Archiv der Kategorie: 07. Bundesmitgliederversammlung, Juni 1991 in Göttingen

Auf dem Weg in den Wettbewerb

Wettbewerbsinitiative Hochschullehre

 

Um die in der Lehre noch vorhandenen Reserven zu wecken, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) eine Wettbewerbsinitiative für die Hochschulen. Zur Durchführung sind die dringend für einen Abbau der Überlast nötigen Mittel einzusetzen, wie sie inzwischen von KMK und HRK gefordert werden. Kernpunkte dieses Programmes sollen Information, Autonomie und Anreizmechanismen sein. Ansatzpunkte des Wettbewerbsmechanismus sollen neben den Hochschulen direkt die Institute und Dozenten sein.

 

Gestuftes Informationssystem

 

Information ist für einen Wettbewerb eine entscheidende Voraussetzung. Um dem Studierenden die Entscheidung der Studienortwahl zu erleichtern, ist ein dreistufiges Informationssystem Hochschulwahl zu installieren:

In einer frühen Phase wird ein zukünftiger Studierender eine Vorauswahl der Hochschulen treffen wollen. Dazu kann im allgemeinen ein Handbuch des Arbeitsamtes über alle Berufe auch eine kurze Darstellung der Hochschulen mit Generalinformationen wie Größe des Lehrangebotes, Gestaltung des Campus, Überlastsituation, Ausstattung etc. enthalten.

In einer zweiten Phase kann der zukünftige Studierende sich dann zu einem Fachbereich schon jetzt durch die Broschur des Arbeitsamtes informieren. Diese Broschur muß um eine Kurzdarstellung der Besonderheiten eines Fachbereiches an einer speziellen Hochschule ergänzt werden. Dazu sollen insbesondere der Umfang des Vorlesungsangebotes, die Eingangsbedingungen, die Einrichtungen der Fakultät und die Betreuungsrelation gehören. Zusätzlich ist eine Seite zur Selbstdarstellung der Fakultät vorzusehen.

In einer dritten Stufe sollen Messen eines bestimmten Fachgebietes bundesweit durchgeführt werden. Solche Messen sind für die Studierenden als Informationsquellen besser geeignet als gelegentliche Tage der offenen Tür, bei denen man sich meist nur die Hochschulen in der Nähe anschauen kann. Sie unterstützen die Studienortentscheidung und Studienortswechsel.

Neben dieses Informationssystem Hochschulwahl müssen hochschulinterne Informationssysteme treten. In diesen werden durch Vorlesungsbefragungen, Selbst- und Kollegenevaluation der Professoren deren Lehrleistungen dokumentiert. Ein weiteres Informationssystem soll die Studienorganisation und die Kritik an dieser dokumentieren und ein drittes internes Informationssystem ist zuständig für die Bewertung der Ausstattung der Hochschule sowie deren Verbesserung.

 

Autonomie und Regelung

 

Ohne die Entscheidungskompetenz der Marktteilnehmer kann eine stärker wettbewerbsorientiertes Hochschulsystem natürlich nicht funktionieren. Die Hochschulen müssen ein eigenes Profil entwickeln können, um im Wettbewerb zu bestehen. Dazu müssen sie in der Lage sein,

  • über ihre Haushaltsmittel in weiten Grenzen frei zu verfügen
  • die zu ihrem Profil passenden Studierenden auszuwählen
  • innovative Studienangebote und ‑pläne unbürokratisch zu realisieren.

Zur Realisierung dieser Maßnahmen ist ein Rückzug der Bundesländer aus der bürokratischen Regelung des Hochschulwesens erforderlich. Die Finanzierung der Hochschulen muß langfristig im Drittelmix von zweckgebundenen, strukturgebundenen und freien Haushaltsmitteln erfolgen. Die Einstellung von Hochschullehrern und die Genehmigungspraxis von Studienplänen obliegen weiterhin den Ländern, genauso wie die Anstrengungen zur Förderung der Lehre. Hier können die Bundesländer durch strukturbezogene Mittel ( z.B. für die Herstellung von Skripten, für die Neueeinrichtung von Tutorien etc. ) Einfluß üben. Weiteren Lenkungsspielraum können die Länder über die Ausgestaltung der Anreizmechanismen nehmen.

Es muß die Möglichkeit geschaffen werden, Studiengänge nach vier, sechs und acht Semestern mit vollwertigen Abschlüssen anzubieten.

