Archiv der Kategorie: 18. Bundesmitgliederversammlung, Februar 1997 in Leipzig

Wahlverfahren für Sekundarschule ändern!

Die Möglichkeit der Erziehungsberechtigten, nach der Primarstufe alleine zu bestimmen, welche Schulform ihr Kind besuchen soll, führt oft zu nicht zu vertretbaren Ergebnissen. Kinder, denen von ihren Begabungsschwerpunkten her eher der Besuch einer Haupt- oder Realschule empfohlen werden sollte, werden von ehrgeizigen Eltern allzu häufig für Gymnasien angemeldet. Auch der umgekehrte Fall ist nicht selten: Für eine gymnasiale Schulbildung befähigte Kinder werden auf Drängen der Eltern auf andere Schulformen geschickt.

 

Deswegen fordert der LHG:

 

– Die Eignung der Kinder soll alleiniges Merkmal sein, nach dem bestimmt wird, welche weiterführende Schule sie besuchen sollen. Primarstufenlehrern soll aufgrund ihrer Erfahrung das Recht gegeben werden, eine Empfehlung für die zu wählende Schulform abzugeben. Im Normalfall soll das Kind dann eine solche Schule besuchen. Haben die Eltern Bedenken gegen die Empfehlung der Lehrer, bleibt ihnen das Recht, bei der Schulbehörde Widerspruch zu erheben. Die Empfehlung ist dann von einem Schulpsychologen zu überprüfen. Das letzte Wort in der Schulwahl bleibt jedoch den Erziehungsberechtigten.

 

– Durch unterschiedliche Entwicklungsschnelligkeit kommt es dazu, daß bei manchen Kindern die Befähigung zum Besuch bestimmter Schulformen erst später erkennbar wird. Deswegen ist unbedingt eine erhöhte Durchlässigkeit des Schulsystems anzustreben

Schlüsselqualifikationen vermitteln

Redaktionelle Anmerkung

Dieser Antrag wurde durch den Beschluss ‚Für eine verbesserte Vorbereitung auf das Hochschulstudium‘ der 24. ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) von 04.02.2000 bis 06.02.2000 in Siegen ersetzt.

 

Eine der Aufgaben der Schulen mit gymnasialer Oberstufe ist die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf ein Studium. Trotz einer begrüßenswerten Besinnung auf vermehrte Vermittlung von Grundlagenwissen ist an der hohen Studienabbrecherquote zu erkennen, daß Schulen ihrer Aufgabe, auf ein Hochschulstudium vorzubereiten, nur unzureichend nachkommen. Zum anderen haben die Schulen durch den Wandel in den familiären Strukturen in den letzten zunehmend erzieherische Aufgaben übernommen.

 

Deswegen fordert der LHG:

 

– Primäre Aufgabe der Schulen ist und bleibt die Wissensvermittlung. Wissensvermittlung bedeutet aber nicht bloßes „Einpauken“ von Lehrinhalten, sondern vielmehr vernetztes, intelligenzförderndes Lernen.

 

– Die Schule soll durch zusätzliche freiwillige Angebote ihrer sozialen Rolle gerecht werden. Sie kann dadurch zum Lebensraum werden, in dem Schülerinnen und Schüler soziale Kompetenzen erlernen, die ihnen in ihrer Familie umständehalber nicht vermittelt werden können.

 

– Eine Hauptaufgabe der Schulen besteht auch darin, Lernen zu lehren. In den gymnasialen Jahrgangsstufen sollte Wert auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt werden, somit Grundfertigkeiten für ein Hochschulstudium vermittelt werden.

– Schulen müssen eine vernunftbestimmte Studienfachwahl der Schülerinnen und Schüler fördern. Dies kann durch Exkursionen zu Hochschulen, durch ein „Schnupperstudium“ oder durch in den Schulen gehaltene Kurse von Hochschullehrern geschehen (finnisches Modell).

 

– Schulen müssen ihre Schülerinnen und Schüler auf die neuen Informationstechnologien, deren Chancen und Risiken, vorbereiten. Dies kann durch ein neues Lehrfach „IT“ geschehen.

Kein Rentenbeitrag für Studierende

 

Der LHG spricht sich gegen die Rentenbeitragspflicht für Studierende ab 610,- DM aus.

 

Studierende sollen erst ab einem monatlichen Verdienst in Höhe von 1500,- DM zur Rentenbeitragspflicht herangezogen werden.

 

Ab einem Verdienst in Höhe von 610,- DM sollen sie wählen können, ob sie in die Rentenkasse einzahlen wollen oder nicht.

 

Die Ablehnung eines Arbeitsplatzbewerbers, der freiwillig in die Rentenkasse einzahlen will – mit der Folge, daß der Arbeitgeber den Arbeitgeberbeitrag anteilig zahlen muß – soll gesetzlich verboten werden, wenn er andernfalls die Stelle bekommen würde.

Kein Allgemeinpolitisches Mandat für Allgemeine Studierendenausschüsse

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) lehnt die hochschulgesetzliche Einführung eines sog. allgemeinpolitischen Mandats für Allgemeine Studierendenausschüsse (Asten) als nicht mit den Freiheitsrechten eines jeden einzelnen Studierenden vereinbar ab. Der LHG spricht sich deshalb gegen die Pläne von einigen Landesgesetzgebern aus, den Asten explizit in den Hochschulgesetzen die öffentliche Äußerung zu gesellschaftlich relevanten, über den unmittelbaren Hochschulbezug hinausgehenden Themen zu gestatten.

Kritik an hochschulpolitischen Vorschlägen der F.D.P.

  1. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) begrüßt, daß die F.D.P. die Bildungspolitik zu einem ihrer politischen Schwerpunkte machen will und durch ihren Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt ein erstes Diskussionspapier „Für eine Bildungsstrukturreform in Deutschland“ vorgelegt hat.
  2. Der LHG begrüßt, daß das Papier langjährige Forderungen des LHG u. a. nach mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen, einer größeren Autonomie der Hochschulen und einer ständigen Evaluation von Lehr- und Forschungsleistungen aufgreift.
  3. Der LHG bedauert, daß keine Vorschläge zur dringend notwendigen Reform der Ausbildungsfinanzierung gemacht werden.
  4. Der LHG lehnt die Forderung Gerhardts, bereits nach dem zweiten Semester obligatorisch Leistungsnachweise zu verlangen, ab. In Zeiten einer miserablen Betreuung in den Anfangssemestern scheitern viele Studierende oft schon deshalb an den ersten Hürden des Studiums, weil sie noch gar nicht wissen, ob sie wirklich ein für sich geeignetes Fach studieren. Hilfe (durch Betreuung) statt Strafe (Zwangsexmatiikulation) muß hier die Devise lauten.
  5. Der LHG spricht sich gegen die Forderung nach Studiengebühren für Studierende aus, die die Regelstudienzeit deutlich überschreiten. Hier handelt es sich um eine Zwangs-maßnahme, die die individuelle Lebenswirklichkeit vieler Studierender nicht berücksichtigt. Der LHG wirbt dagegen erneut für ein System modularer Studiengänge, daß dem Grundsatz des lebenslangen Lernens Rechnung trägt und den Begriff der „Langzeitstudierenden“ obsolet werden läßt.
  6. Der LHG hält das vorgelegte Diskussionspapier in bezug den Beamtenstatus der Professoren und auf die Problematik des Studienzugangs für noch nicht weitgehend genug. Der LHG fordert die Abschaffung des Beamtenstatus‘ für Hochschullehrer und der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS).