Gleichstellung an deutschen Hochschulen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die Hochschulen sowie die Politik auf, sich auf langfristig wirksame Mechanismen zur Förderung von unterrepräsentierten Gruppen zu konzentrieren und antiquierte, langfristig unwirksame Methoden wie z.B. Quotenregelungen in der Zukunft nicht mehr anzuwenden. Diese sind antiquiert und unwirksam. Sie wirken nur kurzfristig und verändern nichts an den eigentlichen Gründen möglicher Unterrepräsentation von Gruppen. Häufig stellen sich wieder die ursprünglichen Zustände ein, sobald die Quotenregeln aufgehoben werden.

Vielmehr sind also wirksame Mechanismen zur Gleichstellung von unterrepräsentierten Gruppen (wie bspw. Frauen) nötig, um den Weg von der Hochschulreife über das Studium bis zur Promotion und Habilitation attraktiver und machbarer zu gestalten.

Die klassischen akademischen Karrierewege der Promotion und Habilitation bis hin zur Professur sind zu öffnen und konsequent durch flexiblere zu ergänzen.

Insofern ist es, insbesondere mit Hinblick auf mehr Professorinnen an deutschen Hochschulen, anzustreben, Frauen frühzeitig zu einer akademischen Laufbahn zu animieren und sie auf diesem Wege zu fördern. Bestehende Hindernisse sind hier zurzeit insbesondere in den Bereichen Schwangerschaftsunterbrechung und akademische Mobilität zu sehen, die einer Familienplanung entgegenwirken. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen stellt folgende erste, aber nicht erschöpfenden Forderungen auf:

  • Abschaffung der 12- bzw. 15-Jahresklausel im Hochschulrahmengesetz, die Eltern in Teilzeitbeschäftigung an der weiteren Arbeit als Wissenschaftler hindert, da nach dieser Zeit eine unbefristete Beschäftigung erfolgen muss, entsprechende Vorleistungen im Vergleich zu Vollzeitkräften aber geringer sind. Da es nur sehr wenige Dauerstellen für Wissenschaftler gibt, ist dies ein „De-facto-Berufsverbot“ (Prof. Dr. Ulrich Herbert).
  • Mehr Transparenz bei der Vergabe von Promotionsstellen (z.B. durch konsequente öffentliche Ausschreibung und Auswahl)
  • Mehr Flexibilität und Transparenz bei Berufungs- und Personalentscheidungen. Dazu gehört insbesondere die vermehrte Eröffnung des „Tenure Tracks“, der der Universität die Möglichkeit gibt, Menschen mit großem Potenzial aber ggf. auf Grund bestimmter Benachteiligungsmerkmale kleiner Publikationsliste zu berufen ohne sich unmittelbar auf ewig an die Person zu binden. Die Juniorprofessur bietet insbesondere Möglichkeiten, flexible Karrierewege zu fördern. In Verbindung mit weiteren Juniorprofessuren ist ein Fortbildungsprogramm für Eltern sinnvoll. Die Fortbildungsprogramme erleichtern Eltern nach der Elternzeit die Rückkehr in den akademischen Alltag.
  • Infrastrukturelle Unterstützung durch an Hochschulen angegliederte Kindertagesstätten und Horte, die den besonderen Anforderungen des Wissenschaftsbetriebs gerecht werden.
  • Gleichstellungs- statt Frauenbüros sind notwendig, dass Frauen nicht noch zusätzlich in eine schwächere „Opferrolle“ gedrängt und von ihren männlichen Kollegen als gleichwertig anerkannt werden. So können auch die Männer, denen auf Grund ihrer Lebensplanung Unwägbarkeiten in der Karriere begegnen, gefördert werden. Dabei muss es immer um die Gleichstellung von Individuen, nicht bestimmter Gruppen gehen.