 

Anreizmechanismen

 

Um den Wettbewerb um Studierende anzuregen, fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) die Einführung eines Bildungsgutscheinsystems. Abhängig von dem Aufkommen an Gutscheinen werden einer Hochschule Finanzmittel zugewiesen. Diese Finanzmittel sollten sinnvollerweise nicht zweckgebunden sein.

Die Höhe des Zuweisungsbetrages muß von Studienfach und Semester des Studierenden abhängen: So werden einerseits aufwendige Fächer nicht benachteiligt, andererseits besteht ein starker Anreiz zur Studienzeitverkürzung.

Eine Stiftung, von Bund, Ländern und Wirtschaft finanziell getragen, soll unter Einbeziehung der Studierenden besonders gelungene Konzepte und Einzelleistung in der Lehre fördern. Diese Stiftung soll von ihrer Ausstattung und Arbeitsweise den Stiftungen für die Forschung entsprechen.

Den Fachhochschulen ist die durch einen verstärkten Ausbau die Möglichkeit zu geben, sich zu engagieren. Das Symptom der Überfüllung der Fachhochschulen läßt die Vorteile der FH’s derzeit nicht voll zur Geltung kommen.

Die Lehre muB für das Prestige des einzelnen Hochschullehrers eine größere Rolle spielen. Dazu sind die Leistungen in der Lehre beim Gehalt und bei den Berufungen zu berücksichtigen; als Bewertungskriterium sollte dabei das hochschulinterne Informationssystem dienen. Weiterhin sind besondere Lehrleistungen durch die Ausschreibung von Preisen besonders zu würdigen. Die venia legendi soll in Zukunft den Nachweis einer entsprechenden pädagogischen und didaktischen Ausbildung voraussetzen.

 

Wege in den Wettbewerb

 

Die bundesdeutsche Hochschulen bilden ein sehr komplexes System. Es ist daher ratsam, vorsichtig vorzugehen. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) schlägt daher vor, die Wettbewerbsinitiative auf breiter Front bald zu beginnen, aber die einzelnen Maßnahme vorsichtig einzuführen. Nach jeder Phase ist ein gründlich Bewertung und Reflexion nötig. Im einzelnen bedeutet dies:

 

Kurzfristig

 

  • bevorzugte Mittelzuweisungen an Hochschultypen, für die besondere Nachfrage besteht
  • konsequenter Ausbau und Besserstellung der FH’s
  • Einführung bzw. Erweiterung der Globalhaushalte
  • Informationskampagne über das geplante Programm
  • Erhöhung der Transparenz des Hochschulsystems durch Vorlesungsbefragungen
  • Einberufung einer Kommission, die sich mit der Einrichtung einer Stiftung zur Förde rung der Lehre beschäftigt.
  • Vorantreiben der Entwicklung in den neuen Bundesländern, Unterstützung von innovativen Projekten.
  • stärkere Einbeziehung der Lehre bei der Bewertung und Berufung von Professoren
  • Pilotprojekte für die neuen Informationssysteme

 

Mittelfristig

 

  • Beginn des Bildungsgutscheinsystems mit steigenden Beträgen
  • Teilweise Durchführung von Studiengängen an Fachhochschulen, die in diesem Niveau oder in dieser Fachrichtung bisher noch nicht üblich gewesen sind
  • Beginn der Informationssysteme auf breiter Basis
  • Vergabe strukturorientierter Mittel und Erhöhung der Globalhaushalte
  • Aufnahme der Tätigkeit der Stiftung zur Förderung der Lehre
  • Festigung der Grundlage der Hochschulen in den neuen Bundesländern
  • Bindung der venia legendi an eine pädagogische und didaktische Ausbildung des Hochschullehrers
  • Studierende sollen bei der Berufung der Professoren ein wichtiges Wort mitreden können; dazu ist ihnen Stimmrecht in den Berufungskommissionen zu gewähren

 

Langfristig

 

  • Mittelzuweisungen an die Hochschulen erfolgen im Drittelmix ungebunden, struktur orientiert und zweckgebunden. Die Höhe der Mittelvergabe wird zu einem nicht unbeachtlichen Teil durch das Bildungsgutscheinsystem und die Stiftung zur Förderung der Lehre beeinflußt
  • Institutionalisierung der Informationssysteme
  • Abbau der starren beamtenrechtlichen Vorschriften beim Beruf des Hochschullehrers
  • Konsolidierung des Verhältnisses von Fachhochschulen und Universitäten
  • die Stiftung zur Förderung der Lehre wird zu einem festen Bestandteil des bundes deutschen Hochschulsystems und wird um weitere, ähnliche Stiftungen ergänzt.

