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Evaluationsdatenbank

Der Bundesvorstand wird aufgefordert, eine Datenbank einzurichten, die möglichst umfangreiche Informationen über die an verschiedenen deutschen Universitäten durchgeführten Evaluationen enthält. Die Mitgliedsgruppen werden dazu aufgefordert, die Daten dem BuVo zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen vor allem die Evaluationsmethoden erkennbar sein.

Die Datenbank ist allen Mitgliedsgruppen zugänglich zu machen.

Positionen des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) zur Evaluation der Lehre

  1. Einleitung

 

Um eine Qualitätssicherung in der Lehre zu ermöglichen, müssen Instrumente zu ihrer Durchführung gefunden werden. Der LHG hält sowohl eine Sicherstellung lediglich durch Vorgaben und Prüfungsordnungen, als auch eine Orientierung an Abschlüssen und dem Berufserfolg der Studierenden für nicht ausreichend, um eine Bewertung von Lehre vornehmen zu können. Durch Evaluation soll ein Einblick in den Kernbereich der Vermittlung von Wissen erfolgen, Strukturen des Wissenstransfers sollen beleuchtet werden.

 

Evaluation von Lehre kann auf höchst unterschiedlichen Wegen erfolgen. Dazu gehören vor allem studentische Evaluation in Form von Befragungen, sowie interne und externe Begutachtung durch eine Gutachtergruppe. Der LHG setzt sich dafür ein, daß alle diese Möglichkeiten der Lehrqualitätsbewertung vereint zur Evaluationsdurchführung herangezogen werden sollten.

 

  1. Rahmenbedingungen

 

Evaluation muß im Autonomiebereich der Hochschule erfolgen. Der Staat soll nicht in die Durchführung des Evaluationsverfahrens eingreifen. Die Gründung einer Zentralstelle bzw. von Regionalbüros zur Koordinierung von Evaluation ist nicht nötig. Nach Vorbild des norddeutschen Evaluationsverbundes kann dies auch in gegenseitiger Absprache zwischen Hochschulen erfolgen.

 

Grundsätzlich sollte jeder Fachbereich alle fünf Jahre evaluiert werden. Innerhalb dieser Frist kann sich der Fachbereich selbst für einen Zeitpunkt entscheiden. Wenn Fachbereiche die Evaluation nicht fristgerecht durchführen, kann diese ausnahmsweise vom Senat der Hochschule angeordnet werden.

 

Die Verwertbarkeit der Evaluation kann dadurch gesteigert werden, daß den Hochschulen das Recht zugestanden wird, Studierende selbst auszuwählen. So könnte die Verantwortung der Hochschule gegenüber ihren Studierenden erhöht und somit die Gefahr, daß die Schuld für schlechte Ergebnisse in einem Evaluationsverfahren den Studierenden zugeschoben wird, verringert werden.

 

Forschungs- und Lehrevaluation sind zu trennen. Jedoch sollte die Verknüpfung von Lehre und Forschung sowie die Berücksichtigung von Forschungsergebnissen in der Lehre durch Lehrevaluation mitberücksichtigt werden.

 

 

  1. Ziele der Evaluation

 

Evaluation soll durch eine Bestandsaufnahme, Analyse und Bewertung von Strukturen eines Fachbereichs Mißstände aufdecken und Vorschläge zur Verbesserung geben. Dabei sollten vor allem Effiziensreserven gefunden werden, um sie in Zukunft zu nutzen. Eine wichtige Voraussetzung für interne Evaluation ist die regelmäßige Verabschiedung von Zielvorgaben seitens der Fakultät. In diesen Zielvorgaben soll die Fakultät ihre Pläne und Ziele bis zur nächsten Evaluation festlegen. Die Evaluation beinhaltet dann auch die Überprüfung dieser Zielvorgaben.

 

Durch Evaluation soll eine Vergleichbarkeit von Fachbereichen verschiedener Hochschulen auf der Grundlage objektiver Daten ermöglicht werden. Dabei ist jedoch die Profilbildung der einzelnen Fachbereiche zu berücksichtigen. Die Abschlußgutachten und die Methoden der Evaluation sollten veröffentlicht , Einzelberichte bzw. Ergebnisse von Befragungen sollten Studierenden wie Lehrenden zur Einsicht zugänglich gemacht werden.

 

  1. Durchführung der Evaluation

 

Der LHG ist der Auffassung, daß nach niederländischem Vorbild heute weit verbreitete Modell einer internen und externen Begutachtung grundsätzlich als gut und besonders objektiv zu bewerten ist. Jedoch muß sowohl innerhalb dieses Modells die studentische Beteiligung in den Gutachtergruppen, sowie bei der Planung festgeschrieben werden, als auch studentische Evaluation in Form von Befragungen durchgeführt werden. Deren Ergebnisse sind im Gutachten der internen Evaluation zu veröffentlichen und bei der Bewertung zu berücksichtigen.

 

Interne Evaluation ist eine Selbstbegutachtung des Fachbereichs durch Professoren, wissenschaftliches Personal und Studierende. Die Durchführung soll einer Arbeitsgruppe, in der Vertreter dieser drei Statusgruppen vertreten sind, übertragen werden. Interne Evaluation soll ermöglichen, daß Stärken und Schwächen des Fachbereichs kenntlich gemacht werden, ggf. sollen Änderungen in der Struktur zur Verbesserung der Lehre beitragen. Grundlage sollen Lehrberichte des Fachbereichs, welche wesentliche Strukturdaten und deren Kommentierung enthalten und welche ein bis zwei Jahre aktualisiert vorgelegt werden, sowie Ergebnisse aus Befragungen von allen Studierenden, die eingeschrieben sind, sein. Daneben sollen weitere Formen der Erkenntniserlangung, wie Diskussionen oder Gruppengespräche treten. Interne Evaluation soll alle 3 Jahre durchgeführt werden. Ihren Abschluß bildet ein Evaluationsbericht.

 

Befragungen sollten durch standardisierte Fragebögen, die von Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren gemeinsam erarbeitet wurden, erfolgen. Die Fragebögen müssen alle Studierende des Fachbereichs erreichen, um zu verhindern, daß lediglich die Gruppe der Anwesenden in die Bewertung eingeht. Die Fragebögen sind daher jeweils zu Semesterbeginn mit den Evaluations-/Semesterunterlagen an die Studierenden auszugeben. Sie sollten sich mit der einzelnen Lehrveranstaltung, aber auch mit den Studienverhältnissen am Fachbereich und, soweit ein Bezug zum Studium gegeben ist, mit Verhältnissen auf der Hochschulebene befassen. Die Ergebnisse, die sich lediglich auf einzelne Lehrveranstaltungen beziehen, sollten ohne Namensnennung im internen Evaluationsbericht erscheinen.

 

Externe Evaluation basiert auf den internen Evaluationsberichten. Sie soll erreichen, daß die Eigenerkenntnisse des Fachbereichs durch Gutachter, die nicht aus dem Bundesland stammen, in welchem die zu evaluierende Hochschule liegt, kritisch beleuchtet und Anregungen zur Verbesserungen gegeben werden. In dieser Gutachtergruppe müssen auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende vertreten sein. Darüber hinaus sollten auch Vertreter der Praxis berücksichtigt werden. Die Gutachter sollen durch eine unabhängige Stelle ernannt werden. Während eines zwei- bis dreitägigen Besuchs sollen in Gesprächen mit Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden die wesentlichen Problemlagen auf Grundlage des externen Evaluationsberichts diskutiert werden. Die Gutachtergruppe erstellt anschließend mit dem Fachbereichsrat, dem Fachschaftsrat und der Hochschulleitung bespricht. Eine externe Evaluation soll entsprechend der internen Evaluation alle 5-6 Jahre durchgeführt werden.

 

Sobald eine Evaluationsdurchführung angedacht wird, sind unverzüglich alle Statusgruppen zu informieren, um sich auf den Evaluationsprozeß vorzubereiten.

 

Die Kosten einer Evaluation entstehen neben einem gewissen Sachaufwand, vor allem durch erhöhte Personalkosten bei der internen Evaluation und durch Reise- und Übernachtungskosten bei der externen Evaluation. Diese Kosten sollten von Ländern, Bund und Hochschulen gemeinsam getragen werden. Die EU sollte Förderungsmittel hierfür bereitstellen.

 

  1. Konsequenzen aus einer Evaluationsdurchführung

 

Neben dem Verfahren der Selbsterkenntnis und der Anregungen von außen, die zu Verbesserungen im Lernprozeß führen sollen, dürfen keine Konsequenzen von außen, beispielsweise in Form von Mittelkürzungen durch die Länder, damit verbunden sein. Jedoch könnten die Hochschulleitungen als Anreiz die Vergabe zentral verwalteter Gelder an die Ergebnisse von Evaluationsverfahren knüpfen. Zwei Jahre nach Abschluß einer Evaluation sollten die Ergebnisse in der Umsetzung überprüft werden.

 

  1. Fragestellungen

 

Grundlage der internen und externen Evaluation sollte der Fragebogen der HIS sein. Dieser ist jedoch in einigen Punkten zu ergänzen:

  • Werden hochschulinterne Auswahlverfahren (-tests) durchgeführt? Welche Kriterien werden angewendet?
  • Haben Professoren didaktische Fortbildungen besucht?
  • Wie hoch ist der Anteil an Forschungssemestern? Welche weiteren Freistellungen gibt es?
  • Welche Art von Hochschulzugangsberechtigung besitzen die Studierenden?
  • Alter der Studierenden?
  • Blick auf den Ist-Zustand der Studierendenschaft
  • Statistik über Studienabbrecher/-wechsler
  • Differenzierung der Labor-/Praktikaplätze nach Grund- und Hauptstudium
  • Zugänglichkeit von Hochschuleinrichtungen ohne Professoren
  • Personal/Kopierer in Bibliotheken
  • Herkunft und Verwendung von Haushaltsmittel
  • Wer hat die Kompetenzen für die Mittelvergabe?
  • Ist das Verhältnis Frauen-Männer zufriedenstellend?
  • Gibt es Angebote für didaktische Fortbildung der Lehrenden?
  • Wie werden Lehrveranstaltungen frequentiert (prozentual)?
  • Bestandsaufnahme auf Hochschulebene, z.B. im sozialen Bereich, und deren Auswirkung auf den Fachbereich

Förderung von Evaluation in der Eigenverantwortung der Hochschulen

Der LHG fordert alle Landesregierungen auf, Gelder bereitzustellen, damit alle Hochschulen in eigener Verantwortung Programme zur Evaluation der Lehre durchführen können. Eine finanzielle Absicherung der studentischen Beteiligung ist dabei zu beachten.

Die zwischenhochschulische Einrichtung von Evaluationsagenturen auf Landesebene kann zur Förderung und Begleitung der Evaluation sinnvoll sein.

Stellungnahme zum gemeinsamen Papier der KMK/FMK vom 09. 10. 1993

Der LHG lehnt die Konkretisierung der Vorschläge der Kultus- und Finanzministerkonferenz der Länder vom 09. 10. l 993 als Diskussionsgrundlage für den Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern über eine Fortsetzung der Studienreform entschieden ab.

Der Vorschlag, Studiengebühren von Studierenden zu erheben, welche äußerst knapp bemessene Regelstudienzeiten überschreiten, verkennt die angespannt finanzielle Lage der meisten Studierenden und wird aufgrund des dadurch nochmals erhöhten finanziellen Drucks genau das Gegenteil vom angestrebten Ziel einer Verkürzung der Studienzeiten bewirken.

Die vorgeschlagene zwangsweise Exmatrikulation von Studierenden, welche die Regelstudienzeit überschreiten, stellt einen völlig unverhältnismäßigen und deshalb unzulässigen Eingriff in die vom Grundgesetz verbürgten Grundrechte der einzelnen Studierenden dar.

Der LHG begrüßt dagegen den vorgeschlagenen Ausbau der Fachhochschulen, weist jedoch darauf hin, daß dieser finanziell keinesfalls zu Lasten der Universitäten gehen darf.

Der LHG begrüßt grundsätzlich Maßnahmen zur Evaluierung der Lehr- und Forschungsleistungen der Hochschulen und zur Schaffung positiver Leistungsanreize für Lehrende und Studierende, fordert bei den konkreten Maßnahmen aber eine stärkere Berücksichtigung der von studentischer Seite auch mit Unterstützung des LHG bereits durchgeführten und bewährten studentischen Veranstaltungskritik.

Der Vorschlag der Kultus- und Finanzminister, Universitätsstudiengänge künftig in solche berufsqualifizierender Art und solche zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterteilen, ist ohne nähere Konkretisierung insbesondere der Frage des Zugang zu den Studiengängen zur Ausbildung des wissenschaftliche Nachwuchses nicht als Diskussionsgrundlage zu brauchbar.

Eine nachhaltige „Entrümpelung“ von Studienplänen- und inhalten ist unverzichtbar.

