Archiv der Kategorie: 47. Bundesmitgliederversammlung, Januar 2012 in Darmstadt

Studium Generale flächendeckend einführen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert Hochschulen und Universitäten auf, ein Studium-Generale-Modell für alle Studenten anzubieten. Im Sinne der humanistischen Bildung und mit dem Gedanken, dass eine monothematische (Aus-) Bildung allein nicht ausreichend ist, schlagen die Liberalen Hochschulgruppen drei verschiedene Möglichkeiten vor, wie ein Studium Generale in bestehende Strukturen eingebettet werden kann.

1. An einigen Universitäten ist es bisher gängige Praxis innerhalb eines Bachelor- und auch Masterstudienganges eine bestimmte Anzahl von Leistungspunkten zur „freien Wahl“ zur Verfügung zu stellen: im sogenannten Modul „Freie Wahl“ oder „Studium Generale“ beziehungsweise im Bereich „affine Module“. Den Studenten steht es dabei frei, welche Lehrveranstaltungen und auch welches Lehrformat sie in welcher Fakultät belegen möchten. Dahinter steht der liberale Gedanke, dass die Studenten selbst am besten wissen, welches Wissen sie benötigen und welche zusätzlichen Kompetenzen sie abseits ihres eigentlichen Studienfachs noch erwerben müssen. Dabei ist es auch möglich, den Erwerb der Punkte an Bedingungen zu knüpfen. Beispielsweise kann eine bestimmte Anzahl von Leistungspunkten verpflichtend durch Spracherwerb oder Praktika erbracht werden müssen. Die Beschränkung des Studium Generales auf einen bestimmten Fachzweig oder -bereich lehnt der LHG ab.

2. Die Idee der „liberal arts education“ ermöglicht es, neben einer umfassenden allgemeinen Bildung auch ein ausführliches Studium eines selbstgewählten Wissenschaftsbereiches. So ist es dann möglich, während des Bachelorstudiums beispielsweise sowohl Wirtschaftswissenschaften als auch Kunstgeschichte und Humanmedizin zu studieren und anschließend bei entsprechender Anzahl von Leistungspunkten in VWL einen Masterplatz zu erhalten.

3. Um eine grundlegende Allgemeinbildung zu erlangen bietet bspw. das Leibniz-Kolleg ein zehnmonatiges Studium Generale an: Rund fünfzig Studenten beschäftigen sich über zehn Monate lang in Trimestern in den drei Bereichen Rechts-/Sozial-/Geistes- und Naturwissenschaften und in vielen musischen und kreativen Arbeitsgruppen. Es sind vor allem Abiturienten, die diese Chance nutzen, einen Blick über den Tellerrand zu gewinnen und sich Orientierung verschaffen, was sie letztendlich studieren wollen. Sie eignen sich nebenbei eine Routine im wissenschaftlichen Arbeiten an. Nur wer sich sicher ist, dass er das Richtige studiert, kann sich für seinen Studiengang begeistern, sich mit ihm identifizieren und sich die Inhalte des Studiums mit größtmöglichem Erfolg aneignen.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die Hochschulen daher auf, neue Wege einzuschlagen, sich der verschiedenen Modelle zu öffnen. Die hier genannten sind nur beispielhaft. Zudem sind die Hochschulen frei, eigene Konzepte und Modelle eines Studiums Generale zu entwickeln.

Für die Freiheit der Forschung – Gegen eine uneingeschränkte Zivilklausel

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen befürwortet im Rahmen einer freien Hochschule die Zusammenarbeit mit Unternehmen und die Einwerbung von Drittmitteln zur Förderung der Lehr- und Forschungstätigkeiten. Der Status der Hochschule als zivile Einrichtung ist hierbei stets zu wahren. Eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung im Einzelnen mit allen Forschungsprojekten, ihren Hintergründen und Zielen sowie einer steten Kontrolle dieser muss – anstelle von umfassenden Einschränkungen der Forschung und Kooperation mit einzelnen Branchen der Wirtschaft – der gültige Maßstab sein.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen spricht sich daher gegen die Einführung einer generellen und uneingeschränkten Zivilklausel aus.

Freier Zugang zur Wissenschaft

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen setzt sich für eine stärkere Öffnung von Hochschulen und Forschung. Insbesondere durch verstärktes Angebot von „open access“ im Rahmen des bestehenden Urheberrechts sowie online abrufbaren Veranstaltungsformaten soll Forschung an Hochschulen transparenter werden und die Gesellschaft am wissenschaftlichen Fortschritt teilhaben können. Die finanziellen, rechtlichen und technischen Barrieren zur Nutzung von Online-Angeboten sollen dabei so weit wie möglich reduziert werden.