Studentische Hilfskräfte

Studentische Hilfskräfte, auch als wissenschaftliche Hilfskräfte ohne Hochschulabschluß oder als Tutoren bekannt, sind heutzutage ein wichtiges Bindeglied im wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsbetrieb.

So ermöglichen sie, in kleinen Gruppen Lehrstoff zu vertiefen und auf ungeklärte Verständnisprobleme einzugehen. Gerade diese intensive Betreuung der einzelnen Studierenden kann bei der Qualität von Massenveranstaltungen, wie es Vorlesungen und auch zahlreiche Seminare sind, ansonsten kaum noch geleistet werden.

Studentische Hilfekräfte tragen auch wesentlich zur Durchführung von Forschungsvorhaben bei. Dabei werden sie an der Lösung konkreter Aufgabenstellungen beteiligt und können so ihr theoretisch erworbenes Wissen umsetzen.

Zudem stellt die Tätigkeit als studentische Hilfskraft auch eine Selbstbestätigung dar und ermöglicht den Erwerb von Qualifikationen, die nicht auf dem Lehrplan stehen. Bei der Beschäftigung im Lehrbetrieb werden besonders pädagogische, rhetorische und soziale Fähigkeiten erlernt, die heute ein wesentlicher Bestandteil eines allgemeinen Bildungsprofils sind. Im Forschungsbereich werden die Studierenden an die wissenschaftliche Arbeitsweise herangeführt.

Studentische Hilfskräfte bedeuten auch eine verstärkte Beteiligung von Studierenden am Studienablauf, sie führen zu einer vermehrten Identifikation mit der Hochschule.

Insofern halten wir studentische Hilfskräfte für eine sehr bedeutsame Gruppe an den Hochschulen und fordern daher, ihre Position und ihre Aufgaben zu stärken:

 

  • Studentische Hilfskräfte sollen bei den Wahlen zu den Hochschulgremien aktives und passives Wahlrecht für die Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter erhalten.
  • Aus den Reihen der studentischen Hilfskräfte sind sowohl für die einzelnen Fachbereiche wie auch für die gesamte Hochschule Beauftragte zu wählen, die die spezifischen Interessen ihrer Gruppe gegenüber den Gremien der Hochschule vertreten.
  • Einstellungskriterien für studentische Hilfskräfte sollen offengelegt werden und nachvollziehbar sein, insbesondere ist eine Gleichbehandlung von Frauen in allen Fächern zu verwirklichen.
  • Verträge für studentische Hilfskräfte müssen so variabel ausgestaltet werden können, daß sie individuellen Leistungs- und Zeitansprüchen gerecht werden; dabei muß aber eine Vertragssicherheit gewährleistet sein.
  • Bei der Arbeitsstundenberechnung sind Vorbereitungszeiten und gesetzliche Urlaubsansprüche in jedem Fall angemessen zu berücksichtigen.
  • Die Aneinanderreihung von auflösend befristeten Arbeitsverhältnissen für studentische Hilfekräfte ist durch den Abschluß längerfristiger Verträge, z.B. für Lehrtätigkeit über mehr als ein Semester, für längerfristige Forschungsvorhaben oder für die Zuarbeit bei Promotionen, zu ersetzen. In diesen Verträgen sind auch Weihnachts- und Urlaubsgeld vorzusehen.
  • Die Finanzierung der Beschäftigung studentischer Hilfskräfte ist sicherzustellen und gegebenenfalls auszuweiten, Kürzungen wie zur Zeit in Niedersachsen um 7 Millionen halten wir nicht für vertretbar.
  • Zur Finanzierung studentischer Hilfskräfte sind den Hochschulen vermehrt nicht zweckgebundene Mittel zur Verfügung zu stellen, um je nach eigenen Bedarf studentische Hilfskräfte einzustellen und dabei flexible Regelungen zu treffen.
  • Die Aufgabenfelder für die Tätigkeit als studentische Hilfskraft sind auszuweiten, insbesondere sind dabei von Studierenden selbst Initiierte Lehrveranstaltungen zu unterstützen, die auch Anstoß zu einer Neugestaltung des Studiums sein können.

