Archiv der Kategorie: 41. Bundesmitgliederversammlung, Januar 2009 in Berlin

Vorbereitung von Schülern auf das Hochschulstudium

Sowohl hohe Abbrecherquoten in den ersten Semestern, als auch Vorzug und Ablehnung bestimmter Fächer bei der Studienwahl sind zu einem großen Teil auf mangelnde Orientierung der Studienanfänger zurückzuführen. Die Suche nach dem optimalen Studiengang geschieht bei vielen Abiturienten in großer Unklarheit über das, was sie eigentlich erwartet.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen setzt sich dafür ein, dass künftige Abiturienten an den Gymnasien und anderen anderen Bildungseinrichtungen, die auf einen Abschluss mit Hochschulzugangsberechtigung vorbereiten, in den verschiedenen Bereichen besser auf Ihr Studium vorbereitet werden:

  • Um sich entscheiden zu können, ob ein Studium überhaupt richtig ist und wenn ja, in welcher Form, muss den Schülern genau aufgezeigt werden, welche Vor- und Nachteile ein Studium mit sich bringt, welche Ansprüche es hat und welche Ideale es voraussetzt. Hier ist genau zu differenzieren zwischen Fachhochschul- und Universitätsstudium. Um dieses Ziel zu erreichen, sind ein punktuelles, bis zum Ende der Schulzeit sich verdichtendes wissenschaftliches Arbeiten und vermehrte autodidaktisch zu erschließende Themengebiete in den Unterricht einzubinden. Eine größere Anzahl daraufhin speziell didaktisch ausgebildeter Lehrer würde die wissenschaftliche Kompetenz an den Schulen verstärken.
  • Ein klares Bild vom wissenschaftsbezogenen universitären Studium und vom berufsbezogenen Fachhochschulstudium, ist genau zu vermitteln. Hierzu muss etwa die Frage „Was ist Wissenschaft?“ genauso erörtert werden, wie die unterschiedlichen Möglichkeiten der Lebensplanung in verschiedenen Hochschularten, Studiengängen und Studienabschnitten.
  • Um die Entscheidung für einen Studiengang außerhalb des schulischen Fächerkanons zu erleichtern, muss den Schülern mehr Freiraum gelassen werden, eigene Interessen zu entwickeln. Hierzu muss den Schülern beispielsweise die Möglichkeit gegeben werden, sich auch an technischen Fragestellungen zu versuchen, um sich mit der Option eines Ingenieurstudienganges qualifiziert befassen zu können.
  • Das Lernen an der Fachhochschule, mehr noch an der Universität, unterscheidet sich deutlich vom schulischen. Die Eigenverantwortlichkeit bei Auswahl und Antritt eines Studiums, beim Erschließen komplexer Themen, bei der Organisation des Studiums, beim Zurechtfinden in einer neuen Lebenssituation und bei den außercurricularen Pflichten eines zukünftigen Trägers der Gesellschaft überfordert viele Schüler, die bislang noch viele Entscheidungen abgenommen bekommen haben. Um Abiturienten also wirklich aufs Studium vorzubereiten, muss die Eigenverantwortlichkeit bereits in der Schule gestärkt werden. So könnten Wahlpflichtprojekte außerhalb des regulären Stundenplans, zu welchen sich Oberstufenschüler eigenständig anmelden müssen, terminliche und strukturelle Absprachen treffen müssen und selbständig Ergebnisse erzielen müssen, Studienbedingungen simulieren. So würde den Schülern die Möglichkeit gegeben, Interessen zu entwickeln und bereits das selbständige Erschließen von Themen anhand individuell adäquater Methoden und Mittel zu üben.
  • Diese Methoden und Mittel müssen verstärkt von den Lehrern, den Gymnasien und anderen anderen Bildungseinrichtungen, die auf einen Abschluss mit Hochschulzugangsberechtigung vorbereiten zur Verfügung gestellt werden. So sollten in der Oberstufe auch weniger kollektive Schulbücher die Inhalte transportieren, sondern vielmehr gut sortierte Bibliotheken den Schülern das Suchen, Selektieren und Erschließen von Fachliteratur ermöglichen. In den Naturwissenschaften sollten Versuche nicht gezeigt oder auf Anweisung vollstreckt, sondern in eigener Verantwortung bewältigt werden. Die Allgemeingültigkeit bestimmter Mittel, wie zum Beispiel einem bestimmten Set an Hausaufgaben zum Einüben eines Themas, ist durch das Angebot verschiedener individueller Lernmethoden zu ersetzen. Angebote zu studiumsrelevanten Kompetenzen wie Zeitmanagement, Lesetechnik, Präsentieren und freies Vortragen, etc. können den Studienantritt erheblich vereinfachen.
  • Um auf die zahlreichen Fragen, denen Abiturienten auf der Suche nach dem für sie richtigen Studiengang begegnen, kompetent antworten zu können, sollten für die relevante Zeit vor dem Abitur regelmäßige Vorbereitungstreffen für die Studienwahl angeboten werden. Hier können die Unterschiede einzelner Hochschulen, die Schwerpunkte verschiedener Studiengänge, die Möglichkeiten eines Auslandsstudiums oder auch Zulassungsregelungen und vorausgesetzte Kompetenzen besprochen werden.
  • An dieser Stelle sind auch die Hochschulen in die Pflicht zu nehmen. Eine Hochschule, die mit anderen um die besten Studenten konkurriert, hat ein Interesse daran, schon an den Schulen für sich zu werben und zu informieren. An dieser Stelle müssen die Schulen mit den Universitäten über Ländergrenzen hinweg kooperieren.

