In Freiheit studieren – Grundsatzprogramm der Liberalen Hochschulgruppen

Präambel

Die Liberalen Hochschulgruppen tragen den Werten des Liberalismus – Freiheit und Verantwortung, Individualismus und Pluralismus, Demokratie und Chancengerechtigkeit – Rechnung, indem sie sich für Kommilitonen, Hochschule und Gesellschaft engagieren. Studierende und Akademiker haben aufg
rund der im Studium erworbenen Befähigungen
eine spezifische Verantwortung für die Gesellschaft. Studierende sind durch ihre Lebenssituation mit ihren spezifischen Problemen und besonderen Herausforderungen eine Gruppe, die sich selbst organisiert und gemeinsam artikuliert. Die Studierendenvertretung an den Hochschulen ermöglichen dieses: In ihr wirken die Liberalen Hochschulgruppen, treten für die spezifischen Ziele ein und füllen sie mit Leben. Darüber hinaus gehören das Engagement in der Hochschulpolitik, der aktive Einsatz für die Freiheit und der Beitrag zur Information der Kommilitoninnen und Kommilitonen zu ihren Aufgaben. Für diese setzen die Liberalen Hochschulgruppen sich stets fair, innovativ und zuverlässig ein.

Die Liberalen Hochschulgruppen bekennen sich zu einem Bildungsideal im folgenden Sinne: Die im Grundgesetz festgehaltene und im Liberalismus manifestierte Gleichwertigkeit aller Menschen und die prinzipielle Freiheit jedes Individuums, die im Bürgerrecht
auf Bildung zur Blüte gebracht werden, begründen Bildung zuvorderst als einen Wert an sich. Die Förderung benachteiligter Mitmenschen ist integraler Bestandteil liberaler Politik. Das Bürgerrecht auf Bildung beinhaltet nicht nur die theoretische Chancengerechtigkeit, sondern auch eine aktive Bildungs- und Gesellschaftspolitik, die die Menschen dazu befähigt, sich ihres individuellen Anspruchs auf ein öffentliches Bildungsangebot nach
ihrer persönlichen Neigung und Eignung zu bedienen. Die so erforderliche Angebotsvielfalt findet ihre Grenzen in der Gewährung von Qualität. Dem gegenüber kann Bildung nur aus eigener Anstrengung entstehen. Den Begriff Bildung verstehen die Liberalen Hochschulgruppen als Prozess sowie Ideal gleichermaßen. Zum einen ist Bildung die Formung des Menschen hinsichtlich seiner geistigen, aber auch kulturellen sowie sozialen Fähigkeiten. Dieser Lernprozess dauert lebenslang an und ist somit nie abgeschlossen.
Das Ziel bzw. Ideal der Bildung ist, die Erziehung des Menschen zu einem sich durch Mündigkeit sowie Selbstständigkeit kennzeichnenden autonomen Individuum. Dies zu fördern ist die Aufgabe des Staates. Auch wenn Erziehung prinzipiell private Angelegenheit ist, hat der Staat dennoch die Aufgabe, die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen aktiv zu gestalten. Neben dem Erlernen elementarer Kulturpraktiken gehört dazu auch die Befähigung, diese zu hinterfragen und heranzubilden. Die Reflexion des Status quo, die Fähigkeit zur Kritik an Gesellschaft, deren Phänomenen sowie an Ideen und Ideologien, sind die notwendigen Kompetenzen zur Entwicklung einer emanzipierten und freien Persönlichkeit. Diese ist Voraussetzung eines selbstbestimmten Lebensentwurfes. Dazu sind methodische und soziale Kompetenzen sowie Wissen, nötig, die im Ganzen das
Ergebnis von Bildung und Sozialisation sind.