Studium Generale

Der LHG fordert eine stärkere Gewichtung des Studium Generale. Für geeignete Instrumente hält der LHG die Einführung von fachspezifischen Disziplinen als Pflichtfächer (z.B. Datenschutz für Informatiker bzw. Wirtschaftsethik für Betriebswirte).

Desweiteren sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, durch die ein frei gewählter Wahlblock mit je zwei bis fünf Wochenstunden pro Semester in sein Studium integriert werden kann. Dieser Wahlblock ist aus dem Fächerspektrum der Hochschule zu entnehmen und mit einer Abschlußprüfung abzuschließen.

Außerdem halten wir es für wünschenswert, Wissenschaftstheorie als Wahlfach im Grundstudium einzuführen.

Soziale Probleme der Studierenden in den neuen Bundesländern

Dieser Beschluss wurde durch einen Beschluss der 25. ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des LHG von 07.07 bis 09.07.2015 in Jena aufgehoben.

1.Schaffung der rechtlichen und materiellen Voraussetzungen für eine soziale Grundbetreuung der Studierenden in den neuen Bundesländern

 

Mit dem Einigungsvertrag ist das bisherige Recht der DDR bezüglich der sozialen Absicherung der Studierenden außer Kraft getreten.

Um eine Kompatibilität der sozialen Sicherungssysteme zu erreichen, wurde das Bundesausbildungsförderungsgesetz in der ehemaligen DDR eingeführt.

Ergänzend dazu ist die Erarbeitung von Studentenwerksgesetzen dringend geboten, da die bisherige Studentenwerks‑VO am 30.6.91 außer Kraft tritt

Im Gegensatz zur bisher existierenden Studentenwerks‑VO ist eine ausreichende Repräsentation der Studierenden in den Verwaltungsräten gesetzlich zu fixieren.

Die Wirtschaftspläne der Studentenwerke in den neuen Bundesländern müssen in einem zügigen und unbürokratischen Verfahren genehmigt werden, um die Handlungsfähigkeit der neu gebildeten Studentenwerke herzustellen.

 

Die bisher de facto existierende Fachaufsicht der Wissenschaftsministerien der Länder über die Studentenwerke muß gelockert werden und sollte sich auf folgende Kontrollen der Wirtschaftspläne beschränken:

  1. a) die Satzungsmäßigkeit der Verwendung der Mittel des Studentenwerkes
  2. b) auf Gefahren der Überschuldung der Studentenwerke
  3. c) Sicherung eines Mindeststandards an Betreuung, dies betrifft

vor allen Dingen die Bereiche, die vom Staat bezuschußt werden.

 

Eine weitergehende Kontrolle wirkt der Qualität der sozialen Betreuung der Studierenden entgegen, da die Studentenwerke in der Regel einen besseren Überblick darüber haben, wie die vorhandenen Gelder zur Gewährleistung einer höchstmöglichen sozialen Sicherheit effizient eingesetzt werden können.

 

Der Übergang sozialer Einrichtungen aus der Verantwortung der Hochschulen in die Verantwortung der Studentenwerke ist zu beschleunigen.

 

  1. Finanzierung des Studiums

 

Durch die Einführung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes in den neuen Bundesländern mit dem 1.1.91 ist weitgehende Klarheit über die Möglichkeiten der Finanzierung des Studiums entstanden.

 

Eine Angleichung der Bedarfssätze an das Niveau in den alten Bundesländern in absehbarer Zeit ist daher unausweichlich.

 

In einer ersten Stufe sollten daher noch in diesem Jahr der Grundbedarfssatz (gemäß § 13 Absatz 1 Bundesausbildungsförderungsgesetz ‑ ohne Mietanteil) auf das Niveau in den alten Bundesländern angehoben werden, da mit Beginn dieses Jahres in vielen Bereichen die Subventionen des Staates weggefallen oder eingeschränkt worden sind (Energie, öffentliche Verkehrsmittel, Deutsche Bundespost), was zu starken Preiserhöhungen führte.Die Gelder aus dem Gemeinschaftswerk „Aufschwund Ost“ sollten nicht nur der Sanierung bestehender Wohnheimkapazitäten zur Verfügung stehen, sondern auch zunehmend für Investitionen der Studentenwerke im Bereich Studentenwohnheime verwendet werden dürfen.

 

Der freie Hochschulzugang in den neuen Bundesländern wird sich mittelfristig in einer drastischen Erhöhung der Studentenzahlen bemerkbar machen. Es ist daher nur eine Frage der Zeit bis die schon existierenden Wohnheimkapazitäten ausgeschöpft sind.

Daher kommt dem Studentischen Wohnungsbau eine wachsende Bedeutung zu.

Die Übergabe nicht genutzter Kasernen der früheren NVA, der Grenztruppen sowie durch den Abzug der sowjetischen Truppen frei werdenden Gebäude könnten nach einer Sanierung Abhilfe schaffen.

 

Darüber hinaus ist der Neubau von Studentenwohnheimen und eine Erschließung des: privaten Wohnungsmarktes erforderlich.

 

  1. a) Neubau von Studentenwohnheimen

 

Der Neubau von Studentenwohnheimen in den neuen Bundesländern ist unumgänglich. In der alten Bundesrepublik haben sich vor allem fehlende Grundstücke zur Bebauung als Haupthemmnis für den Studentenwohnheimbau erwiesen. In den neuen Ländern besteht dagegen der Vorteil, das die Städte und Gemeinden zum Teil über eine große Anzahl von Grundstücken verfügen.

Eine großzügige Vergabe von Erbbaurechten an zukünftige Träger von Studentenwohnheimen oder preisgünstiger Verkauf unbebauter Grundstücke könnte den studentischen Wohnungsbau wesentlich erleichtern. Der erforderliche Bauaufwand könnte neben den bisher üblichen Fördermaßnahmen durch Zinssubventionen für Kredite, die im Zusammenhang mit dem Bau neuer Studentenwohnheime aufgenommen werden, für den zukünftigen Träger/Eigentümer wirtschaftlich erleichtert werden.

 

  1. b) Erschließung des privaten Wohnungsmarktes

 

Die Förderung von Maßnahmen der Schaffung von Wohnraum, der sich aufgrund seines besonderen Zuschnitts für in Ausbildung befindliche Personen besonders eignet durch private Anbieter kommt gleichfalls eine große Bedeutung zu. Durch Änderungen des bestehenden Mietrechts kann die private Untervermietung erleichtert werden, soweit die Nutzung nicht über das übliche Maß hinausgeht.

Das Freiburger Modell (Prämien für Vermietung von Wohnraum an Studierende) wäre auch für die neuen Bundesländer nachahmenswert. Weiterhin könnten sich steuerliche Anreize als sinnvoll erweisen. Als Möglichkeiten der steuerlichen Vergünstigungen kommen im Rahmen von Änderungen des Einkommensteuergesetzes verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten in Betracht.

Die Studentenwerke können durch Anmietung von privatem Wohnraum und Weitervermietung an Studierende, die Vorbehalte gegen den Studierenden als Mieter bei vielen Vermietern abbauen helfen, da die Studentenwerke im allgemeinen als seriös angesehen werden.

 

Im Rahmen des Aufbaus der Städte in den neuen Ländern wäre es wünschenswert, die Wohnbevölkerung in den Stadt‑ und Ortsteilen stärker sozial zu integrieren, um auf diese Weise besseres Verständnis zwischen den Bevölkerungsgruppen zu bewirken. Bei der Restaurierung von Stadtkernen z.B. sollten einzelne Häuser zur Nutzung als Studentenwohnheime vorgesehen werden. Die Städte und Gemeinden sollten dies bei der

städtebaulichen Planung berücksichtigen.Angesichts der für den Oktober 1991 geplanten Mieterhöhungen sollte der Mietanteil gemäß § 13 Absatz 2 Bundesausbildungsförderungsgesetz von bisher 50,00 DM auf 100,00 DM angehoben werden.

Die weiteren Entwicklungen der Bedarfssätze ist an die Mietentwicklung in den neu­en Ländern zu koppeln.

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen vertritt die Auffassung, daß eine gesamtdeutsche BAföG-Regelung nicht nur in einer Angleichung der Bedarfssätze bestehen kann.

 

 

  1. Studentisches Wohnen

 

 

In der früheren DDR war mit der Vergabe eines Studienplatzes in der Regel auch die Zuweisung eines Wohnheimplatzes verbunden.

 

Daher ist der Anteil der Studierenden, die in Studentwohnheimen wohnen, weitaus höher als in der alten Bundesrepublik.

 

Die Studenwohnheime in den neuen Bundesländern bestehen aus zum Teil katas­trophaler Bausubstanz, so daß dringendes Handeln von Nöten ist. Ihr Komfort ist weitaus niedriger als in der alten Bundesrepublik und völlig unzureichend.

 

Gegenwärtig ist der Prozeß der Überführung der Studentenwohnheime in die Ver­antwortung anderer Träger in vollem Gange. Es ist zu gewährleisten, daß alle exis­tierenden Studentenwohnheime von anderen Trägern übernommen werden. Dabei sind neben den Studentenwerken auch Kirchen, die Kommunen und private Träger denkbar.

 

Die rasche Überführung der Studenwohnheime in die Verantwortung anderer Träger kann durch den Abbau der Differenz zwischen den Bewirtschaftungskosten einer­seits und den Mieteinnahmen andererseits erleichtert werden. Die zu diesem Zwecke erforderlichen Mieterhöhungen dürfen jedoch nur im Rahmen der Erhöhun­gen im BAföG aufgrund gesetzlicher Mieterhöhungen zugelassen werden.

 

Durch Abbau des aufgeblähten Verwaltungsapparates im Bereich Studentenwohn­heime und den Sanierungsmaßnahmen, die Energieeinsparungen bewirken, sind Senkungspotentiale bei den Bewirtschaftungskosten auszuschöpfen, bevor es zu den erforderlichen Mieterhöhungen kommt.

 

Die bisherigen Pauschalmieten sind je nach Komfort der Studenwohnheime zu diffe­renzieren, um die bisherige Benachteiligung von Studierenden, die in Studenten­wohnheimen mit schlechtem Wohnkomfort wohnen, zu beiseitigen.

 

Die Modernisierung der bestehenden Wohnheimkapazität und die Änderung der Belegungsquote der einzelnen Zimmer sollte nur schrittweise vorgenommen werden, da sonst eine große Anzahl von Wohnheimplätzen verlorengehen würde. Allerdings muß die bauliche und die hygienische Zumutbarkeit im Einzelfall überprüft werden.

  1. Probleme im Zusammenhang mit „Abwicklung“ von Fachbereichen und anderen Umstrukturierungsmaßnahmen

 

Der Einigungsvertrag stellte es in das Ermessen der jeweiligen Landesregierung über die Zukunft der Einrichtungen, die in der Verantwortung der Länder liegen, selbst zu entscheiden. Eine Entscheidung der jeweiligen Landesregierung über die „Überführung“ der jeweiligen Einrichtungen oder deren Auflösung, d.h. „Abwicklung“, sollte bis zum Januar 1991 getroffen werden.

Die meisten Landesregierungen entschieden sich dafür, die „ideologibelasteten“ Fachbereiche wie Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Journalistik und zum Teil auch Pädagogik „abzuwickeln“. Für Studenten sah der Einigungsvertrag einen „Vertrauensschutz“ vor, d.h. ihnen sollte das weitere Studium trotz der „Abwicklung“ ermöglicht werden.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen mißt dem Vertrauensschutz für Studenten große Bedeutung zu. Jedoch müssen Lehrinhalte und Prüfungsordnungen zügig den bundesdeutschen Standards angepaßt werden, um eine weitestgehende Kompatibilität mit einem vergleichbaren Studium in der alten Bundesrepublik und somit bessere Arbeitsmarktchancen zu erreichen. Der z.B. mit der Einrichtung „fliegender Fakultäten“ verbundene Schub bei der Qualität der Lehre sichert zudem, daß die neuen Studien‑ und Prüfungsordnungen auch in der entsprechenden Qualität umgesetzt werden.

Darüber hinaus müssen in den in Abwicklung befindlichen Einrichtungen die künftig zu besetzenden Lehrstühle rasch neu ausgeschrieben und besetzt werden, um das Vertrauen der Studierenden in die Qualität der Ausbildung zu sichern.

Professoren aus den alten Ländern sollen verstärkt in den neuen Ländern eingesetzt werden. Dazu müssen:

  1. die Bedingungen für den zeitlich begrenzten Aufenthalt wie möglich gestaltet werden,
  2. Anreizsysteme für diesen Austausch geschaffen werden,
  3. Ausgleichsmechanismen für die betroffenen westlichen Fachbereiche geschaffen werden (z.B. Einsatz von Assistenten).

 

Für die älteren Semester sollten Aufbaustudiengänge angeboten werden. In den Aufbaustudiengängen für die älteren Semester sollten unverzichtbare Kenntnisse entsprechend der jeweiligen Spezialisierungsrichtungen im Aufbaustudium vermittelt werden.

