderlichen Anpassungen dienen. Die Entwicklung moderner Curricula ist dabei ein Aspekt. Auf diese Weise könnte der wechselseitigen Beeinflussung von gesellschaftlichen Veränderungen und Anforderungen an die wissenschaftliche Ausbildung durch die Universität Rechnung getragen werden. Es wird die Möglichkeit geschaffen, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu fördern, die die Ausbildungsqualität und die Qualität der Hochschulausbildung untersuchen und der Verbesserung der Ausbildung dienen. Beispiele dafür wären Untersuchungen über die motivationssteigernde Wirkung von Vorlesungsbefragungen oder über Fünf-Minuten-Tests. Auch könnten Themenbereiche wie die Auswirkung der Benachteiligung von Frauen oder Ausländern auf das Studium besser untersucht werden.

 

– Didaktische Unterstützung der Lehre:

Gefördert werden Projekte, die der Verbesserung der Lehrbefähigung aller Lehrenden (Tutoren, Angehörige des Mittelbaus, Professoren) dienen.

 

– Förderung der Evaluation:

Die Entwicklung geeigneter Parameter und derer Kombination zur Messung der Leistungsfähigkeit der Hochschule und einzelner Dozenten soll gefördert werden.

 

 

Finanzierung

 

Zu Beginn sollte die Deutsche Lehrgemeinschaft mit 50 Millionen DM ausgestattet werden. Diese Mittel müßten von Bund und Ländern gemeinsam aufgebracht werden. Weitere Drittmittelgeber müssen gefunden werden. Eine Finanzierung der Deutsche Lehrgemeinschaft darf nicht aus den den Universitäten bislang zur Verfügung stehenden unzureichenden Mitteln erfolgen.

 

 

Mitglieder und Organisation

 

Mitglieder sind: die wissenschaftlichen Hochschulen; die wissenschaftlichen Verbände zur Förderung der Lehre; andere Lehreinrichtungen. Vertreter der wissenschaftlichen Hochschulen sind je ein Professor (vom Senat gewählt), ein wissenschaftlicher Mitarbeiter (von den wissenschaftlichen Mitarbeitern gewählt) und ein Student (vom StuPa gewählt). Die Mitgliederversammlung bestellt einen Generalsekretär und wählt ein Präsidium; bestehend aus einem Präsidenten und zwei ehrenamtlichen Vizepräsidenten (von denen einer Studierender ist).

Für jeden der fünf Aufgabenbereiche wird ein Fachausschuß gebildet, der einem Hauptausschuß sein Votum zu einem Förderungsantrag zur Beschlußfassung vorlegt. Im Hauptausschuß sitzen je drei Vertreter der Professoren und der Studenten sowie ein Vertreter des Bundes und ein Vertreter der Verbände/Lehreinrichtungen. Beratend: Vertreter der Rektorenkonferenz, des Wissenschaftsrates und des Stifterverbandes.

„5-Minuten-Test“

Um die Qualität der Lehre an bundesdeutschen Hochschulen gibt es seit einiger Zeit eine lebhafte Diskussion. Immer wieder wird die Tatsache kritisiert, daß sich die Reputation der Professorinnen und Professoren ausschließlich durch Forschungserfolge begründet; gute Lehre ist so zur Privatsache einiger Engagierter und insgesamt zum Stiefkind der Universitäten geworden. Auch bei Berufungen ist die Lehrqualität meist von untergeordneter Bedeutung.

Neben fehlendem Engagement sowie Defiziten in Didaktik und Rhetorik einiger Lehrenden liegt die Unzufriedenheit mit der Form vieler Lehrveranstaltungen sicherlich auch an mangelnder personeller Ausstattung der Fachbereiche und der daraus resultierenden Überfüllung. Das Problem der Ausstattung läßt sich inneruniversitär nicht befriedigend lösen, das der Vortragsqualität vielleicht schon.

Die Idee des „5-Minuten-Tests“ stammt aus den USA. Neben anderen Verfahren, die der Bewertung von Lehre dienen, wird dieses Mittel dort eingesetzt, um Lehrenden mehr Einblick in die Wirkung ihrer Veranstaltungen zu geben.

 

Der „5-Minuten-Test“

 

Jede Lehrveranstaltung wird ungefähr einmal im Monat 5 Minuten früher geschlossen. In der verbleibenden Zeit notieren die Studierenden, bei Großveranstaltungen evtl. nur ein Teil der Studierenden, auf einem neutralen Blatt kurz ihre Antworten auf die Fragen:

  • Was ist mir in dieser Veranstaltung klar geworden?
  • Welche Fragen sind in dieser Veranstaltung offen geblieben?
  • Wie gut/schlecht konnte ich der Gedankenführung folgen?

Die Antworten sind ausschließlich für die Professorin bzw. den Professoren bestimmt. Durch die individuelle Auswertung der Bögen erreicht man ein Feed-Back, das ansonsten an den Massenuniversitäten verloren gegangen ist.