Auflösung des freien zusammenschlusses von studentInnenschaften (fzs)

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die im fzs verbliebenen Studierendenschaften auf, bei der nächsten Mitgliederversammlung die Auflösung des Verbandes zu beschließen und die finanzielle und organisatorische Abwicklung des fzs einzuleiten. Mit der Konkursmasse sind etwaige finanzielle Verpflichtung und Verbindlichkeiten zu begleichen. Nach der Abwicklung verbleibende Finanz- und Sachmittel sind einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen.

Generation Praktikum

Ob in der Schule, im Studium oder danach, ob zur beruflichen Orientierung oder zur gezielten Berufsvorbereitung, ob verpflichtend oder freiwillig – Praktika sind heute allgegenwärtig. Etwa die Hälfte der deutschen Studierenden hat in den letzten 12 Monaten ein Praktikum absolviert. Auch medial wird es uns immer wieder testiert: Wir sind die Generation Praktikum.

Über Sinn und Unsinn des einzelnen Praktikums lässt sich zweifelsohne streiten. In der Öffentlichkeit aber hat sich eine Diskussion über den Nutzen betrieblicher Praktika im Allgemeinen entfacht. Es ist von Ausbeutung der Praktikanten als billige Arbeitskräfte die Rede, von sog. Praktikaschleifen, in denen sich Hochschulabsolventen verfangen würden, und gar von Substitution regulärer Arbeitsstellen durch un- oder schlecht bezahlte Praktikantenjobs. Die Forderungen reichen von angemessener Vergütung von Hochschulabsolventen, über die Befristung der Praktikumszeiten auf eine Maximaldauer, bis hin zum Mindestlohn auch für studentische Praktikanten.

Die liberalen Hochschulgruppen vertreten klar die Auffassung, dass Lern- und Ausbildungszweck bei einem Praktikum – schon seinem Wesen nach – im Vordergrund stehen müssen. Praktika dienen der Berufsorientierung, der Ergänzung der theoretischen Ausbildung durch praktische Kenntnisse sowie der Aneignung erster beruflicher Erfahrungen. Dieser Zweck der Weiterqualifizierung muss im Mittelpunkt stehen und wieder verstärkt in den Mittelpunkt gerückt werden. Ebenso legitimer Zweck einer Praktikumsstelle kann aus Arbeitgebersicht aber natürlich auch die Personalgewinnung, spiegelbildlich aus.

Neue Notensysteme — einfach, transparent, vergleichbar

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert eine nationale interinstitutionelle und internationale Vereinheitlichung der Notensysteme. Jede Leistungsbewertung soll in Zukunft analog den angelsächsischen Modellen in Prozentangaben stattfinden. Die maximal erreichbare Punktzahl in jeder Prüfung ist 100%. Herkömmliche Noten können weiterhin benutzt werden, werden aber auf Basis dieses Punktesystem errechnet, die tatsächliche Punktzahl ist immer
anzugeben. Daneben sollte auf eine Transparenz der in der Prüfung gestellten Anforderungen hingewirkt werden.

Lehramtsausbildung

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert zu einer umfassenden Reform der Lehramtsausbildung mit dem Schüler im Mittelpunkt und den realen Bedingungen im Hintergrund nach folgendem Konzept auf.