Staatliche Einrichtungen sollen zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sein. Lediglich die Werte und Normen, die unser Grundgesetz vorgibt, dürfen nicht verletzt werden. Diese Prinzipien müssen in der einzelnen Bildungseinrichtung wie auch im Bildungssystem als Ganzes sichtbar sein, dafür sind Pluralität und Vielfalt von Bildungsangeboten die Voraussetzung. Um diese sicherzustellen, steht der Staat in der Pflicht, eine umfassende Grundfinanzierung zu gewähren. Die Liberalen Hochschulgruppen sehen berufliche Ausbildung, humanistische Bildung, moderne Allgemeinbildung und weitere Formen als gleichwertige Möglichkeiten, dem eigenen Bildungsanspruch gerecht zu werden
und sich selbst zu verwirklichen. Als Verband im Bereich der Hochschulpolitik sehen wir in der Diversität der Hochschulen nicht zwingend einen qualitativen Unterschied, sondern die Antwort auf verschiedene Bedürfnisse der Studierenden.

Unsere Verfassung sieht Bildung nicht als Angelegenheit des Staates, sondern stellt sie nur unter dessen Aufsicht. Die Bildung bleibt gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Staat bietet einen Rahmen an, innerhalb dessen sich die Schulen und Hochschulen frei entfalten können. Detailsteuerung und Regulierungswut wirken dem entgegen.

Deutschland und Europa sind auf die Bildung ihrer Bürger angewiesen. Sie treten mit ihrer Kultur und Bildung in einen globalen Wettbewerb der Ideen. Auf diese Weise wirkt Bildung weltweit als Innovationsmotor und sichert Wohlstand, Frieden und Freiheit.

2. Die Freiheit der Studierenden

Freiheit als Gestaltungsrahmen

Die Liberalen Hochschulgruppen haben den Anspruch an unsere Hochschulen, dass die Studentinnen und Studenten ein selbstbestimmtes Studium mit möglichst vielen Gestaltungsspielräumen absolvieren können. Mit dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung haben alle Studierenden den Nachweis erbracht, dass sie in der Lage sind selbständig und eigenverantwortlich zu lernen, sich Inhalte zu erarbeiten und zu organisieren. Sie sind als mündige Bürger zu betrachten und auch dementsprechend zu behandeln – ohne staatliche Bevormundung oder Überreglementierung der Hochschule.

Im Sinne der Eigenverantwortung obliegt es den Studierenden, die zum Bestehen eines Studienganges nötigen Leistungen zu erbringen und dabei ein persönliches akademisches Profil zu entwickeln. Beides ist ihnen zu ermöglichen, insbesondere durch die Formulierung von Rechten gegenüber der Hochschule statt teils situativ bedingt nicht erfüllbarer Pflichten. Zu den studentischen Rechten gehört in jedem Fall die Gewähr, die Ziele der Bologna-Erklärung erreichen zu können.

Bologna als Prozess verstehen und konsequent verfolgen

Die Liberalen Hochschulgruppen unterstützen die Ziele der Bologna-Reform. Die Umsetzung dieser Reform muss als demokratischer und stetiger Prozess begriffen werden. Kinderkrankheiten, die Freiheiten einschränken und Verantwortungen in die falschen Hände schieben, müssen bekämpft werden. Die ersten Schritte hierfür sind bereits getan. Die Liberalen Hochschulgruppen setzen sich dafür ein, dass die Probleme von Hochschulen und Studierenden Hand in Hand angegangen werden. Jedoch darf Bologna nicht allgemein für alle Missstände in der Hochschullandschaft verantwortlich gemacht werden. In den letzten Jahren wurde ein System reformiert, das auch zuvor nicht ohne Fehler war. Die Liberalen Hochschulgruppen bekennen sich zu den Chancen der Reform sowie ihren Vorteilen und ihrem Nutzen und setzen sich für ein positives Bild der Reform in der Gesellschaft ein. Nur wenn die Bologna-Reform als Prozess verstanden wird, der im ursprünglichen Sinne konsequent weitergeführt werden muss, und die Beteiligten zu Veränderungen bereit sind, wird sie erfolgreich Bestand haben.

