Archiv der Kategorie: 27. Bundesmitgliederversammlung, Oktober 2001 in Hannover

Das Grundsatzprogramm der Liberalen Hochschulgruppen

Liberale Studierende engagieren sich in Liberalen Hochschulgruppen und versuchen, die Studienbedingungen für alle Studierende zu verbessern. Die Liberalen Hochschulgruppen wollen die Interessen der Studierende auf allen Ebenen artikulieren, in den Fachbereichen, den Hochschulen, auf Ebene der Länder und des Bundes. In Kooperation mit anderen liberalen Gruppierungen nehmen sie Studierendeninteressen europaweit und international wahr.
Der LHG hat folgende Vision für die Hochschule der Zukunft:

Die Hochschule der Zukunft bietet den Studierenden wieder einen Raum, für ihre Zukunft gebildet und ausgebildet zu werden. Sie ist ein Lebensraum für Studierende, den sie entsprechend ihrer Neigungen und Wünsche selbst mitgestalten können. Der Aufbau ihres Studiums kann in bestimmten Grenzen von ihnen frei gewählt werden. Ziel der Hochschule der Zukunft ist es, verantwortungsvolle und kompetente Akademiker auszubilden, die aus ihrem Studium für sich selbst aber auch für die Gesellschaft größtmöglichen Nutzen ziehen können. Für den Einzelnen geht es darum, Eigenständigkeit zu erlangen und die eigene Persönlichkeit und die eigenen Fähigkeiten zu entfalten. Der Bund und die Länder haben erkannt, dass in einem ressourcenarmen Land wie Deutschland der Rohstoff “Wissen” nicht mehr vernachlässigt werden darf. Deshalb leitet die Hochschule der Zukunft alle Studierenden zu selbständigem, interdisziplinärem, wissenschaftlichem Arbeiten an, sie vermittelt Fachwissen, wissenschaftliche Methodik und die Befähigung zu selbstständigem lebenslangen Lernen.

Wie diese Hochschule der Zukunft aussieht, stellen sich Liberale Studierende folgendermaßen vor:
Lernort Hochschule

Die Hochschule der Zukunft ist personell und materiell so ausgestattet, dass sie der Anzahl der Studierenden und den fachspezifischen Bedürfnissen angepasst ist. Es ist wieder möglich, ein Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Die Infrastruktur – wie Bibliotheken, Labors, Computerpools, Mensen aber auch die Verwaltung – ist quantitativ und qualitativ dem Bedarf der Studierenden angemessen und nach neuestem Stand der Wissenschaft und Technik ausgestattet. Sie ermöglicht wieder eine individuelle Betreuung des Studierenden durch Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, ohne die Studierenden zu beschränken. Darüber hinaus wurde das System der studentischen Betreuungstutorien ausgebaut, freie Dozentenstellen werden umgehend neu besetzt. An der Hochschule der Zukunft findet wieder ein wissenschaftlicher Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden statt. Die neuesten Erkenntnisse der Forschung werden in die Lehre eingebracht.

Die Hochschule der Zukunft richtet sich in der Lehre an den Bedürfnissen der Studierenden aus. Hierzu bewerten ihre Studierende dort regelmäßig die Qualität der Lehre. Kriterien dieser Evaluation sind die Fähigkeit der Professoren, den Lernstoff verständlich und interessant zu vermitteln, die Regelmäßigkeit der Durchführung der Lehrveranstaltung und die Bereitschaft der Dozenten, auf individuelle Anliegen der Studierende einzugehen. Die Ergebnisse der Lehrevaluation werden kontinuierlich veröffentlicht und beeinflussen in hohem Maße die Berufung von Professoren.

Die Hochschule der Zukunft ermöglicht es ihren Studierenden, ihren Lehrplan auf ihre persönlichen Bedürfnisse und ihre Lebensplanung zuzuschneiden. Durch modularisierte Studienordnungen kann sich der Studierende seinen eigenen, individuellen Lernplan zusammenstellen. Der Studierender kann sein Studium, je nach Wunsch, auf Wissenschaft als Beruf oder auf Berufe, die Wissenschaft anwenden, ausrichten.

