Archiv der Kategorie: 19. Bundesmitgliederversammlung, Juni 1997 in Husum

Studium international

Im Zuge der vermehrt geforderten Mobilität der Studierenden im In- und Ausland fordert der LHG:

  1. a) Die Anerkennung von an anderen Hochschulen erbrachten Studienleistungen muß stark vereinfacht und zum Normalzustand werden. Dies soll den Studierenden ermöglichen, flexibel auf des Leistungsangebot ihrer Hochschule einzugehen und damit den Wettbewerb unter den Hochschulen zu steigern.

 

  1. b) Für Auslandsaufenthalte soll der Studierende schon vor dem Aufenthalt verbindlich wissen, unter welchen Bedingungen seine Leistungen anerkannt werden. Sind diese Leistungen einmal von einer deutschen Hochschule anerkannt, sollen sie einer in Deutschland erbrachten Leistung gleichwertig sein. Das Anerkennungsverfahren muß stark vereinfacht und beschleunigt werden. Eine höhere Anerkennungsquote ist dringend notwendig.
  2. c) Um deutschen Studierenden internationale Vergleichbarkeit zu erleichtern, soll jeder Studierende staatlich geschützte, qualifizierte Abschlüsse nach dem angelsächsischen System machen können (insbesondere Bachlor und Master degree). Entsprechende Abschlüsse aus dem Ausland sollen ohne bürokratische Hürden in Deutschland anerkannt werden.
  3. d) Das BMBF wird aufgefordert, die Ursachen und Gründe für den stetig sinkenden Anteil ausländischer Studierenden an deutschen Hochschulen zu erforschen und Abhilfe zu schaffen. Insbesondere sollen die deutschen Hochschulen für Studierende aus den USA und Südostasien attraktiver gemacht werden. Die internationale Verflechtung aller Bereiche der Hochschulen muß im Zuge der Internationalisierung zu einer herausragenden Aufgabe gemacht werden.

 

Auslandsaufenthalte und internationale Austauschprogramme sind verstärkt zu fördern

Das Studium ausländischer Studenten an deutschen Hochschulen soll durch Stipendien und Sprachkurse sowie fremdsprachige Lehrveranstaltungen — vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich — verstärkt gefördert werden.

Diese Lehrveranstaltungen sollen gemeinsam mit deutschen Studenten durchgeführt werden. Darüber hinaus sollten die Hochschulen allgemein Fremdsprachenkenntnisse stärker abverlangen.

 

landesweites Studierendenparlament

Der Bundesverband der LHG tritt ein für die Einrichtung landesweiter Studierendenparlamente auf gesetzlicher Grundlage. Die Länderparlamente entsenden Vertreter in einen Bundesrat der Studierenden. In diesem sollen alle deutschen Universitäten und Fachhochschulen gemäß ihrer Studentenzahl durch gewählte Delegierte vertreten sein. Das Parlament soll als Äquivalent zur Hochschul-rektorenkonferenz die Interessen der in Deutschland Studierenden gegenüber der Kultusministerkonferenz der Länder und dem Bundesbildungsministerium vertreten.

Ein detailliertes Konzept für dieses Gremium soll auf dem nächsten ProWo erarbeitet und anschließend vom Bundesvorstand mir den Vertretern der anderen bundesweit organisierten studentischen Gruppen abgestimmt werden.

Hochschulorganisation

Die Hochschulorganisation muß weiter im Hochschulrahmengesetz geregelt bleiben. Nur so ist der Gefahr einer Verregelung durch die Bundesländer Einhalt zu gebieten. Diese würde auf Wettbewerb der Bundesländer hinauslaufen. Um demgegenüber den Wettbewerb der Hochschulen zu erreichen, ist ein bundeseinheitlicher Organisationsrahmen erforderlich. Der LHG fordert deshalb, die Hochschulorganisation im HRG folgendermaßen zu regeln:

 

1) Rechtsstellung

Die Hochschulen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen. Sie haben das Recht der Selbstverwaltung im Rahmen der Gesetze.

 

2) Aufsicht

Das Land übt die Rechtsaufsicht aus. Die Mittel der Rechtsaufsicht werden durch Gesetz bestimmt. Eine über die Rechtsaufsicht hinausgehende Aufsicht ist unzulässig.

 

3) Organisationsgrundsätze

Die Hochschulen geben sich eine Verfassung. Die Hochschulleitung wird von den Mitgliedern der Hochschule gewählt.

