Archiv der Kategorie: 09. Bundesmitgliederversammlung, Juni 1992 in Berlin

Hochschulzugangsberechtigung

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) lehnt eine Vergabe der Hochschulzugangsberechtigung auf alleiniger Grundlage der Abiturnote (Numerus Clausus) ab.

 

Die Zulassungsberechtigung zu einem Studiengang muß entweder jedem Studienberechtigtem zustehen, oder durch Eignungsprüfungen nachgewiesen sein, sofern die Situation an der jeweiligen Hochschule eine Zulassungsbeschränkung erfordert.

 

Wenn die Situation an einer Hochschule eine Zulassungsbeschränkung erfordert, muß dies durch Eignungsprüfungen geregelt werden oder durch ein Verfahren, das die Ergebnisse eines Eignungstestes mit der Abiturnote koppelt.

 

Diese Notwendigkeit ergiebt sich aus folgendem:

 

  • Die Anforderungen an das Abitur sind in den Bundesländern zu unterschiedlich.

 

  • Selbst in einem Bundesland, ja sogar in einer Stadt, sind die Abiturnoten von Gymnasium zu Gymnasium mitunter sehr verschieden.

 

  • Das Abitur in seiner augenblicklichen Form ist kein Garant für eine Vorbildung, die ein Studium an einer Hochschule erfordert.

 

  • Eine Einführung des Wettbewerbs zwischen den Hochschulen kann nicht auf ein individuelles Zulassungssystem verzichten.

Wiedereinstiegsstipendien

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) begrüßt die Intention der Wiedereinstiegsstipendien des Hochschulsonderprogramms II. Diese erfordern aber in der Regel eine Promotion als Voraussetzung. Da typische Frauen-Biographien diese aber nicht vor einer Familienpause erreichen, wird das Programm nur sehr schleppend abgerufen.

 

Das Programm geht somit zum Teil an den Notwendigkeiten der Frauenforderung vorbei. Dies ist umso bedauerlicher, als der Schlüssel zur Verbesserung des Frauenanteils am wissenschaftlichen Personal in der Förderung des weiblichen Nachwuchses liegt.

 

Der LHG fordert daher die vollständige Öffnung des Wiedereinstiegsstipendienprogramms für Promovierende.

Wahlbeteiligung

Um die Wahlbeteiligung an den Hochschulwahlen zu erhöhen, setzt sich der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen dafür ein, daß:

 

  1. die Wahlen zu den Gremien der Hochschulen und Universitäten mit der Rückmeldung verbunden werden. Sofern möglich sollen die Wahllisten mit den Rückmeldeformularen verschickt werden. Anderenfalls sollten sie zum Rückmeldetermin postalisch an alle Stimmberechtigten verteilt werden. Wahlurnen, wie auch die Urnen für die Rückmeldungen, sollen am selben Ort stehen, um die Stimmabgabe so weit wie möglich zu erleichtern.

 

  1. prinzipiell eine Briefwahl ermöglicht wird.

Urwahl Rektor/PräsidentIn

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert, daß die RektorINNen bzw. PräsidentINNen der Universitäten und Hochschulen in Zukunft in Urwahl von den Mitarbeitern und den Studierenden mit gleichen Stimmen gewählt werden. Mit dieser Maßnahme soll die studentische Selbstverwaltung, wie auch die Demokratie an den Hochschulen gestärkt werden.

Studi-Ticket

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) setzt sich für die Einführungen von Studierenden-Semester-Fahrkarten (Studi-Ticket) ein. Folgende Bedingungen müssen, an den jeweiligen Hochschulstandort angepaßt, als Basis eines solchen Konzeptes dienen, um die Akzeptanz innerhalb der Studierendenschaft zu gewährleisten:

 

  1. Das Studi-Ticket muß für die Studierenden eine erhebliche Verbilligung des ÖPNV bedeuten. Der Preis eines Studi-Tickets (pro Semester & Großbereich) darf nicht höher liegen als der Preis einer bisherigen Studenten-Monatskarte.

 

  1. Das Studi-Ticket muß für den gesamten Großbereich ohne tageszeitliche Begrenzung gelten. Es muß weiterhin auch an den Wochenenden und in den vorlesungsfreien Zeiten gültig sein.

 

  1. Die Einführung des Studi-Tickets muß, unter Berücksichtigung der am Hochschulstandort herrschenden Bedingungen, einhergehen mit:

 

  • der Ausweitung der Verkehrsverbünde auf die Randgemeinden, weil viele Studierende gezwungen sind, sich außerhalb der Ballungszentren Wohnungen zu suchen

 

  • dem Ausbau von mit Studi-Tickets kostenlosen Park+Ride-Plätzen und Bike+Ride Plätzen in den Außenbezirken

 

  • der Verbesserung der Anbindung der Hochschulen an das Gesamtnetz

 

  • der Anpassung der Taktfrequenzen an die steigende Zahl der studentischen Nutzer

 

  • sollte zur Finanzierung des Studi-Tickets eine Parkraumbewirtschaftung unumgänglich sein, halten wir dies für akzeptabel.

Schwulenpolitik an Hochschulen

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) setzt sich für die gesellschaftliche Integration Homosexueller ein und unterstützt auch die Interessen schwuler Studenten. Im Einzelnen heißt das:

 

  1. Schaffung einer Infrastruktur für schwule Studenten

 

Schwulen- und Lesbenreferate und schwule Initiativen könen zur Information der Studierenden über Homosexualität beitragen und so Vorurteile abbauen. Sie sind Anlaufpunkt und Infopool für die Emanzipationsarbeit schwuler Studenten, sind Kommunikationsforum, leisten Kulturarbeit an der Hochschule und bieten Hilfen zum Coming Out.