Es muss Ziel sein, ein flexibles Studiensystem statt starrer Strukturen zu etablieren und allen an der Hochschule Beteiligten somit die größten Möglichkeiten zur freien Gestaltung zu geben. Allgemeine Anwesenheitspflichten müssen der Vergangenheit angehören. Auch die teilweise kaum durchdachten Zulassungsverfahren zu einzelnen Prüfungen sind zu hinterfragen und gegebenenfalls abzuschaffen. Es steht in der individuellen Verantwortung aller Studierenden, wie sie sich auf eine Prüfung vorbereiten. Es ist die Aufgabe der einzelnen Hochschulen für alle Studentinnen und Studenten die erforderlichen Kapazitäten für die Teilnahme an Pflichtveranstaltungen zu gewährleisten.

Überfüllte Hörsäle, ein zu geringes Angebot an Lehrveranstaltungen, Einschränkungen des Studienablaufes durch Freisemester der Lehrenden ohne ein adäquates Ersatzangebot sowie schlecht organisierte Studiengänge und verzögerte Besetzungen des Lehrpersonals müssen der Vergangenheit angehören. Die Mobilität darf nicht durch restriktive Anrechnungsverfahren eingeschränkt werden. Das Erreichen von Noten soll nicht alleiniger Sinn und Zweck eines Studiums sein. Eine transparente und nachvollziehbare Notengebung ermöglicht es die Leistungen der Studierenden fair darzustellen. Ein festgelegter
Anteil der zu erreichenden Leistungen soll zudem – frei wählbar von den Studierenden – unbenotet sein, um den Studierenden mehr Freiheit zu geben und den Druck zu verringern. Ein Studienzyklus muss sich in seiner Konzeption an den allgemeinen Bologna-Zielen und den selbstgestellten Qualifikationszielen orientieren, seine Studierbarkeit an der Qualität und Quantität der zu erwerbenden Kompetenzen. Barrieren für alle Studierenden im Bachelor-, Master- und Promotionsstudium sind abzubauen.

Studierende mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten sollen, sofern dies notwendig ist, zusätzliche Leistungen von Seiten der Hochschule in Anspruch nehmen können, um etwaigen Nachteilen entgegen zu wirken. Studierende dürfen sich aufgrund ihrer besonderen Situation im Falle einer Behinderung oder Krankheit nicht zusätzlich durch schwerfällige Verwaltung oder starre Studien- und Prüfungsordnungen im Studium benachteiligt fühlen. Ebenso müssen Studierende mit Kind angemessene Strukturen für die Betreuung und beratende sowie finanzielle Unterstützung zum Absolvieren des Studiums vorfinden. Die Hochschulen sollen sich bewusst sein, dass sie mit Menschen interagieren und diese unterschiedlichen Umständen ausgesetzt sind.

Als eine besondere Herausforderung gilt es weiterhin, den Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium zu gestalten. Bewerbungs- und Rückmeldefristen sind transparent und
einheitlich zu gestaltet. Ein Bachelorabschluss muss für ein fachverwandtes konsekutives Masterstudium befähigen. Es ist unerlässlich, das die Beweislast umgekehrt wird: Betroffene Hochschulen sind verpflichtet zu begründen, warum ein bestimmter Abschluss dies nicht tut. Der Bachelor muss als berufsqualifizierender Regelabschluss gestärkt werden.

Der direkt an das Bachelorstudium anschließende Master soll auf einen Weg in die Forschung vorbereiten oder die im Bachelor
studium erworbenen Kenntnisse zur Steigerung der beruflichen Qualifikation vertiefen. Die Forderungen nach einem garantierten Master für alle und das undifferenzierte Recht auf diesen sind eine Entwertung des Bachelorabschlusses. Um dem Bologna-Prozess gerecht zu werden, sollte er konsequent verfolgt werden und seine vollständige Implementierung das Ziel sein.

Die Begrenzung einer Studiendauer durch den Begriff der Regelstudienzeit lehnen die Liberalen Hochschulgruppen ab. Ein Studium, das eigenverantwortlich und individuell gestaltet sein soll, darf nicht pauschal in ein Korsett von sechs Semestern geschnürt
werden. Studierende, die neben ihren vorgesehenen Veranstaltungen über den Tellerrand hinaus – und in andere Fachgebiete hineinschauen oder gesellschaftliches Engagement zeigen, dürfen keinen Nachteil bei BAföG-Bewilligungen bzw. –Weiterförderung erfahren.