Verbesserung der Lehrqualität und Hochschulautonomie

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG}fordert eine massive Finanzaufstockung zur Förderung der Lehre an den Hochschulen. Die Hochschulen müssen dabei zeigen, daß sie ihre Autonomie zu Recht besitzen, indem sie von sich aus eigene, weitreichende Pläne für eine Verbesserung der Lehrqualität ausweisen. Nur wenn solche Pläne eindeutige Verbesserungen für die Situation der Lehre an den Hochschulen in sich bergen, wird die Gesellschaft bereit sein, Geld für die Lehre zu investieren. Dabei schlägt der LHG im einzelnen folgende Maßnahmen vor, die die Hochschulen von sich aus leisten können:

 

  1. Die verstärkte, institutionalisierte Berücksichtigung studentischer Meinung bei Fragen, die die Lehre betreffen

 

  1. die flächendeckende Einführung von Lehrberichtserstattung inklusive studentischer Veranstaltungskritik

 

  1. die Herausgabe eines Hochschulführers-Deutschland, der auf Lehrberichtserstattung und weiteren objektiven Daten über Forschung und Lehre basiert

 

  1. die Forcierung der Qualifikation der Mitarbeiter in didaktischen Belangen

 

  1. die Erweiterung des Netzes hochschuldidaktischer Zentren.

 

  1. die Einrichtung eines gemeinsamen, bundesweiten Instituts als Diskussions- und Forschungsformen für die akademische Lehre

 

  1. Durchforstung der Studienpläne auf die Möglichkeit, neue Lehr- und Lernformen, wie z.B. team teaching durch Studienprojekte, einzusetzen

 

  1. Stärkung der Beteiligung der Studierenden in allen universitären Bereichen – von den Selbstverwaltungsgremien bis hin zur Gestaltung von Lehrplänen und Vorlesungen

„5-Minuten-Test“

Um die Qualität der Lehre an bundesdeutschen Hochschulen gibt es seit einiger Zeit eine lebhafte Diskussion. Immer wieder wird die Tatsache kritisiert, daß sich die Reputation der Professorinnen und Professoren ausschließlich durch Forschungserfolge begründet; gute Lehre ist so zur Privatsache einiger Engagierter und insgesamt zum Stiefkind der Universitäten geworden. Auch bei Berufungen ist die Lehrqualität meist von untergeordneter Bedeutung.

Neben fehlendem Engagement sowie Defiziten in Didaktik und Rhetorik einiger Lehrenden liegt die Unzufriedenheit mit der Form vieler Lehrveranstaltungen sicherlich auch an mangelnder personeller Ausstattung der Fachbereiche und der daraus resultierenden Überfüllung. Das Problem der Ausstattung läßt sich inneruniversitär nicht befriedigend lösen, das der Vortragsqualität vielleicht schon.

Die Idee des „5-Minuten-Tests“ stammt aus den USA. Neben anderen Verfahren, die der Bewertung von Lehre dienen, wird dieses Mittel dort eingesetzt, um Lehrenden mehr Einblick in die Wirkung ihrer Veranstaltungen zu geben.

 

Der „5-Minuten-Test“

 

Jede Lehrveranstaltung wird ungefähr einmal im Monat 5 Minuten früher geschlossen. In der verbleibenden Zeit notieren die Studierenden, bei Großveranstaltungen evtl. nur ein Teil der Studierenden, auf einem neutralen Blatt kurz ihre Antworten auf die Fragen:

  • Was ist mir in dieser Veranstaltung klar geworden?
  • Welche Fragen sind in dieser Veranstaltung offen geblieben?
  • Wie gut/schlecht konnte ich der Gedankenführung folgen?

Die Antworten sind ausschließlich für die Professorin bzw. den Professoren bestimmt. Durch die individuelle Auswertung der Bögen erreicht man ein Feed-Back, das ansonsten an den Massenuniversitäten verloren gegangen ist.

Der „5-Minuten-Test“ kann nicht der Bewertung der Lehre im Vergleich der Lehrenden dienen. Das Verfahren erreicht nur eine größere Transparenz für die Lehrenden über die Qualität ihrer eigenen Lehre.

 

Alle Professorinnen und Professoren werden dazu aufgefordert, sich an der Aktion „5-Minuten-Test“ zu beteiligen. Diese Idee läßt sich ohne finanziellen Mehraufwand verwirklichen. „Institutionalisierte Kritik“ kann sicherlich niemandem schaden, vielleicht aber durch die Verdeutlichung von Defiziten helfen. Nur gemeinsam können Lehrende und Lernende trotz Hochschulnotstand die Qualität der Lehre verbessern.