Deshalb sollen größere Anreize für die barrierefreie Bereitstellung von wissenschaftlichen Ergebnissen und Publikationen, aber auch von Vorlesungsstreams, Mitschnitten, Podcasts und weiterer Angebote gesetzt werden. Dafür sollte darauf hin gewirkt werden, dass innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft auch verstärkt Online-Veröffentlichungen wie beispielsweise heute schon (Working-) Paper anerkannt werden. Beispielsweise kann die Bereitstellung solcher Angebote in die leistungsbezogene Hochschulfinanzierung, Berufungsverfahren und in die Vergabe öffentlicher Drittmittel einfließen.

Etablierung des Deutschlandstipendiums – Anreize im Sinne der Studierenden setzen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert, dass Hochschulen künftig auch Deutschlandstipendien anbieten können, wenn die Quote der betroffenen Hochschule bereits übererfüllt ist. Die Flexibilisierung der Deckungsregel würdigt engagierte Hochschulleitungen und kommt gleichzeitig den Studierenden voll zugute. Diese zusätzlichen Deutschlandstipendien sollen unter der Regelförderung des Bundes liegen, um keine einseitige Ausschöpfung des staatlichen Mitteltopfes zu induzieren. Zugleich ermöglicht eine flexible Deckelung, dass die Hochschulen untereinander im Wettbewerb um diese staatlichen Mittel konkurrieren.

Chancengerechtigkeit beim Masterzugang

Der Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium stellt auch zehn Jahre nach Beginn des Bologna-Prozesses eine der großen Herausforderungen für selbigen dar. Für den Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen steht dabei außer Zweifel, dass die derzeitigen Probleme nicht im Prozess selbst, sondern vor allem in dessen teilweise schlecht gestalteter Umsetzung begründet liegen. Der Bologna-Prozess bietet – besser und qualifizierter umgesetzt – enormes Potential für die europäische Hochschullandschaft und deren Studierende.

Vor diesem Hintergrund fordert der LHG Reformen, die notwendig sind, um die Vorteile des Bachelor- und Mastersystems besser zur Geltung zu bringen.

  • Bachelorstudiengänge sollen sich an den zu vermittelnden Fachinhalten und Kompetenzen orientieren. Zudem muss die Akzeptanz des Bachelors auf dem Arbeitsmarkt sowie in Wirtschaft und Verwaltung verbessert werden. Hierbei kann der öffentliche Dienst eine Vorbildfunktion übernehmen.
  • Studierende müssen während ihres Studiums die Möglichkeit bekommen, Beratungen in Anspruch nehmen zu können, welche ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt, aber auch zu einem weiterführenden Masterstudium erleichtern. Die Beratung muss dabei subsidiär erfolgen. Die Agentur für Arbeit wird als staatlicher Anbieter aufgefordert, ihre Beratungen für Akademiker zu erweitern und zielgenaue Angebote flächendeckend für Bachelorabsolventen aufzubauen. Hochschulen sollen auf der einen Seite die Beratung für die eigenen Absolventen sicherstellen, auf der anderen Seite die Zugangshürden transparent und fundiert darstellen.
  • Es soll gelten: ein Bachelorabschluss befähigt für ein fachverwandtes konsekutives Masterstudium. Die Hochschulen sind verpflichtet, zu begründen, warum ein bestimmter Abschluss dies nicht tut.

Die Forderung nach einem garantierten Master für alle und das undifferenzierte Recht auf den Master lehnt der LHG als Entwertung des Bachelorabschlusses ab und fordert stattdessen die Landesregierungen auf, den Hochschulen genügend Mittel zu Verfügung zu stellen, um ihren Studierenden einen möglichst problemlosen Übergang zwischen Bachelor- und Masterstudium zu gewährleisten.

Außerdem fordert der LHG die Hochschulen auf, Profilbildung nicht zu Lasten der Studierenden, insbesondere durch die Überregulierung vom Zugang zu konsekutiven Masterstudiengängen, zu betreiben. Stattdessen sollen die Hochschulen ihr Profil durch ein entsprechendes Lehrangebot sowie spezielle Masterprogramme mit entsprechenden hochschuleigenen
Zugangsanforderungen schärfen.