Die Hochschule als Dienstleister

Die Hochschule steht dem Studierenden nicht nur als Bildungsanstalt, sondern auch als Dienstleister gegenüber: Sie
berät sowohl in Studienplanung als auch -durchführung und stellt die maximale Transparenz bezüglich Vorgaben und Regelungen her. Die Einrichtung kompetenter Bildungsberater, die Verfügbarkeit informeller und nützlicher Informationen und die Umwandlung obsoleten Behördendenkens zu einem modernen Servicegedanken dienen nicht nur dem Komfort des einzelnen Studierenden, sondern auch der Senkung von Abbrecherzahlen, der Verkürzung der Studiendauer und der Maximierung des Studienerfolgs. So müssen die Öffnungszeiten der Verwaltung dem realen Studienalltag angepasst werden und effiziente Informationskanäle online zugänglich werden. Gerade bei Hochschulen mit einem sehr breiten Studien- und Veranstaltungsangebot darf dieses nicht zu Gunsten einer aufgeblasenen und handlungsunfähigen Verwaltung in den Hintergrund geraten. Hochschulen der Zukunft sind Vorreiter bei Verwaltungssystemen, die für die Studierenden arbeiten und nicht für sich selbst.

Studentische Mitbestimmung in einer modernen Hochschule

Reformen, innovative Studienmodelle und auch die Verbesserung der Studienbedingungen können nur vorangetrieben werden, wenn Studierende konstruktiv einbezogen werden. Unter den Studierenden muss eine Kultur der Partizipation mit einer breiten Beteiligung entstehen. Der Wille zur Beteiligung beginnt mit dem aktiven Wahlrecht bei Hochschulwahlen und geht bis zum aktiven Mitgestalten in Gremien. Die Hochschule muss dafür sorgen, dass für die Ausübung des Wahlrechtes eine tragende Infrastruktur geschaffen wird. Ziel ist hierbei eine möglichst hohe Wahlbeteiligung.

Es darf in der Hochschule der Zukunft kein Gremium geben, das studienrelevante Inhalte ohne Studierende beschließt. Die Sicht der Studierenden ist elementar für die Entwicklung von Studiengängen. Für Hochschulen, die diese Partizipation der Studierenden verhindern wollen, müssen Sanktionsmechanismen greifen. Solange Hochschulen nicht im Wettbewerb um ihre Studierenden autonome Anreize haben, sich umfassend um deren Belange zu kümmern, kann das Mittel der Verfassten Studierendenschaft zur Mitbestimmung den Studierenden helfen, sich Gehör zu verschaffen und für ihre gemeinsamen Interessen einzutreten. Dies ergibt sich unter anderem aus der besonderen Lebenslage der Studierenden, die trotz struktureller Erwerbslosigkeit außerhalb des Sozialsystems stehen, sehr kurzfristig Entscheidungen treffen müssen und häufig längere Perioden nicht am Studienort weilen. Zudem wird die Studierendenschaft als soziales Lebensumfeld und die Universität stärker als Lebensmittelpunkt gesehen. In kommunalen und universitären Strukturen werden die so entstehenden besonderen Bedürfnisse kaum berücksichtigt.

Ziel und Aufgabe der Verfassten Studierendenschaft muss es sein, auf diese besonderen Bedürfnisse einzugehen. Die Verfasste Studierendenschaft hat sich auf ihr hochschulpolitisches Mandat zu beschränken. Ein allgemeinpolitisches Mandat lehnen die Liberalen
Hochschulgruppen vehement ab.

Eine Studierendenvertretung muss generell demokratisch und subsidiär aufgebaut sein. Darüber hinaus müssen Studierendenparlamente, Studierendenräte, ASten, Konvente und Fachschaftsvertretungen sich auch selbst Grenzen setzen und mit den ihr anvertrauten Geldern verantwortungsvoll umgehen. Die soziale Aufgabe der Studierendenvertretung erstreckt sich auf die Beratung und die Erfüllung der Bedürfnisse von Studierenden. Ihre politische Aufgabe besteht darin, dass die Studierenden im hochschulpolitischen Bereich ein Gehör finden und ihre Interessen vertreten werden.

Um hochschulpolitisches und besonders studentisches Engagement zu fördern und die Hochschulen als einen attraktiven Lern- und Bildungsraum zu gestalten, müssen die Partizipationsstrukturen der Hochschulen konsequent an die durch Bologna entstehenden
Veränderungen der Studienstrukturen angepasst werden. Die Hochschulen müssen erkennen, wie essentiell studentisches Engagement ist. Ein Anreizsystem muss geschaffen werden, vor allem steht jedoch die Beseitigung der Nachteile im Vordergrund.

In der akademischen Selbstverwaltung wie auch im Studium darf den Beteiligten kein Nachteil durch ihr ehrenamtliches Engagement entstehen. Sie sollten Entscheidungen treffen, Grundlinien festlegen und die Administration kontrollieren, aber keiner administrativen Arbeit nachgehen müssen. Unerlässlich ist dabei, dass die demokratischen Strukturen an den Hochschulen nicht geschmälert werden und in diesem Sinne die akademische Selbstverwaltung gleichermaßen angepasst wird. Hierzu fordern die Liberalen
Hochschulgruppen, dass auf allen Ebenen Studierende aktiv in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden.

Die Finanzierung des Studiums

Die staatliche finanzielle Unterstützung von Studierenden nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist eines der wichtigsten Mittel zur Sicherung des Bürgerrechts auf Bildung im tertiären Bereich. Sein Ziel ist die Ermöglichung von Bildung nach Neigung und Eignung des Einzelnen. Weder wird das derzeitige BAföG diesem Ziel gerecht, noch ist es an sich gerecht. Die Unsicherheit der Einzelnen, ob und in welcher Höhe einem
komplizierten und mithin schwer zu stellenden BAföG-Antrag stattgegeben wird, stellt für viele eine hohe Barriere bei der Entscheidung für ein Studium dar. Deshalb muss eine umfassende Reform stattfinden. Die Liberalen Hochschulgruppen treten dabei für ein eltern- und vermögensunabhängiges BAföG ein.

Einen weiteren wichtigen Baustein bei der Studienfinanzierung stellt neben Studienkrediten, BAföG, familiären Zuwendungen und Nebenjobs das Stipendiensystem dar. Die nationalen Begabtenförderungswerke erweisen der Gesellschaft durch finanzielle und ideelle Unterstützung von Studierenden einen wichtigen Dienst. Das private Stipendienwesen, wie auch das Deutschlandstipendium tragen maßgeblich zu der Förderung akademischer Talente bei. Die Liberalen Hochschulgruppen unterstützen ausdrücklich ein pluralistisches Stipendiensystem, mit dem vielfältige Begabungen und Fähigkeiten gefördert werden können, weist aber darauf hin, dass es das Ziel sein muss ein selbsttragendes System zu schaffen.

Es ist den Liberalen Hochschulgruppen wichtig, dass eine bessere Gewichtsverteilung der Stipendien in die Master- und Postgraduiertenprogramme stattfindet. Der Bachelor wird immer weiter zu einem für viele selbstverständlichen Teil der Ausbildung, während die Finanzierung späterer Programme schwieriger, aber nicht unwichtiger wird – insbesondere bei der Durchsetzung des geforderten BAföG-Modells.

3. … durch die Freiheit der Hochschulen

Ein selbstbestimmtes Studium der einzelnen Studierenden ist nur möglich, wenn die gesamte Hochschullandschaft freiheitlich orientiert ist und dabei eine breite Vielfalt bietet. Ziel ist ein vielseitiges Angebot an Hochschulen mit unterschiedlichen Profilen, Angeboten und methodischen sowie thematischen Schwerpunkten. Damit eine Hochschule ihr eigenes Profil entwickelt und ihre individuellen Stärken hervorheben kann, benötigt sie auch die entsprechende institutionelle, personelle und finanzielle Autonomie.

