Archiv der Kategorie: 24. Bundesmitgliederversammlung, Februar 2000 in Siegen

Neue Hochschulzugangsvoraussetzungen

Die Hochschulen erhalten das Recht, sich alle ihre Studierenden selbst auszusuchen. Dabei dürfen sie in der Wahl ihrer Kriterien nicht über die grundrechtlichen Schranken hinaus eingeschränkt werden. Sie bestimmen damit natürlich auch den Ablauf des Bewerbungs- und Auswahlverfahrens. Die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) wird überflüssig.

 

Insbesondere sind die Hochschulen bei der Auswahl ihrer Studierenden nicht an das Abiturergebnis gebunden. Außerdem ist das Bestehen des Abiturs nicht mehr die einzige Möglichkeit, ein Studium aufzunehmen.

Das Abitur bleibt aber weiterhin die Bescheinigung der allgemeinen Hochschulreife.

 

Damit dieses System nicht zum Abbau von Studienplätzen führt, muss sichergestellt sein, dass Hochschulen Studierende für ihren Erhalt benötigen. Hierfür müssen Anreizsysteme im Rahmen der Hochschulfinanzierung geschaffen werden.

Neuregelung der Zugangsvoraussetzungen

Der LHG fordert den Bund auf, eine Neuregelung der Zugangsvoraussetzungen für die Öffentliche Verwaltung zu schaffen. Die jetzige Praxis soll durch ein Concours-Verfahren ersetzt werden, das den Absolventen aller Fachrichtungen den Einstieg in den Dienst in der Öffentlichen Verwaltung ermöglicht.

 

In der Einstellungspraxis des öffentlichen Dienstes, besonders bei Landes- und Bundesbehörden, werden Hochschulabsolventen bevorzugt, die ihr Studium mit einem Staatsexamen abgeschlossen haben. So haben vor allem Juraabsolventen im Vergleich zu Akademikern mit Magister- oder Diplomabschluss bessere Chancen auf Übernahme in den höheren Dienst.

Das Concours-Verfahren ermöglicht Chancengleichheit und macht das juristische Staatsexamen als Voraussetzung für eine Laufbahn im Dienst der Öffentlichen Verwaltung überflüssig.

Für eine verbesserte Vorbereitung auf das Hochschulstudium

Redaktionelle Anmerkung

Dieser Antrag ersetzt den Beschluss „Schlüsselqualifikation vermitteln“ der 18. Ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) vom 07.02.-09.02.97 in Leipzig

 

Es ist eine triviale Tatsache, dass sich der Lehrbetrieb an Schulen erheblich von dem der Hochschulen unterscheidet. Dies ist begründet durch die Intention der beiden Bildungsinstitutionen und ist durchaus sinnvoll, da die Schule einen Erziehungsauftrag erfüllt, wohingegen die Hochschule die Aufgaben der Wissensvermittlung und das Lehren des wissenschaftlichen Arbeitens innehat. Das Bindeglied der beiden Systeme stellt hierbei die gymnasiale Oberstufe dar, die den potenziellen Studenten auf das Studium vorbereiten soll.

 

Die Realität zeigt bei den Studienanfängern allerdings, dass die Oberstufe diese Aufgabe nicht erfüllt. So ist zur Zeit allgemeine Desorientierung an der Tagesordnung, welche unnötiges „herumstudieren“ zur Folge haben kann. Um diesen Missstand zu beheben fordert der LHG alle zuständigen Stellen auf, die Curricula so anzupassen, dass die gymnasiale Oberstufe wieder das Bindeglied zwischen Schule und Hochschule darstellt. Hierzu fordert der LHG die obigen Stellen auf, die folgenden Ziele und Maßnahmen in die Tat umzusetzen, namentlich in die Lehrpläne aufzunehmen:

 

Als vornehmliches Ziel ist hierbei die Erziehung der Schüler zu Selbstverantwortlichem und selbstbestimmtem Lernen und – wissenschaftlichen – Arbeiten zu nennen. Des weiteren muss schon den Schülern prospektives Denken vermittelt werden. Außerdem sind die sozialen Kompetenzen der Schüler zu fördern und deren Wichtigkeit für die Gesellschaft zu vermitteln. Im Universitätsbetrieb ist es auch unverzichtbar, sich aktiv zu Orientieren, das heißt selber aktiv zu werden um zum Beispiel Plätze in bestimmten Lehrveranstaltungen zu bekommen. Schließlich muss Leistungsbewusstsein vermittelt und gefördert werden.

 

Um dies durchzusetzen, fordert der LHG die zuständigen Stellen auf, zu gewährleisten, dass innerhalb der vorhandenen Fläche durch entsprechende Curricula oben genannte Schlüsselkompetenzen als zentraler Bestanteil vermittelt werden. Durch diese Maßnahme wird den zukünftigen Studierenden der problemlose Einstieg in das Hochschulstudium ermöglicht. Ein weiterer Vorteil dieses Modells ist, dass die Kassen geschont werden, da häufiges Wechseln des Studienfachs vermieden wird sowie überhöhte Studienzeiten reduziert werden können.

Studentische Existenzgründungen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen setzt sich für die Schaffung eines professionellen Institutes zur Förderung von studentischen Existenzgründungen ein.

Dieses Institut soll Bestandteil jeder Hochschule sein.

Angehörige des Institutes

Dem Institut sollen ehemalige Studenten (Alumnis), Vertreter der Handelskammern, ein wirtschaftliches Kuratorium und ein Lehrstuhl für Existenzgründung angehören. Dem wirtschaftlichen Kuratorium Praktiker angehören.

Aufgaben des Institutes für Existenzgründung

Durch Workshops, Planspiele und Fallstudien soll den Studenten der betriebliche Alltag eines Unternehmers nahe gebracht werden. Außerdem sollen die Studenten erfahren, ob sie sich selber als Gründer sehen. Die Seminare sollen als Wahlfach ins Lehrangebot integriert werden. Für Berufstätige soll ein Teilzeitstudium „Existenzgründung“ angeboten werden. In dem Institut soll ein Infopool aufgebaut werden, in dem sich der Student zu allen Fragen rund um die Existenzgründung informieren kann.

Finanzierung des Institutes für Existenzgründung

Die Finanzierung dieses Institutes soll durch staatliche Zuschüsse, Sponsoring, Spenden der Ehemaligen, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und Studiengebühren der bereits Berufstätigen Teilzeitstudenten finanziert werden.

Selbstbewertung der Hochschulen

Um einer staatlich verordneten Profilbildung der Hochschulen vorzubeugen, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen alle Hochschulen auf, eine intensive und konsequente Selbstbewertung durchzuführen. Diese Selbstbewertung soll ähnlich dem Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) for Education Excellence erfolgen. Bei einer konsequenten Anwendung dieses Modells erkennt die Hochschule ihre eigenen Stärken und Verbesserungspotentiale und kann so ein entsprechendes Profil herausbilden.

Für die Ermöglichung einer Profilbildung Spezialisierung der Universitäten

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) appelliert an die Universität, Schwerpunkte in ihrem Bildungsangebot zu setzen. Auf diese Weise ist es möglich landesweit hochqualifizierte Kräfte in Forschung und Lehre an einem Universitätsstandort zu bündeln. Auch können so die Finanzmittel effektiv zur Gestaltung der Lehre und Forschung sowie der optimalen Anpassung der Infrastruktur an die Bedürfnisse der neuen Schwerpunkte eingesetzt werden. Durch die Akzentuierung der Universitäten können außerdem alle Universitätsstandorte erhalten werden, da sich für jede Universität die Möglichkeit bietet eine andere Bildungsnische zu besetzen.

All dies ermöglicht eine bessere Orientierung in- und ausländischer Studenten auf dem deutschen Bildungsmarkt und gibt den deutschen Universitätsstandorten die Grundlage im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Des Weiteren wird auf diese Weise das Abwandern von Spitzenkräften und externen Kapital (Drittmittel, Forschungskooperationen und Auftragsforschung) ins Ausland verhindert.

 

Hochbegabtenförderung in der Ausbildung

In die Ausbildung von Lehrern, Lehrerinnen, Schulpsychologen und Erzieherinnen ist innerhalb des Studiums die Fragestellung, „Erkennen und Umgang“ mit hochbegabten Kindern aufzunehmen. Ferner ist aufgrund des ständigen Wechsels und Fortschritts in diesem Bereich der Besuch von weiterbildenden Seminaren während der Berufsausbildung, in periodisch wiederkehrenden Zeitabschnitten, wünschenswert.

Auswahlrecht und Dienstherrenschaft für Hochschulen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert das Auswahlrecht und die völlige Dienstherrenschaft für Hochschulen.

Daher fordern wir die Bundesregierung auf, das HRG nochmals zu novellieren.

Wir fordern die Bundestagsfraktion der F.D.P. auf, einen dahingehenden Entwurf zu erarbeiten und im Bundestag einzubringen.