Durch eine BAföG‑Finanzierung für Aufbaustudiengänge sind die Studenten, die sich für eine derartige Form der Weiterbildung entscheiden, finanziell abzusichern.

Für die Immatrikulationsjahrgänge 1988 und 1989 sind Verlängerungen der regulären Studienzeiten unausweichlich, um die Qualität des Studiums dem in der alten Bundesrepublik üblichen Standard anzupassen.

Bei „Abwicklung“ ganzer Hochschuleinrichtungen impliziert der Begriff „Vertrauensschutz“ für den LHG eine unbürokratische Übernahme der betroffenen Studenten durch bestehende Hochschuleinrichtungen.

Die Entscheidungen über „Abwicklung“, aber auch Strukturveränderungen an den Hochschulen, schaffen große Unruhe bei Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren. Häufig resultiert diese Unruhe aus Unkenntnis über die Entscheidungen und deren Hintergründe über mögliche Alternativen für die Betroffenen. Die Landesregierungen sind aufgefordert, die Entscheidungsfindung für die Betroffenen transparenter zu machen. Das Rede‑ und Stimmrecht von Vertretern der Studierendenschaft in den Evaluierungskommissionen ist sicherzustellen.

Vielfältige Beratungsangebote können den Betroffenen Alternativen und damit mögliche persönliche Perspektiven aufzeigen.Die Bereitschaft der Anpassung an neue Lehrinhalte ist dabei durch vielfältige Qualifizierungsmaßnahmen zu fördern.

Dabei sind vor allem den Lehrkräften, deren Entwicklungsmöglichkeiten aus politischen Gründen benachteiligt wurden, besondere Möglichkeiten einzuräumen.

 

 

Lebenslanges Lernen mit modularen Studien

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert einen modularen Studienaufbau in geeigneten Fächern, insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, in Jura, in den Wlrtschaftswissenschaften im weiteren Sinne, sowie in den Sprach- und Kulturwissenschaften.

Das universitäre Studium in diesen Fächern ist geprägt durch die explosionsartige Vermehrung des lehr- und prüfbaren Stoffes. Daher muß die Beherrschung des Methodenwissens wieder Vorrang vor dem Detailwissen bekommen. Enzyklopädisches Wissen kann heute nicht mehr in vertratbarem Studienzeiten vermittelt werden. Ziel muß ein neuer Typus Akademiker sein, der „Fachgeneralist“: Die ständige Fortentwicklung unserer verwissenschaftlichen Gesellschaft kann dieser durch lebenslanges Lernen nachvollziehen.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen unterteilt daher das Studium in ein Erststudium und weitere Fortbildungsstudien.

 

Erststudium

 

Grundstudium

 

In einem viersemestrigen, breit angelegten Grundstudium erlernen die Studierenden einen Grundkanon. Dieser Grundkanon ist Voraussetzung für die weiterführenden Veranstaltungen. Um hierbei eine hohe Effizienz zu erreichen, muß man die Spannbreite der möglichen Lehrformen vom Skriptenstudium über Tutorien bis zu Sprechstunden besser nutzen, als dies bisher der Fall ist.

 

Hauptstudium

 

Das anschließende Hauptstudium ist zunächst geprägt durch die zwei oder drei Module, die der Studierende aus dem Angebot der Fakultät zu wählen hat. Ein Modul ist eine Menge an zusammenhängenden Veranstaltungen, die zu einem speziellen Themenkomplex gehören. Ein Modul wird durch Prüfungen abgeschlossen. Ziel eines Moduls ist es, in exemplarischer Form Einblick in die wissenschaftliche Arbeitsweise eines Fachbereichs und möglicherweise auch Spezialqualifikationen zu vermitteln. Der Studierende hört darüberhinaus weitere Vorlesungen aus dem Angebot der Fakultät oder Universität. Ein Teil der Prüfungsleistungen ist als selbständige Arbeit zu erbringen. Für die weiteren Veranstaltungen sollte ein großer Gestaltungsfreiraum für den Fachbereich liegen; die zu bewältigende Menge an zusätzlichen Veranstaltungen und Prüfungen sollte allerdings so gestaltet sein, daß das Studium nicht unnötig aufgebläht wird.

