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Stellungnahme zum gemeinsamen Papier der KMK/FMK vom 09. 10. 1993

Der LHG lehnt die Konkretisierung der Vorschläge der Kultus- und Finanzministerkonferenz der Länder vom 09. 10. l 993 als Diskussionsgrundlage für den Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern über eine Fortsetzung der Studienreform entschieden ab.

Der Vorschlag, Studiengebühren von Studierenden zu erheben, welche äußerst knapp bemessene Regelstudienzeiten überschreiten, verkennt die angespannt finanzielle Lage der meisten Studierenden und wird aufgrund des dadurch nochmals erhöhten finanziellen Drucks genau das Gegenteil vom angestrebten Ziel einer Verkürzung der Studienzeiten bewirken.

Die vorgeschlagene zwangsweise Exmatrikulation von Studierenden, welche die Regelstudienzeit überschreiten, stellt einen völlig unverhältnismäßigen und deshalb unzulässigen Eingriff in die vom Grundgesetz verbürgten Grundrechte der einzelnen Studierenden dar.

Der LHG begrüßt dagegen den vorgeschlagenen Ausbau der Fachhochschulen, weist jedoch darauf hin, daß dieser finanziell keinesfalls zu Lasten der Universitäten gehen darf.

Der LHG begrüßt grundsätzlich Maßnahmen zur Evaluierung der Lehr- und Forschungsleistungen der Hochschulen und zur Schaffung positiver Leistungsanreize für Lehrende und Studierende, fordert bei den konkreten Maßnahmen aber eine stärkere Berücksichtigung der von studentischer Seite auch mit Unterstützung des LHG bereits durchgeführten und bewährten studentischen Veranstaltungskritik.

Der Vorschlag der Kultus- und Finanzminister, Universitätsstudiengänge künftig in solche berufsqualifizierender Art und solche zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterteilen, ist ohne nähere Konkretisierung insbesondere der Frage des Zugang zu den Studiengängen zur Ausbildung des wissenschaftliche Nachwuchses nicht als Diskussionsgrundlage zu brauchbar.

Eine nachhaltige „Entrümpelung“ von Studienplänen- und inhalten ist unverzichtbar.

Verbesserung der Situation der Fachhochschulen

Die Fachhochschulen sind ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Bildungswesens; sie bieten mit ihrer praxisorientierten und berufsbildbezogenen Lehre eine ernstzunehmende Alternative zu Forschung und Lehre.

 

Deshalb fordert der LHG

 

  • Verbesserung der Mittelausstattung an den Fachhochschulen
  • Die unverzügliche Neueinstellung von ausscheidenden Professoren muß durch ein rechtzeitiges Berufsverfahren gewährleistet sein
  • Verbesserung der Betreuungsrelationen durch zusätzliche Neueinstellungen von Professoren
  • Verstärkte Einrichtung von Stellen für studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter, um die anwendungsorientierte Forschung zu erleichtern
  • Verstärkte Zusammenarbeit mit den einheimischen Industrieunternehmen um noch höheren Praxisbezug erreichen zu können, z.B. durch Gastvorträge von führenden Industriekräften.
  • Intensivierung von nationalen und internationalen Kooperationen zwischen Fachhochschulen besonders im Hinblick auf den EG-Binnenmarkt 1992
  • Abschaffung der nicht mehr gerechtfertigten Benachteiligung von FH-Absolventen im öffentlichen Dienst, dies gilt sowohl für die Einstellungspraxis als auch für die Beförderungspraxis

 

Alle diese Maßnahmen können jedoch nur dann sinnvoll durchgeführt werden, wenn durch entsprechende Erhöhung der Ausgaben von Bund und Ländern es zu einer spürbaren Entlastung an den Hochschulen kommt.

Fachhochschulen

Fachhochschulen sind nach Auffassung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Bildungswesens. Sowohl mit ihrer anwendungsorientierten Wissenschaft als auch mit ihrer berufsbildbezogenen Lehre bieten die Fachhochschulen eine Alternative zu Forschung und Lehre an den Universitäten. Vor allem die strukturierten Studiengänge an Fachhochschulen (mit der Folge erheblich kürzerer Studienzeiten) kommen sowohl den Anforderungen des Beschäftigungsmarktes als auch den Wünschen vieler Studierender entgegen.

Der LHG fordert deshalb den weiteren Ausbau des Fachhochschulwesens, um dem steigenden Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften auf dem Wege zeitlich begrenzter Studiengänge mit raschem berufsqualifizierendem Abschluß Rechnung zu tragen.

Insbesondere hält der LHG in den Disziplinen des naturwisenschaftlich-technischen Spektrums Parallelangebote von praxisorientierten Studiengängen an den Fachhochschulen einerseits und von grundlagenwissenschaftlich geprägten Studiengängen an den Universitäten und gleichgestellten wissenschaftlichen Hochschulen andererseits für erforderlich.

Der öffentliche Dienst bleibt aufgefordert, die sachlich längst nicht mehr gerechtfertigte Benachteiligung der Fachhochschulabsolventen in seiner Einstellungs- und Beförderungspraxis aufzugeben.

Um eine solche, stärkere Stellung der Fachhochschulen im deutschen Bildungswesen zu erreichen, muß vor allem die Qualität der Lehre an den Fachhochschulen verbessert werden.

 

Im einzelnen fordert der LHG:

  • Berufungsvoraussetzung zur Professur an Fachhochschulen muß zumindest die Promotion sein, auf alle Fälle weiterhin eine mindestens fünf-Jährige berufliche Tätigkeit.
  • Aufgabe der Fachhochschulprofessoren soll hauptsächlich die Lehre sein.
  • Einrichtung von Stellen für studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter auch an Fachhochschulen, um Forschung durchführen zu können.
  • Daneben soll die Beteiligung von Lehrbeauftragten aus der beruflichen Praxis an der Lehre verstärkt gefördert werden.
  • Der Übergang vom Fachhochschulstudium zum Studium an Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen ist flexibler zu gestalten; FH-Absolventen soll die Möglichkeit geboten werden, in kurzer Zeit die Voraussetzungen für eine Promotion zu erwerben.
  • Zwischen Universitäten und Fachhochschulen ist eine stärkere Zusammenarbeit in Forschungsprojekten anzustreben.

 

Es bleibt jedoch festzuhalten, daß obige Maßnahmen nur sinnvoll durchgeführt werden können, wenn durch entsprechende Erhöhung der Ausgaben von Bund und Ländern für die Hochschulen es zu einer spürbaren Entlastung der Hochschulen kommt.