1 Gliederung der Studiengänge und Studienphasen

Bildung basiert auf der Kenntnis von Inhalten und Fähigkeiten, die mittels Didaktik und unter bestimmten Lernbedingungen vermittelt werden. Ohne die richtige Didaktik und die richtigen Bedingungen für jedes Individuum sind ausreichende Kenntnisse der Inhalte und Fähigkeiten jedoch kaum zu erreichen. Gerade in Grund- Haupt- und Realschulen sowie in Kindergärten ist es sehr wichtig, den Schülern und Kindern einen Weg zur Bildung zu bieten, bevor man sie mit den Inhalten erschlägt oder Fähigkeiten abverlangt, die sie noch nicht entwickelt haben. Im Gegensatz dazu soll das Gymnasium, insbesondere in den höheren Klassen, denjenigen, die weniger Hilfestellung brauchen, ausreichende Inhalte zur Verfügung stellen und relevante Fähigkeiten üben und fordern.

1.1 Studium für Grund-, Haupt- und Realschule, Kindergärten

Die Lehramtsausbildung für Haupt- Grund- und Realschule sowie Kindergärten wird von der Universität, insbesondere von den einzelnen Fächern, entkoppelt. Sie wird nach Gegebenheit an Pädagogische Hochschulen, Fachhochschulen oder in einem speziellen Institut an der Universität angesiedelt. (Eine Verknüpfung mit den bisherigen Instituten für Pädagogik ist denkbar).

Hier ist der Studiengang „Bachelor of General Education“ einzurichten. Dieser ist berufsqualifizierend und soll Absolventen dazu befähigen, in vor- und außerschulischen Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Vereine, Volkshochschulen, …) sowie in Schulen außerhalb des Lehrbetriebs eingesetzt zu werden. Polyvalenz, im Einzelnen keine zwingende Weiterführung einer Lehrerlaufbahn und verschiedene Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, ist also gegeben.

Ein Konsekutivstudiengang „Master of General Education” ist entsprechend einzurichten. Dieser befähigt zur Ausübung des Lehrerberufs an Grund- Haupt- und Realschulen, sowie zur Leitung von Vor- und Außerschulischen Bildungseinrichtungen. Er wird, so lange dieser Abschluss existiert, mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen.

1.2 Studium für Gymnasien

Die Lehramtsausbildung für Gymnasien soll weiter an Universitäten stattfinden.

Hier ist der Studiengang „Bachelor of Specific Education“ einzurichten. Dieser ist berufsqualifizierend und soll Absolventen zur Aufnahme eines Berufs, für welchen die gewählten Fächer und/oder die angeeigneten Qualifikationen gefordert werden (PR eines Chemiekonzerns, Schulungen zu Mathematik, Deutsch, etc.), befähigen. Polyvalenz ist also gegeben.

Ein Konsekutivstudiengang „Master of Specific Education“ ist entsprechend einzurichten. Dieser bereitet konkret auf den Beruf des Gymnasiallehrers vor und wird, so lange dieser Abschluss existiert, mit dem Staatsexamen abgeschlossen.

Um die fachliche Qualität, die Motivation und den Anspruch an Gymnasien zu stärken, werden mehr promovierte Lehrer benötigt. Hierzu müssen Stipendien zur Verfügung gestellt werden und die Strukturen an den Schulen angepasst werden, um eine Promotion bereits im Referendariat oder berufsbegleitend zu ermöglichen.

2 Ausgestaltung der Studiengänge

An Grund-, Haupt- und Realschulen werden in unterschiedlichem Maße Inhalte vermittelt, die nicht eine umfassende fachliche Ausbildung der Lehrer auf diesem Gebiet voraussetzen, sondern ein allgemeines Wissen, welches bei kompetenten Lehrern ohnehin vorhanden ist. Lücken können autodidaktisch geschlossen werden. Die Schüler wollen und müssen nicht auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereitet werden, sondern verlangen nach konkret anwendbaren und praktischen Inhalten und Fähigkeiten. Lehrer stehen oft vor der Herausforderung, zunächst den Boden für die Bildung urbar zu machen, bevor diese gedeihen kann. Hierzu ist sehr hohe Kompetenz auf sozialer und pädagogischer Ebene von Nöten.

Voraussetzung für den Besuch eines Gymnasiums ist ein autonomer Drang nach Bildung, der von Lehrern gefördert und kanalisiert werden soll. Um diesem gerecht zu werden und die Schüler für die intensive Beschäftigung mit Grundlagen und Details eines Themas zu begeistern, müssen die Lehrer selbst eine hohe fachliche Kompetenz und ein Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten aufweisen.