Der Volkswirtschaft ergeben sich keine Kosten mehr durch die Ineffizienz des Hochschulbetriebs, die zur ungewollten Verlängerung der Studienzeit führte. Nicht vorhandene Plätze in Pflichtpraktika, lange Wartezeiten für Referendariatsplätze, Kontingentierung von Seminar- und Abschlussarbeiten und die Nichtanerkennung von Studienleistungen nach Studienortwechsel gehören der Vergangenheit an.

Die Hochschule der Zukunft hat sich nach außen geöffnet. Sie bietet allen Bürgern, ob mit oder ohne Abitur, mit oder ohne Hochschulabschluss, die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung. Sie ist das Leistungszentrum für lebenslanges Lernen.

Die differenzierte Hochschullandschaft führt zu einem differenzierten Gefüge von Studienabschlüssen. Neben die althergebrachten Abschlüsse Diplom, Magister, Staatsexamen und Promotion sind vermehrt die angelsächsischen Abschlüsse Bachelor und Master getreten. Damit die Vielzahl der Abschlüsse überschaubar bleibt und ein Mindestmaß an Qualität sichergestellt ist, werden die Abschlüsse auf deutscher und europäischer Ebene akkreditiert.

Unternehmen wünschen sich Absolventen, die sich bereits mit der Berufswirklichkeit vertraut gemacht haben. Erlerntes Wissen muss angewendet, präsentiert und verkauft werden. An den Hochschulen der Zukunft sind Praktika deshalb ein zentraler Bestandteil der Studiengänge.

Der Schwerpunkt des Studiums wurde von ausgedehntem Detailwissen auf notwendiges Orientierungswissen und auf Schlüsselqualifikationen und Methodenkompetent verlegt. Um dies zu erreichen, wurden in großem Umfang neue Kapazitäten geschaffen. Die Hochschulen haben sich hierzu verstärkt um neue Stellen für praxisorientierte Studiengänge bemüht. Hierbei wurde auch eine intensivere Zusammenarbeit mit privaten Stiftungen und Unternehmen nicht gescheut.

Medienkompetenz hat sich als eine Schlüsselkompetenz erwiesen. Die Grundlage für den Umgang mit neuen Medien wird in allen Schulen gelegt. Sie wird in den Hochschulen weiter gefördert und eröffnet damit Perspektiven für lebenslanges Lernen. Durch Workshops, Planspiele und Fallstudien wird den Studierenden der betriebliche Alltag eines Unternehmers nahe gebracht werden. Diese Seminare werden als Wahlfach ins Lehrangebot integriert. Es wurden Infopools aufgebaut, in denen sich die Studierenden zu allen Fragen rund um die Existenzgründung informieren können.
Autonomie

Die Hochschule der Zukunft ist autonom. Die Effizienz der Hochschulen wurde gesteigert, indem man durch Wettbewerb und Abbau staatlicher Regulierungen Marktkräfte freigesetzt hat. Auf diese Weise entstand ein transparentes, differenziertes, auf die Nachfrage der Studierenden und das Angebot am Arbeitsmarkt gleichermaßen zugeschnittenes Hochschulsystem. Durch eine Abkoppelung der Hochschulen vom Staat konnte die Erstarrung in der Hochschullandschaft aufgebrochen werden. Die Hochschulen entscheiden selbst über die Mittelverwendung, die Besetzung und Bezahlung ihres Personals. Prüfungsordnungen, Zulassung von Studierenden, Einrichtung oder Schließung von Studiengängen, die Gestaltung von Forschung und Lehre sowie die innere Struktur sind von staatlicher Einflussnahme befreit. Die Hochschule der Zukunft regelt dies selbst unter Einbeziehung aller am wissenschaftlichen Betrieb Beteiligten, auch der Studierenden selbst. Alle Entscheidungen richten sich an den Grundsätzen der Subsidiarität aus. Entscheidungskompetenzen und Verantwortung werden möglichst nah bei den tatsächlich Betroffenen angesiedelt.

Dadurch wurde es den Hochschulen ermöglicht, sich selbst ein Profil zu geben. Der Vielfalt von individuellen Studieninteressen steht eine Vielfalt von individuellen Bildungsangeboten gegenüber.

Die Hochschule der Zukunft besitzt Personalhoheit, außerdem wird auf die Verbeamtung der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter verzichtet. Dies ermöglicht es ihr, mit ihrem Personal Einzelverträge mit individueller Bezahlung und Kopplung der Vergütung an Lehr- und Forschungsleistungen abzuschließen. Die Einführung von Junior-Professuren hat die Entwicklungs- und Karrierechancen des wissenschaftlichen Nachwuchses entscheidend verbessert.