Der „5-Minuten-Test“ kann nicht der Bewertung der Lehre im Vergleich der Lehrenden dienen. Das Verfahren erreicht nur eine größere Transparenz für die Lehrenden über die Qualität ihrer eigenen Lehre.

 

Alle Professorinnen und Professoren werden dazu aufgefordert, sich an der Aktion „5-Minuten-Test“ zu beteiligen. Diese Idee läßt sich ohne finanziellen Mehraufwand verwirklichen. „Institutionalisierte Kritik“ kann sicherlich niemandem schaden, vielleicht aber durch die Verdeutlichung von Defiziten helfen. Nur gemeinsam können Lehrende und Lernende trotz Hochschulnotstand die Qualität der Lehre verbessern.

Anreize für die Lehre

Die Situation der Lehre an den bundesdeutschen Hochschulen wird derzeit im wesentlichen]ichen durch zwei Faktoren negativ beeinflußt:

Zum einen durch die unzureichende Ausstattung der Hochschulen mit Mitteln, Räumen und Personal, so daß das Angebot an Vorlesungen, Seminaren und Übungen nicht dem notwendigen Maß entspricht. Überfüllte Veranstaltungen und katastrophale Betreuungsrelationen sind ein wesentlicher Kritikpunkt bei der Qualität der Lehre.

Zum anderen ist über diese aktuelle Einschränkung der Lehrleistungen hinaus die niedere Bewertung der Lehre im Vergleich zu Forschungserfolgen ein Grund für die geringe Motivation der Dozenten zu einer engagierten Lehrtätigkeit. Da die wissenschaftliche Reputation der Hochschullehrer nur durch ihre Forschungstätigkeit, nicht aber durch ihre Lehrerfolge begründet wird, besteht von ihrer Seite kein Interesse an einer attraktiven Darbietung des Lehrstoffes.

Um im Sinne der Studierenden neue Anreize für die Lehre zu schaffen, können nach Meinung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen folgende Mittel als geeignet angesehen werden:

 

Ein sinnvoller Aufbau der Studiengänge, d.h. eine übersichtliche und strukturierte Gliederung der Stoffgebiete soll angestrebt werden. Statt der Überfrachtung einzelner Fachbereiche mit Detailund Spezialwissen sollten die Studienanforderungen und die Prüfungsordnungen an die heutigen Notwendigkeiten angepaßt werden.

 

Die inhaltliche Qualität der Lehre, d.h. das Wissen und die Kompetenz des Dozenten, wird durch die Übertragung von aktuellen Forschungsergebnissen auf die Lehre ermöglicht. Dies bedeutet, daß sowohl die Auseinandersetzung mit der Forschung in der Lehre verstärkt werden muß als auch, daß es das Lehrdeputat aufzustocken gilt, um ein Gleichgewicht zwischen Forschung und Lehre herzustellen.

 

Die didaktische Aufbereitung, d.h. eine verständliche und nachvollziehbare Darbietung der Inhalte, kann dadurch gefördert werden, daß bei Berufungsverfahren die Qualität der Lehre vermehrt berücksichtigt wird. So erscheint es sinnvoll, die pädagogisch-didaktische Befähigung des Bewerbers durch einen gesonderten Nachweis zu belegen. Als positives Beispiel kann hier das System der Nachwuchsförderung in den USA gelten, wobei die Bewertung der Lehrleistungen durch die Studenten für eine weitere Berufung ein entscheidender Faktor sein kann. Darüber hinaus gilt es, gerade die Standardveranstaltungen der Lehre als sich stetig wiederholender Prozeß attraktiver zu machen. Über finanzielle Anreize kann hier zwischen den Professoren ein Wettbewerb angeregt werden, so z.B. über einen Preis für herausragende Lehre, der vom Deutschen Hochschullehrerverband oder vom Stifterverband vergeben werden könnte. Ein weiterer Punkt wäre die Bereitstellung von Drittmitteln für gute Lehrleistungen, wie z.B. von am fahigen Nachwuchs interessierten Arbeitgebern.

 

Die Betreuungsqualität, d.h. die Möglichkeit des persönlichen Kontakts mit dem Dozenten bzw die tutoriale Betreuung, ist ein wesentliches Kriterium für eine bedarfsgerechte und effektive Lehre. Durch die Einrichtung zusätzlicher AG s bzw Tutorien kann in diesem Bereich der wissenschaftliche Mittelbau geschult und der Stoff vertiefend nachbereitet werden.

Langfristig muß durch eine Änderung im Finanzierungssystem der Hochschulen ein wirksamer Anreiz für den gesamten Lehrkörper geschaffen werden, die Lehre aus dem Reservat der „Privatangelegenheiten“ herauszuführen und zu einem gleichwertigen Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit aufzuwerten. Damit der Lehrleistung ein spürbarer Anteil an der wissenschaftlichen Reputation zukommt, muß sie sich dem Wettbewerb und der Kritik stellen – wie es bei der Forschung schon längst der Fall ist