 

 

Mitgliedschaft und Mitwirkung

Die Selbstverwaltung der Hochschulen muß gestärkt werden. Außerdem muß den Stundenten ein größeres Gewicht bei der Mitwirkung daran gegeben werden. Deshalb fordert der LHG Mitgliedschaft und Mitwirkungsgrundsätze folgendermaßen zu regeln:

 

1) Mitgliedschaft

Die Mitglieder der Hochschule sind die an der Hochschule nicht nur vorübergehend oder gastweise hauptberuflich Tätigen und die eingeschriebenen Studenten. Die Hochschulverfassung (nicht der Landesgesetzgeber!!!) regelt die Stellung der sonstigen an der Hochschule Tätigen sowie der Ehrenbürger und Ehrensenatoren.

 

2) Mitwirkung

Die Mitwirkung an der Selbstverwaltung ist Recht und Pflicht der Mitglieder. Hochschulmitglieder dürfen wegen ihrer Tätigkeit in der Selbstverwaltung nicht benachteiligt werden. Die Übernahme einer Funktion in der Selbstverwaltung kann nur abgelehnt werden, wenn wichtige Gründe dafür vorliegen.

Die Mitglieder eines Gremiums werden, soweit sie dem Geremium nicht kraft Amtes angehören, für eine bestimte Amtszeit bestellt oder gewählt; sie sind an Weisungen nicht gebunden. Sie haben durch ihre Mitwirkung dazu beizutragen, daß das Gremium seine Aufgaben wirksam erfüllen kann. Das Nähere über Rechte und Pflichten der Mitglieder regelt die Hochschulverfassung.

 

3) Gremien der Hochschulverwaltung

Art und Umfang der Mitwirkung sowie die zahlenmäßige Zusammenstezung der Gremien bestimmen sich nach der fachlichen Gliederung der Hochschule, den Aufgaben der Gremien sowei nach der Qualifikation, Funktion, Verantwortung und Betroffenheit der Mitglieder der Hochschule.

Das Verhältnis der Sitze und der Stimmen, über die die Gruppen (1) der Professoren, (2) der Studenten sowie (3) des akademischen Mittelbaus in den zentralen Kollegialorganen verfügen, ist durch die Hochschulverfassung zu regeln. Dabei sind Kollegialorgane grds. drittelparitätisch zu besetzen.

Die Kollegialorgane tagen in der Regel hochschulöffentlich. In begründeten Einzelfällen kann ein Gremium die Öffentlichkeit ausschließen.

 

4) Verfaßte Studentenschaft

An der Hochschule ist zur Wahrnehmung politischer, sozialer und kultureller Belange der Studenten sowie zur Pflege der überregionalen und internationalen Studentenbeziehungen eine Studentenschaft zu bilden. Die Studentenschaft verwaltet ihre Angelegenheiten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen selbst. Sie kann zur Erfüllung ihrer Aufgaben Beiträge erheben.

Die Studentenschaft untersteht ausschließlich der Rechtsaufsicht der Leitung der Hochschule und er zuständigen Landesbehörde.

 

Zulassung zum Studium

Den Hochschulen sind die Befugnisse zur Auswahl der Studenten weitgehend zu übertragen. Deshalb fordert der LHG:

 

1) Allgemeine Zulassungsvoraussetzungen

Jeder Deutsche im Sinne des Art. 116 GG sowie aller EU-Bürger ist zu dem von ihm gewählten Hochschulstudium berechtigt, wenn er die für das Studium erforderliche Qualifikation nachweist. Der Nachweis wird für den Zugang zu einem Studium, das zu dem ersten berufsqualifizierenden Abschluß führt, entweder durch den erfolgreichen Abschluß einer auf das Studium vorbereitenden Schulbildung (Abitur oder eines entsprechenden Bildungsabschlusses) oder durch den Nachweis einer Qualifikation in der beruflichen Bildung erbracht. Die derzeitige Formulierung im HRG über die Widerruflichkeit der Einschreibung (§28) soll erhalten bleiben.

 

2) Auswahlrecht der Hochschule

Die Hochschule allein wählt ihre Studierenden aus. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) wird damit funktionslos.

Die Hochschule vergibt die Studienplätze nach pflichtgemäßen Ermessen in einem von ihr gewählten Auswahlverfahren.