Die Hochschulen treten in einen Wettbewerb um Studienanfänger ein. Die Studienanfänger werden nicht länger durch die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) zugeteilt. Die Behörde ZVS wurde abgeschafft. Ihre Mittel sind den Hochschulen zugeflossen, um dort die Lehre zu verbessern.

Über die Vergabe der Studienplätze entscheidet die Hochschule selbst, z.B. durch Aufnahmeprüfungen oder Auswahlgespräche.

Der Studienanfänger hat das Recht, sich an jeder Hochschule zu bewerben. Auch Mehrfachbewerbungen in verschiedenen Fächern sind möglich. Durch die Veröffentlichung der Ergebnisse der Lehrevaluation hat der Studierender die Möglichkeit, die Studienangebote zu vergleichen. Bereits seit langem existierende Ranglisten haben dadurch an Aussagekraft gewonnen.
Hochschulfinanzierung

Die Hochschulen der Zukunft finanzieren sich durch staatliche Mittel, Drittmittel und Sponsorengelder. Private Hochschulen können darüber hinaus eine Kostenbeteiligung der Studierende erheben. Nach wie vor macht die staatliche Mittelzuweisung den größten Anteil der Hochschulhaushalte aus. Der Staat hat in den letzten Jahren seine Ausgaben für sein Bildungssystem drastisch erhöht, weil er erkannt hat, dass Mittel für Schulen und Hochschulen die beste Investition in die Zukunft sind.

Die staatlichen Mittel werden aber nicht mehr für die Bereithaltung von Studienplätzen vergeben, sondern für die Studierenden selbst. Die Hochschulen sind deshalb in einen Wettbewerb um Studierende und einen Wettbewerb um Mittel getreten. Es finden objektive Leistungskriterien, wie Lehrqualität, durchschnittliche Studiendauer, Abbrecherquoten und Forschungsleistungen Eingang in die Berechnung der staatlichen Zuweisungen.

Die Unabhängigkeit der Hochschule der Zukunft drückt sich auch in ihrer finanziellen Unabhängigkeit aus:

Die Hochschulen machen in großem Umfang von der Möglichkeit Gebrauch, Drittmittel und Sponsorengelder aus der Wirtschaft, von Ehemaligen und Stiftern einzuwerben. Sie ergänzen den Finanzbedarf der Hochschule der Zukunft. Durch den Ausbau der public-private-partnership wird nicht nur das Budget ergänzt. Die Vernetzung der Hochschulen mit anderen gesellschaftlichen Interessengruppen bringt auch eine ideelle Förderung der Hochschulen mit sich. Es hat sich gezeigt, dass der Nutzen des Hochschulsponsoring viel größer ist als erwartet und die Wirtschaft kein Interesse daran hat, die, durch die Freiheit der Wissenschaft freigesetzte Kreativität, einzuschränken.
Soziales

Durch eine überfällige Strukturreform des BAföG wird wieder sichergestellt, dass Studierende sich voll auf ihr Studium konzentrieren können und nicht mehr nebenher zur Finanzierung ihres Studiums jobben müssen. Im Rahmen der Strukturreform wurde festgelegt, dass jeder Studierende, unabhängig von seiner eigenen finanziellen Lage oder der der Eltern, einen Sockelbetrag ausbezahlt bekommt. Dieser Sockelbetrag wurde durch die Zusammenfassung des Kindergeldes und der Kinderfreibeträge geschaffen, die nunmehr direkt an die Kinder und nicht mehr an die Eltern fließen. Bei Bedarf erhalten die Studierenden einen staatlicher Zuschuss, der von der finanziellen Leistungsfähigkeit abhängt. Schließlich kann darüber hinaus noch ein Darlehen zur Ergänzung des finanziellen Bedarfes gewährt werden. Die Bedarfssätze werden so bemessen, dass sie dem tatsächlichen Finanzbedarf eines Studierenden entsprechen. Die Bedarfssätze wurden dynamisiert und werden anhand eines studentischen Warenkorbs fortgeschrieben.