Eine solche Infrastruktur entspricht den Bedürfnissen schwuler Studenten und erfüllt eine sinnvolle gesellschaftliche Aufgabe.

Deshalb fordern wir:

  • Wo sie noch nicht existieren, sollen Schwulenreferate eingerichtete werden.
  • Schwule Initiativen sollen durch die Organe der Verfaßten Studierendenschaft finanziell und ideell unterstützt werden.
  • Wo es die Raumsituation zuläßt, soll ein Raum an der Hochschule als schwules Kommunikationszentrum eingerichtet werden.

 

  1. Thematisierung von Homosexualität in der Wissenschaft

 

Die verstärkte Thematisierung von Homosexualität als Forschungs- und Lehrgegenstand an der Universität ist sinnvoll,

  • weil es auch ein praktisch wertvoller Beitrag zum Erkenntnisfortschritt der jeweiligen Wissenschaft wäre, die spezifische Situation von homosexuellen Menschen im Kontext des jeweiligen Wissenschaftsgebiets zu erforschen und zu lehren,
  • weil die wissenschaftliche Behandlung des Themas zur gesellschaftlichen Enttabuisierung beitragen kann und
  • weil so schwule und lesbische Wissenschaftler/innen ermutigt werden, für sie spezifisch relevante Fragestellungen wissenschaftlich zu bearbeiten.

 

Deshalb fordern wir:

  • Fachlich relevante Aspekte der Homosexualität sollen verstärkt in Seminaren, Hausarbeiten und Diplomarbeiten thematisiert werden. Sinnvoll ist eine solche thematische Integration insbesondere in sozial-, kultur-, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen sowie im Lehramtsstudium.
  • Bei der Forschungsförderung sind Projekte zur Homosexualität gleichberechtigt und angemessen zu behandeln.
  • Interdisziplinäre Forschungsstellen zur Homosexualität sind zu begrüßen. Die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit, eine solche einzurichten, ist an der jeweiligen Hochschule zu prüfen.

Recycling

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) setzt sich für die Einrichtung von ‚Recycling-Labors‘ und ‚Recycling-Praktika‘ in der anorganischen Chemie ein.

 

In diesem Praktikum werden die anorganischen Gemische, die in den anderen Praktika anfallen, wieder getrennt und recycelt.

 

Die so rückgewonnenen Grundstoffe können dann wieder den Labors zugeführt werden.

 

Dadurch kann die Sondermüllmenge deutlich verringert werden.

Prostitution

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert angesichts der Tatsache, daß auch Studierende z.T der Prostitution nachgehen die Legalisierung der Prostitution als berufliche Tätigkeit mit den daraus folgenden Konsequenzen:

 

  1. Wegfall der Sittenwidrigkeit,
  2. Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung (somit keine notwendige private Versicherung), Arbeitslosenversicherung(z.B. Recht auf Umschulung), Rentenversicherung,
  3. Wegfall der Sperrbezirke.

Konversion

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) hält in strukturschwachen Gebieten universitäre Einrichtungen für eine wichtige strukturpolitische Stütze. Besonders die Hochschulstandorte, die von der Konversion betroffen sind, brauchen nun eine entschlossene Unterstützung.

 

Daher fordert der LHG, daß freiwerdende Militärgebäude und -gelände bevorzugt kostengünstig den Hochschulen zur Verfügung gestellt werden.

 

Das bürokratische Hick-Hack, das bisher um die Freigabe der Militärgelände entstanden ist, lehnt der LHG entschieden ab.

 

Der LHG wehrt sich dagegen, daß auf Kosten der Hochschulen ein unendliches Kompetenzgerangel um wichtiges Ausbaugelände betrieben wird.

Fremdsprachen

Die zunehmende Internationalisierung sowie die Vollendung des europäischen Binnenmarktes machen die Verbesserung der Fremdsprachenausbildung an den deutschen Hochschulen notwendig.

 

Um der großen Nachfrage nach Sprachkursen gerecht zu werden, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen den Ausbau der Fremdsprachenvermittlung an den Hochschulen.

Hierzu ist eine verbesserte finanzielle Ausstattung der Sprachzentren und die Schaffung zusätzlicher Stellen für qualifizierte Lektoren, vor allem in den europäischen Sprachen,unerläßlich.

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen hält in diesem Zusammenhang die Vereinheitlichung der Zertifizierung von Sprachkenntnissen an den Hochschulen für notwendig, um einerseits einen Anreiz zur engagierten Teilnahme an Sprachkursen und andererseits die Gleichwertigkeit der Sprachausbildung an den Hochschulen zu gewährleisten.

 

Versuche wie das von dem Arbeitskreis der Sprachzentren (AKS) entwickelte Modell ‚UNICERT‘ sind hierbei ein Schritt in die richtige Richtung und sollte daher an den Hochschulen realisiert werden.

 

Demnach sollte es den Studierenden ermöglicht werden, in einem ca. 3-semestrigen Intensivkurs in Schule oder Grundschule erworbene Sprachkenntnisse auszubauen, daß ihm/ihr der Besuch einer entsprechenden ausländischen Hochschule ermöglicht wird. Dies wird durch ein Zertifikat bei erfolgreicher Teilnahme bestätigt.

 

In einem längerfristigen Konzept sollten europaweite Regelungen gefunden werden, durch die ein solches Zertifikat als ausreichender Nachweis der Sprachkenntnisse z.B. bei der Immatrikulation an einer ausländischen Hochschule anerkannt wird. Ein solches Konzept sollte ergänzend zu bereits bestehenden Qualifizierungsnachweisen gesehen werden.