Archiv der Kategorie: 12. Bundesmitgliederversammlung, Januar 1994 in Hamburg

Hochschulzugang

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen hält es im Rahmen der angestrebten Autonomisierung der Hochschulen (durch Globalhaushalte, eigene Profilgebungsmöglichkeiten, etc.) für geboten, das Verfahren für die Zulassung der Studierenden an den Hochschulen flexibler zu gestalten. Eine eigenständige Profilgebung der Hochschulen muß auch die Auswahl der Studierenden beinhalten, damit ein kreativer Wettbewerb stattfinden kann. Dieses setzt allerdings voraus, daß die Hochschulen der Studierenden tatsächlich bedürfen (über Mittelzuweisungen auf Grund der Studierendenzahlen, Absolventen, Studierenden in der Regelstudienzeit oder ähnlicher Kriterien), damit keine „Forschungsuniversitäten“ oder ähnliche Auswüchse entstehen. Wenn die Hochschulen sich aber um die Studierenden bemühen müssen, ist es auch logisch, daß sie bei einer die Kapazitäten überschreitenden Bewerberzahl wegen ihres guten Rufes eine Auswahl vornehmen müssen. Dieses Auswahlverfahren darf der Hochschule nicht vom Staat vorgeschrieben werden, sondern muß sich nur an den allgemeinen Rechtsgrundsätzen (Gleichheitsgrundsatz etc.) messen lassen.

Mögliche Verfahren wären zum Beispiel:

 

  • lokaler NC,
  • gewichteter NC,
  • Auswahlgespräche,
  • Bewerbungsschreiben,
  • Tests (wie Medizinertest),
  • Mischformen der oben genannten Verfahren,
  • örtliche Aufnahmeprüfungen.

 

Der Vorteil wäre, daß die Studienplatzbewerber sich nicht mehr einem vereinheitlichenden Verfahren (dessen Gerechtigkeit und Objektivität nur hypothetisch sein kann) unterwerfen müssen, sondern die Chance bekommen, ihre persönlichen Stärken im Wettbewerb um einen Studienplatz ihrer Wahl einzusetzen.

Wettbewerbsverzerrungen über das bisher bestehende Maß sind nicht zu erwarten, da die Hochschulen zum einen auf einen guten Ruf und auf die Studienplatzbewerber angewiesen sein werden, zum anderen aber auch noch an die gesetzlichen Rahmengesetzgebungen gebunden sind. Unrealistische Anforderungen an die Studienplatzbewerber können sich für die Hochschule auch nicht rechnen, da sie einen hohen Personal- und Kostenaufwand auf Seiten der Hochschule verursachen würden.

 

Der politische Liberalismus setzt ein Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte des Wettbewerbs und in die Vernunft der Verantwortlichen voraus.

Bei einer realistischen Prognose ist davon auszugehen, daß keine Hochschule Zulassungsverfahren über Kartenlegen, Pendeln, Vogelschau, Geburtsdaten oder Haarfarbe einführen wird. Die gesetzlichen Vorgaben schützen die Bewerber ausreichend vor Diskriminierungen durch das Grundgesetz.

Man muß bei diesem Modell immer im Auge behalten, daß es nur im Kontext der Autonomie der Hochschulen und des Wettbewerbs um Studierende verstanden werden darf. Auswahlverfahren ohne die Kopplung der Mittelzuweisungen an die Ausbildungseffizienz würden zu keiner Verbesserung führen.

Teilzeitstudium

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert alle Verantwortlichen auf, das Vorhandensein anderer Studienformen, als der des Vollzeitstudiums endlich zu akzeptieren und ihr Verhalten entsprechend zu ändern.

Es ist inzwischen allgemein anerkannte Tatsache, daß das herkömmliche Vollzeitstudium an deutschen Hochschulen nicht mehr die alleinige Studienform ist. In einigen Studiengängen ist das Vollzeitstudium sogar weitgehend vom Teilzeitstudium in vielfältigen Erscheinungsformen abgelöst worden. Dieser Trend ist unumkehrbar geworden. Hierfür ist von zwei Begründungsgruppen auszugehen:

 

  1. Das Studium verlängert sich aus sozialen Gründen. Hierzu zählen der Zwang zur Erwerbstätigkeit, die Betreuung von Angehörigen und eigene Krankheit.

 

  1. Das Studium verlängert sich, weil die Studierenden neben ihrem eigentlichen Studium Zusatzqualifikationen anstreben oder sich gesellschaftlich engagieren.

 

Der LHG hält spezielle Angebote und Hilfen für diesen Personenkreis zur Zeit nicht für erforderlich. Es ist unserer Meinung nach notwendig, Änderungen in der Organisation von Studium und Prüfungen vorzunehmen, die den Teilzeitstudierenden die Arbeit erleichtern und gleichzeitig eine Verbesserung für alle darstellen. Hierzu zählen im einzelnen:

 

  • längere Öffnungszeiten in Bibliotheken, Rechenzentren und anderen studienrelevanten Einrichtungen der Hochschulen
  • Verzicht auf verbindliche Prüfungszeitpunkte
  • Verzicht auf Koppelung verschiedener Prüfungen aneinander
  • weitgehender Verzicht auf Prüfungsvorleistungen.

 

Die Einführung eines speziellen Teilzeitstudierendenstatus lehnt der LHG als unnötig und diskriminierend ab! Im Ausland existierende Modelle sind wegen der gravierenden Unterschiede zum deutschen Hochschulsystem nicht übertragbar.

E-Mail

  1. Alle Mitgliedsgruppen werden gebeten, sich einen email-account zuzulegen und die Adresse dem Bundesvorstand mitzuteilen.
  2. Die Landesverbände werden gebeten, einen email-Beauftragten zu benennen, der den email-Verkehr landesweit koordiniert.
  3. Der Bundesvorstand wird aufgefordert,
  4. sich eine email-Adresse zuzulegen
  5. die email-Kommunikation zwischen den einzelnen Ländern zu koordinieren
  6. in Zusammenarbeit mit den email-Beauftragten der Landesverbände ein bundesweites Adressenverzeichnis zu erstellen, auf aktuellem Stand zu halten und an die Mitgliedsgruppen weiterzuleiten
  7. den email-Verkehr zumindest teilweise für Gruppen ohne email zu dokumentieren
  8. in einem Merkblatt zu erklären, wie man email bekommen kann