Möchte ein Studierender trotzdem neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wird dies nicht unnötig behindert. Erwerbstätigkeit kann einen guten Einblick in die Arbeitswelt vermitteln und das Studium sinnvoll ergänzen. Deshalb bieten die meisten Hochschulen die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums. Da die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse wieder von der Sozialversicherungspflicht und studentischer Nebenerwerb von der Rentenversicherungspflicht befreit wurden, hat der Studierende wieder eine große Auswahl an Nebenjobs.

Außerdem wurde das gemeinnützige Stiftungswesen stark ausgebaut. Dabei werden nicht nur herausragende Leistungen, sondern auch gesellschaftliches Engagement, berücksichtigt. Durch die Vielzahl der zusätzlichen Stipendien, die für den Stifter steuerlich vorteilhaft sind, konnte der Gefördertenkreis stark ausgeweitet werden.

Die Hochschule der Zukunft hat selbst das Heft in die Hand genommen und für ausreichend studentischen Wohnraum gesorgt. Sucht sich der Studierende eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt, wird dieser Wohnraum im Rahmen des BAföG, je nach eigener Leistungsfähigkeit, bezuschusst.

Die Situation von Studierende mit Kind und Studierende mit Behinderung wurde deutlich verbessert. Die Hochschulen haben Kindertagesstätten für die Kinder von Studierenden und Mitarbeitern eingerichtet oder entsprechende Partnerschaften mit externen Einrichtungen. Sie gehen auf die Bedürfnisse der Studierenden mit Behinderung individuell, persönlich und unbürokratisch ein. Die Quotenregeln des Schwerbehindertengesetzes gelten nunmehr auch für wissenschaftliche Hilfskräfte und studentische Mitarbeiter.
Internationalisierung

Die Hochschule der Zukunft hat erkannt, dass die Globalisierung auch vor Bildung und Wissenschaft nicht haltgemacht hat. Der internationale Wettbewerb, der in der Forschung schon immer bestand, macht sich auch im Wettbewerb um die Studierenden bemerkbar.

Die Hochschulen reagieren darauf durch eine Internationalisierung der Studienangebote. Vorlesungen und Prüfungen in Fremdsprachen sind schon seit längerem nichts ungewöhnliches mehr. Die Hochschulen und Fachbereiche haben außerdem vermehrt Kooperationen mit anderen Hochschulen geschlossen, die den Studierenden ein vielfältiges Programm von Auslandsaufenthalten ermöglichen. Um die Mobilität der Studierenden nicht einzuschränken, wurde auf europäischer Ebene ein einheitliches Credit-Point-System zum Standard, das Studienabschnitte zertifiziert und an allen Hochschulen anerkannt wird.

Die Hochschule der Zukunft hat den Wissenschaftsstandort Deutschland wieder für ausländische Studierende attraktiv gemacht. Die Autonomie der Hochschulen ermöglicht eine individuelle Anerkennung ausländischer Hochschulzugangsberechtigungen. Auf Sprachprüfungen wird zumeist verzichtet, weil erkannt wurde, dass man die Sprache auch während des Studiums erlernen kann. Der Staat unterstützt diese Bemühungen. Durch Änderungen im Ausländerrecht ist nicht mehr die Ausländerbehörde für die Prüfung des Studienfortschritts zuständig. Aufenthaltsgenehmigungen werden unbürokratisch erteilt, sobald eine Hochschule einen ausländischen Studierenden aufnehmen will. Ausländische Studierende unterliegen denselben arbeitsrechtlichen Bedingungen, wie ihre inländischen Kommilitonen.
Forschung und Zukunftstechnologien

An der Hochschule der Zukunft sind Lehre und Forschung wieder gleichberechtigte Partner. Studierende wurden verstärkt in die Forschung integriert. Neue Studien- und Prüfungsordnungen sind deshalb auch forschungsorientiert. Die Möglichkeit zu selbständigem Arbeiten bietet dem Studierenden die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu erproben. Die Ergebnisse seiner Forschungsleistung gehören dem Studierende selbst und kommen nicht dem jeweiligen betreuenden Lehrstuhlinhaber zu Gute.

In der Forschungspolitik wurden Kompetenzen gebündelt und gleichzeitig die Möglichkeit zur Forschungskooperation verbessert. Durch eine staatliche Grundausstattung der Forschungsbereiche wird die Vielfalt der Forschung sichergestellt und die Grundlagenforschung gewährleistet. Drittmittel ergänzen auch hier den Haushalt der Hochschule.