 

Prüfungen

Der LHG fordert eine Reform des Prüfungswesens in folgender Weise:

 

1.) Zwischenprüfung

 

Zwischenprüfungen können studienbegleitend stattfinden. Ihr Bestehen ist Vorraussetzung für die Fortsetzung des Studiums. Sie können zweimal wiederholt werden.

 

2) Hochschulabschlußprüfung

Die Hochschulabschlußpfrüfung soll, soweit die Art des Studiengangs dies erlaubt, in Abschnitte geteilt sowie durch Anrechnung studienbegleitender Leistungsnachweise entlastet werden. Eine Freischußregeluing wird für alle Studiengänge eingeführt.

 

3) Internationale Vergleichbarkeit

Um dem internationalen Wettbewerb standzuhalten und internationale Vergleichbarkeit herzustellen sind folgende Maßnahmen zu treffen:

Den Hochschulen sollte die Möglichkeit gegeben werden, den „bachelor“ als ersten berufsqualifizierenden Abschluß anzubieten. Dabei sollte der qualitative Inhalt dieses „bachelor“ international vergleichbar sein aber deutlich vom jetzigen Vordiplom abgegrenzt werden.

Ferner ist im Zusammenwirken von Hochschulen und zuständigen staatlichenStellen zur Akumulation und zum Transfer von Studien- und Prüfungsleistungen sowohl des Präsenz- wie des Fernstudiums ein Leistungspunktsystem („credit-point-system“) zu schaffen.

 

Wissenschaftliches und künstlerisches Personal

Der LHG fordert eine grundsätzliche Reform des Personalwesens der Hochschulen. Insbesondere ist das HRG in folgenden Punkten zu ändern:

 

1) Rechtsstellung des Hochschulpersonals

Das nähere regelt Landesrecht.

 

2) Einstellungsvoraussetzungen und Berufung von Professoren

Die für die Ersteinstellung als Professor erforderlichen besonderen wissenschaftlichen Leistungen werden entweder durch Habilitation oder durch gleichwertige wissenschaftliche Leistungen, die auch in einer Tätigkeit außerhalb des Hochschulbereichs erbracht sein können, nachgewiesen.

Professoren werden von der Hochschule eigenverantwortlich berufen. Dabei können die Mitglieder der eigenen Hochschule nur in begründeten Ausnahmefällen berücksichtigt werden.

 

Lehrleistungen gerechter entlohnen

Ein Grund für lange Studienzeiten an Hochschulen sind häufig auch schlechte Leistungen der Dozenten oder deren mangelndes Engagement in der Lehre. Um Anreize zu einer Verbesserung in diesem Bereich zu setzen, bedarf es einer leistungsgerechteren Bezahlung insbesondere der Professoren an Universitäten und Fachhochschulen.

Deshalb fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen

  • die Abschaffung des Beamtenstatus der Professoren und damit des starren Besoldungsrechts,
  • regelmäßige Lehrevaluation sowohl durch Studierende, als auch durch außeruniversitäre, unabhängige Gremien,
  • Gehaltsabzüge für die Professoren bei mangelhaftem Engagement in der Lehre.

Die Wiedereinführung des Kolleggeldes lehnt der LHG dagegen ab. Eine Entlohnung nach Zahl der Vorlesungs- oder Übungsteilnehmer ist nicht leistungsgerecht, da es oft an Alternativen zu der entsprechenden Veranstaltung mangelt. Zudem würden so Bemühungen vieler Fakultäten, Lehrveranstaltungen wegen der Masse an Teilnehmern mit Hilfe von erhöhtem Einsatz der Lehrenden zu teilen, konterkariert werden.

Hochschulzugang

Im Rahmen des geforderten Wettbewerbs und stärkeren Profilierung der Hochschulen untereinander begrüßt der LHG die Möglichkeiten der Hochschulen, sich einen Teil ihrer Studierenden selbst auszusuchen. Der LHG fordert aber, daß weiterhin mindestens 50% der Studienplätze an einer Hochschule über das bisherige System Abiturnote/ Wartezeit vergeben werden. Um wirklich einen Wettbewerb zu ermöglichen, muß die Ausgestaltung den einzelnen Hochschulen in Eigenregie überlassen bleiben. Einzig eine Zulassung aufgrund einer gewichteten Abiturnote /z.B. Durchschnitt aus Abiturnote und Deutschnote für entsprechende Studiengänge) leht der LHG ab. Dieses Verfahren ist auf alle Fächer anzuwenden. Die ZVS ist im Zuge der Dezentralisierung und Kompetenzabgabe an die Hochschulen abzuschaffen.