Finanzierung der Hochschulen

Die derzeitigen Finanzierungskonzepte der Hochschulen sind weder für die Gegenwart noch für die Zukunft geeignet. Die starke Abhängigkeit von staatlicher Reglementierung und Wahlperioden lässt keine vorausschauende Planung zu. Dieser Zustand nimmt den
Hochschulen Handlungsfähigkeit und lähmt sie in ihrer Entwicklung. Hochschulen sind keine Unternehmen, aber sie müssen lernen unternehmerisch zu denken. Daher müssen neue Konzepte geschaffen werden, die eine Kluft zwischen unterfinanzierten staatlichen Hochschulen und exzellent ausgestatteten Privathochschulen verhindert. Differenzierte Finanzierungskonzepte der Zukunft müssen auf jede Hochschule individuell zugeschnitten sein und Historie und Umfeld der Hochschule berücksichtigen. Ein Einheitskonzept wird einer vielseitigen Hochschullandschaft nicht gerecht.

Die Kapazitätsverordnung muss dem konsequent durchgeführten Konzept „Geld folgt Studierenden“ weichen und die Hochschulen müssen starke Alumnistrukturen aufbauen, um zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen. Staatliche Sonderförderprogramme für Forschung und Lehre dürfen nicht die Grundfinanzierung stellen, sondern lediglich Leuchtturmprojekte stärker fördern. Die privaten Mittel sollen einen größeren Anteil des Haushaltes der Hochschule bilden. In einer starken Kooperation mit der Wirtschaft müssen sich die Hochschulen selbstbewusst präsentieren und verantwortungsvoll agieren. Sie dürfen sich nichts aufzwingen lassen, sondern haben eine große Auswahl an Kooperationspartnern, die es ihnen ermöglicht auch finanziell attraktive Angebote abzulehnen ohne in Unterfinanzierung zu geraten.

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit kann das Einführen von Studienentgelten sein. Die Liberalen Hochschulgruppen sehen diese jedoch kritisch, da Studierende in ihrer Studienzeit nicht durch finanzielle Unsicherheiten belastet werden sollen, sondern sich auf ihr Studium und ihre Lebensplanung konzentrieren sollen. Jedoch sehen die Liberalen Hochschulgruppen es als gerecht an, wenn jemand, der durch ein Studium profitiert hat, auch einen Teil direkt an seine Hochschule zurückzahlt. Dies kann teilweise durch Alumnistrukturen freiwillig geschehen, sollte jedoch flächendeckend durch nachgelagerte Studienentgelte gesichert werden. Nachgelagerte Studienentgelte sind aus ordnungspolitischer Sicht das beste Modell, das zur Verbesserung der Studien- und Finanzierungssituation entschieden beitragen kann. Studienentgelte sollen dabei grundsätzlich nur zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Über die Verwendung müssen Studierende maßgeblich mitentscheiden können.

Die Hochschulen agieren frei in ihrer Haushaltsplanung und bestimmen selbst, wie sie ihre finanziellen Mittel verteilen.

Profil entwickeln, Personalautonomie und institutionelle Freiräume
Freie Hochschulen brauchen Spielraum und Handlungsfähigkeit. Viel zu oft werden Entwicklungen durch eine lähmende Bürokratie verhindert oder verzögern den Hochschulbetrieb. Die Hochschule der Zukunft muss sicherstellen, dass Qualitätsstandards gefunden und eingehalten werden. Sie ist darauf angewiesen, dass alle Ebenen miteinander korrekt kommunizieren und die Beschlüsse einvernehmlich getroffen und umgesetzt werden. Dabei muss das Prinzip der Subsidiarität innerhalb der Hochschule gelten. Hierfür ist ein Hochschulmanagement notwendig, gegenüber dem die Hochschulleitung weisungsberechtigt ist. Universitäten müssen Sanktionsmöglichkeiten haben, die denjenigen, die zur Verantwortung gezogen werden können, Handlungsspielraum geben. Qualität darf sich nicht in Konzepten erschöpfen, sondern muss auch umgesetzt werden. Dabei muss der Servicegedanke der Hochschulen für die Wissenschaftler und Studierenden im Mittelpunkt stehen.