Neue Zukunftstechnologien, vor allem bei der Informations- und Biotechnik, haben sich als Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung erwiesen. Dennoch werden Forschung und Forschungsergebnisse ständig kritisch auf ihre ethischen Grundlagen hin überprüft. Die Abwanderung wissenschaftlichen Potentials konnte so gestoppt werden, im Gegenteil zieht Deutschland wieder internationale Forschung an.
Studentische Mitbestimmung

Die Hochschule der Zukunft ist eine Hochschule, an der die Professoren, Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter gleichberechtigt an Entscheidungen mitwirken. Das Engagement in akademischer und studentischer Selbstverwaltung wird bei der Studienzeit berücksichtigt. Nachdem Studierende wieder ein echtes Mitgestaltungsrecht bei der Entwicklung der Hochschule haben, ist das Engagement stark angestiegen.

Dies macht sich auch in der Studentische Selbstverwaltung bemerkbar. Eine Wahlbeteiligung bei Studierendenparlamentswahlen unter 30% gehört der Vergangenheit an. Dadurch, dass wieder alle Studierende durch das Studierendenparlament repräsentiert sind, gehören ideologische Grabenkämpfe der Vergangenheit an. Die Mittel der inzwischen in allen Landeshochschulgesetzen zwingend vorgesehenen verfassten Studierendenschafen werden überall im Interesse der Studierenden ausgegeben. Ein allgemeinpolitisches Mandat wird von ihnen nicht wahrgenommen.

Damit die Hochschule der Zukunft Realität wird, muss in der deutschen Bildungslandschaft noch viel verändert werden. Das Bildungswesen braucht Liberale, wenn die festgefahrenen Strukturen endlich durchbrochen werden sollen!

Mit Entschlossenheit und Augenmaß gegen den Terror

Die Ereignisse des 11. September 2001 haben die subjektive und objektive Sicherheitslage weltweit verändert. Innere und äußere Bedrohungen scheinen nahezu zu verschmelzen, bisher ungeahnte und von Politik und Gesetzen nicht oder kaum beachtete Szenarien drängen sich auf. Die politischen Akteure überschlagen sich mit Forderungen nach Sicherheit, oft auf Kosten der Freiheit und ohne erkennbaren Effekt.

Wir wollen eine angemessene und umfangreiche Verfolgung und Prävention:
Sicherheitsmaßnahmen gegen den Terror

Wir Liberalen wollen, dass der Staat seine Bürger vor Anschlägen und Angriffen schützt; dafür müssen ihm wirksame Methoden und Instrumente zur Verfügung stehen. Gleichzeitig dürfen wir dafür möglichst keine individuellen Freiheiten von unbescholtenen Bürgern aufgeben – wir würden sonst das opfern, was es zu verteidigen gilt: die freiheitliche Gesellschaft.
Wir können uns Ermittlungen vorstellen, die über die bisherigen Befugnisse der Ermittlungsbehörden hinaus gehen. Für jede dieser Maßnahmen, die im einzelnen vorgenommen werden, muss aber gelten:
– die Maßnahme hat eine klar erkennbare außergewöhnliche Ursache
– die Maßnahme hat ein klar definiertes Ziel
– gewonnene Erkenntnisse dürfen ausschließlich für den definierten Zweck verwendet werden
– die Maßnahme ist zeitlich, örtlich und dem Umfang nach klar begrenzt

Dabei müssen wir jedoch abwägen, welche Maßnahmen überhaupt sinnvoll sind. Wir dürfen den Terroristen nicht in die Hände spielen, indem wir selbst unseren Rechtsstaat aushöhlen.
Verständigungsmaßnahmen gegen den Terror

Der Terroranschlag vom 11. September hat nicht nur die internationale Politik, sondern auch unsere Gesellschaft stark beeinflusst. Das Zusammenleben zwischen Angehörigen verschiedener Religionen hat sich stark verändert. Viele Menschen geben sämtlichen Muslimen die Schuld für den Anschlag auf das World-Trade-Center. Sie erkennen nicht, dass genau dies ein Ziel der Terroristen ist. Das Wort vom “Kampf der Kulturen” macht die Runde. Diesen Kampf zu verhindern ist nicht nur Aufgabe der Politiker, sondern jedes einzelnen. Die LHG ruft hiermit alle Studierenden in Deutschland auf, sich weiterhin für Toleranz und Offenheit an den Universitäten und der deutschen Gesellschaft einzusetzen.