2.1 Bachelor of General Education

Ein starker Bezug zur Praxis wird bereits zu Beginn des Studiums hergestellt. Die Studienanfänger werden verpflichtet, ein dreimonatiges Praktikum vorzuweisen, das nicht im normalen Schulbetrieb absolviert werden muss , aber dennoch einen starken Bezug zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat. Ehrenamtliche Tätigkeiten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit oder die Ableistung des Zivildienstes, beziehungsweise eines FSJ in diesem Bereich können angerechnet werden. Während des Studiums sind ab dem ersten Semester weitere Praxisphasen einzubinden, die an der Hochschule akademisch aufbereitet werden.

Das Studium beschäftigt sich vorrangig mit den Grundlagen von Bildung und Erziehung, wie Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Philosophie und den Herausforderungen in Bildungseinrichtungen und der Kinder- und Jugendarbeit, wie Streitschlichtung, Zeitmanagement, Vereinbarkeit von Beruf und Gesundheit, etc. Fachinhalte werden mit der Ausnahme von Schulsport nur exemplarisch herangezogen.

Die Abschlussarbeit wird zu einer bildungswissenschaftlichen Fragestellung geschrieben.

2.2 Master of General Education

Der Bezug zur Praxis an den Schulen wird zur Vorbereitung auf den Beruf des Lehrers ausgebaut. Das erste Semester bereitet theoretisch auf eine praktische Phase im zweiten Semester vor, in der die Mitarbeit in ein bis zwei Klassen parallel zu begleitenden Kursen an der Universität stattfindet. Im dritten Semester findet eine fachliche Vertiefung statt, in der zukünftige Schwerpunkte festgelegt werden können. Im vierten Semester erstellt der Absolvent eine Abschlussarbeit, die sich thematisch am zukünftigen Lehrberuf orientiert.

Das Referendariat wird auf Grund der studienintegrierten Praxisphasen auf ein Jahr reduziert.

2.3 Bachelor of Specific Education

Ein starker Bezug zur Praxis wird bereits zu Beginn des Studiums hergestellt. Die Anwärter werden verpflichtet, ein dreimonatiges Praktikum vorzuweisen, das nicht im normalen Schulbetrieb absolviert werden muss, aber dennoch einen starken Bezug zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat. Ehrenamtliche Tätigkeiten im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit oder die Ableistung des Zivildienstes, beziehungsweise eines FSJ in diesem Bereich können angerechnet werden.

Studenten wählen zu Beginn ihres Studiums zwei Fächer, deren inhaltliche Erschließung im Vordergrund steht. Der bildungswissenschaftliche Anteil beläuft sich auf ein geringeres Maß. Vorgeschlagen wird eine Aufteilung in je 1/3 des Aufwandes pro Fach und 1/3 für die Bildungswissenschaften.

Die Abschlussarbeit wird in einem der beiden Fächer geschrieben, gegebenenfalls mit Fokus auf die Fachdidaktik.

2.4 Master of Specific Education

Bildungswissenschaften und der Bezug zur Praxis an den Schulen werden zur Vorbereitung auf den Beruf des Lehrers ausgebaut. Der Anteil des Fachstudiums soll maximal 50% betragen. Das erste Semester bereitet theoretisch auf eine praktische Phase im zweiten Semester vor, in der die Mitarbeit in ein bis zwei Klassen parallel zu begleitenden Kursen an der Universität stattfindet. Im dritten Semester wird die Fachdidaktik in den Vordergrund gerückt. Im vierten Semester erstellt der Absolvent eine Abschlussarbeit, die in einem der Fächer verfasst wird.

Das Referendariat wird auf Grund der studienintegrierten Praxisphasen auf ein Jahr reduziert.

2.5 Promotion

Absolventen des Master of Specific Education werden ermutigt, eine Promotion anzuschließen.

3 Quereinstieg

Der Quereinstieg in den Master of General Education oder den Master of Specific Education nach einem fremden Bachelorstudium wird auf Nachweis und Erwerb entsprechender Qualifikationen flexibel ermöglicht.

4 Zulassung

Tauglichkeitsprüfungen für den Lehrerberuf vor Aufnahme des Studiums sind abzulehnen. Intensive Beratung und Verfügbarkeit von Hilfestellungen zur Selbsteinschätzung sind der bessere Weg. Eignungsprüfungen, die auf die allgemeine Eignung zum Studium abzielen, werden hingegen begrüßt.