Zur Personalautonomie einer Hochschule gehört auch die Vertragsfreiheit der Hochschulen mit ihren Angestellten, die von der Landespolitik entkoppelt ist. Die Hochschule muss zur Profilbildung den finanziellen Handlungsspielraum haben, Dozenten, die für den jeweiligen Schwerpunkt wichtig sind, individuelle Angebote zu machen, die über genormte Tarife hinausgehen. Dabei muss auch individuell verhandelt werden, wie hoch der Lehr- bzw. Forschungsanteil einer Stelle ist. Die Einheit von Forschung und Lehre ist Teil des Bildungsideals der Liberalen Hochschulgruppen, muss jedoch im Sinne der Personalautonomie grundlegend neu gedacht werden. Dabei ist wichtig, dass die Hochschule insgesamt die Einheit von Forschung und Lehre wahrt – jedoch nicht bei jeder einzelnen wissenschaftlichen Stelle. Der Zwang jedes Dozenten zu Lehre und Forschung ist nicht mehr zeitgemäß und verschwendet viele Ressourcen. Ein schlechter Dozent ist in der Lehre für die Studierenden eine Belastung, kann jedoch durch exzellente Forschung den Studierenden im Studium viele Möglichkeiten bieten. Von einem solchen Verhältnis profitieren alle Akteure.

Wettbewerb und Kooperation für die besten Ideen

Global, national und regional sollen autonome Hochschulen im Wissenschaftssystem um die erfolgreichsten Konzepte ringen. In der deutschen Politik konkurrieren die Bundesländer um den besten Ordnungsrahmen dafür. Der Wettbewerbsföderalismus ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor im deutschen Hochschulsystem. Neben dem Wettbewerb müssen aber auch Kooperationen möglich sein, nicht durch goldene Zügel des Bundes sondern durch Kooperation zwischen den Bundesländern. Länderübergreifende Hochschulkooperationen oder gemeinsame Hochschulfreiheitsgesetze können effiziente und effektive Antworten auf die finanziellen sowie organisatorischen Herausforderungen im 21. Jahrhundert sein.

Durch mehr Transparenz zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit

Viel zu oft ist nicht nachvollziehbar, wie Hochschulen sich finanzieren, weil viele Teilhaushalte weder zusammengeführt noch veröffentlicht werden. Ebenso ist die Personalpolitik der Hochschulen häufig intransparent. Die Mechanismen zur Verhinderung von Vetternwirtschaft haben die Nebenwirkung, dass Lehrstühle lange unbesetzt bleiben, da bürokratische Bewerbungsverfahren nicht zum Ziel führen. Die Hochschule der Zukunft ist eigenverantwortlich – aber das bedingt auch maximale Transparenz.

Der Haushalt einer Hochschule muss nachvollziehbar und transparent gestaltet sein. Jedem Mitglied der Hochschule, jedem Studierenden, jedem Bürger, der die Hochschule
durch seine Steuern mitfinanziert, muss es ermöglich
t werden, diesen Haushalt aufgeschlüsselt zu betrachten. Hierbei dürfen auch private Kooperationspartner nicht ausgenommen werden. Private Mittel müssen ebenfalls offengelegt werden. Auch die Vergabe der Stellen muss nachvollziehbar sein. Diese müssen ausgeschrieben werden und brauchen ein effizientes Auswahlverfahren, um zeitnah neu besetzt zu werden, damit Leerlauf verhindert werden kann. Es darf nicht sein, dass ein Ranking der Bewerber nach einer gewissen Anzahl an Absagen hinfällig ist. Die Hochschule muss die Freiheit haben, die Bewerber jederzeit zu kontaktieren und ihnen Fristen zur Annahme der Stelle aufzuerlegen. Eine Neubesetzung einer Stelle muss binnen eines Semesters nachvollziehbar möglich sein.

Epilog

Die Hochschule der Zukunft ist noch in weiter Ferne und es bedarf vieler Veränderungen, um die Entwicklung zu mehr Selbstbestimmung für Studierende und Hochschulen zu erreichen. Die Liberalen Hochschulgruppen engagieren sich ambitioniert in diesem Prozess, um Weichen zu stellen und für mehr Partizipation und Autonomie zu kämpfen.