Dieser Konflikt ist kein Konflikt zwischen Muslimen und Christen. Er ist auch kein Konflikt zwischen abend- und morgenländischer Kultur. Es ist ein Konflikt zwischen denjenigen, die ihren Mitmenschen persönliche Entfaltung aufgrund individueller Entscheidungen gewähren auf der einen, und Menschen, die anderen ihre Weltanschauung mit
Gewalt aufzwingen wollen, auf der anderen Seite. Strikter und stolzer Anhänger einer Religion oder Kultur zu sein schließt Toleranz gegenüber anderen Religionen und Kulturen nicht aus. Religion und Kultur rechtfertigen keine Gewalt. Krieg ist nie heilig.

Eine wichtige Maßnahme gegen Hass und Terror ist die Verständigung zwischen den Kulturen und Religionen. Wo erlernte und erfahrene Toleranz in den Köpfen und Herzen steckt, ist kein Nährboden für Aufstachelung und Hass. Wir müssen mit bildungspolitischen, städtebaulichen, kulturellen und wirtschaftlichen Maßnahmen das Kennenlernen unter den Kulturen und Religionen fördern.

Evaluationsdatenbank

Der Bundesvorstand wird aufgefordert, eine Datenbank einzurichten, die möglichst umfangreiche Informationen über die an verschiedenen deutschen Universitäten durchgeführten Evaluationen enthält. Die Mitgliedsgruppen werden dazu aufgefordert, die Daten dem BuVo zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen vor allem die Evaluationsmethoden erkennbar sein.

Die Datenbank ist allen Mitgliedsgruppen zugänglich zu machen.

Interessenvertretung der Studierenden stärken! „Studentischer Dachverband“

Die Mitgliederversammlung erteilt dem Bundesvorstand folgenden Arbeitsauftrag:

Zusammen mit den anderen großen demokratischen Studierendenverbänden werden intensive Kontakte aufgenommen, die das Ziel verfolgen, einen neuen, schlagkräftigen Verband zu etablieren, oder vorhandene Konstrukte strukturell zu reformieren. Alle Mitgliedsgruppen, insb. die ASten-tragenden LHGen werden den Bundesvorstand bei diesem Vorhaben nach Kräften unterstützen.

Nach dem Tod des Verbandes Deutscher Studentenschaften 1991 ist es bisher nicht gelungen eine anerkannte bundesweite Studentische Vertretung aufzubauen. Initiativen wie der hauptsächlich am linken Rand anzusiedelnde „freie zusammenschluss von studentInnenschaften, fzs“ oder der RCDS-getragene BVS, der nach Angaben des RCDS „ausläuft“ machen die Vertretung studentischer Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Verwaltung nahezu unmöglich. Diese Vertretungsarbeit kann nicht durch einzelne Strömungsverbände getragen werden.

Der LHG vertritt die Auffassung, dass Studierende einen starken Lobbyverband nötig haben.

Der Verband ist auf studentische Interessen fokussiert und arbeitet ergebnisorientiert. Als Aufgaben des studentischen Dachverbandes werden definiert:

– ausgeprägte Interessenvertretung in Politik, Wirtschaft und Verwaltung
– intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in allen zur Verfügung stehenden Medien
– Unterstützung der täglichen Arbeit der Studierendenvertreter mit ideellen und materiellen Mitteln.
Zu diesem Zweck schafft sich der Verband effiziente Strukturen mit kurzen Entscheidungswegen.

Der LHG-BuVo erarbeitet mit anderen Hochschulverbänden und Vertretern der ASten mit LHG-Beteiligung eine Satzung, die auf der nächstmöglichen BMV beschlossen werden soll. Dabei sollte es das Ziel sein, in gemeinsamen Verhandlungen aller demokratischen hochschulpolitischen Strömungen und Gruppierungen eine tragfähige Struktur für einen solchen Verband zu finden. Der LHG wird dazu Vorschläge machen, die aber keinesfalls als dogmatisch zu verstehen sind. Niemand soll durch vorgefertigte Strukturen vom Mitmachen abgehalten werden.