 

Fortbildungsstudien

 

Während des Berufslebens wird der „Fachgeneralist“ aus verschiedenen Gründen das Bedürfnis haben, sich fortzubilden:

Änderung des beruflichen Umfeldes

Wissensdurst

Aufstiegschancen durch Höherqualifikation

 

Das Fortbildungsstudium bietet ihm dann die Möglichkeit, ein Modul Studium zu belegen.

Dieses Fortbildungsmodul ist identisch mit einem Modul I im Hauptstudium Der Fortbildungsstudierende muß dazu genau dieselben Prüfungsleistungen absolvieren wie ein Erststudierender auch. Zusätzlich bekommt er ein erläuterndes Zertifikat über den Abschluß.

 

Der Fortbildungsstudierende benötigt einen besonderen Status an der Hochschule, der an seine Situation und Zulassungsvoraussetzungen, die an ihn gestellt werden, angepaßt ist. Es muß möglich sein,

 

das Erststudienfach weiter zu studieren

ein Modul eines anderen Studienfaches zu beginnen

den Zugang für qualifizierte Praktiker zu einem Fortbildungsstudium zu ermöglichen

die Einrichtung der Hochschule wie ein Erststudierender zu nutzen

die oben genannten Zertifikate zu erwerben.

 

Der Status sollte dagegen so gestaltet sein, daß er

eine Förderung nach BAföG ausschließt

die Universität die volle Kontrolle über die Aufnahme der Studierenden hat

das Erststudium nicht unnötig beteiligt wird.

 

Finanzierung

 

So lange der Fortbildungsstudierende Veranstaltungen besucht, wie sie jedem Studierenden offenstehen, ist das Studium frei. Wenn er aber Veranstaltungen besucht, die auf ihn speziell zugeschnitten sind (spezielle Wochenendrepetitorien, Brückenkurse), so sind diese gebührenpflichtig. Die anfallenden Gebühren können dann auch gewinnorientiert erhoben werden. Der Umfang dieser Veranstaltungen kann von der Hochschule selbst bestimmt werden. In diesen gebührenpflichtigen Veranstaltungen dürfen allerdings keine Prüfungsleistungen (insbesondere keine Scheine) erworben werden; sie sind dann stets in einer Prüfung mit Erststudierenden abzulegen.

Wenn Unternehmer beabsichtigen, Mitarbeiter in besonderer Weise schulen zu lassen, können sie als Drittmittelgeber für die Lehr auftreten; die Universität wird damit in die Lage versetzt, ihr Angebot an Modulen zu erweitern. Die darmit unterstützten Veranstaltungen sind frei zugänglich für alle Studierenden.

Die Finanzierung der Lebenserhaltungskosten liegt in der Verantwortung der Studierenden selbst.

 

Mögliche Finanzierungsvarianten sind:

 

Bildungsversicherungen, wie sie von den berufsständischen Organisationen angeboten werden können

Klauseln in Tarifverträgen, die eine Weiterbildung sichern

Freistellung durch Unternehmen

Bildungskredit mit einer Besicherung durch den Staat

Teilzeitstudium

 

Konsequenzen für die Hochschulen

 

Im Erststudium kann man nun einigen Ballast, insbesondere im Hauptstudium abwerfen, wenn man vom Absolventen vor allem Methodenwissen erwartet. Dadurch kann die Studienzeit verkürzt werden. Der Weiterbildung wird durch strukturierte Angebote Rechnung getragen. Um diese Aufgaben aufnehmen zu können, ist eine bessere finanzielle Ausstattung der Hochschulen nötig.

Um den Hochschulen die Implementierung eines solchen Modules zu ermöglichen, ist es nötig, ihnen mehr Freiraum in der Gestaltung ihres Lehrangebots zu geben. Dies ist insbesondere deshalb nötig, weil größere Änderungen im Studienplan vorzunehmen sind.

Deutsche Lehrgemeinschaft

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die Einrichtung einer Deutschen Lehrgemeinschaft (DLG). Diese soll ähnlich der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) besondere Leistungen in der Lehre finanziell fördern. Damit soll das Gleichgewicht von Forschung und Lehre wiederhergestellt werden.

 

 

Aufgaben

 

Die Deutsche Lehrgemeinschaft soll die Qualität der Lehre an den Universitäten und die Forschungsvorhaben, die sich mit der Lehre beschäftigen, fördern. Sie soll in allen Grundsatzfragen der Bildungsplanung und -forschung die zuständigen Behörden, Ministerien und Parlamente beraten. Die Vergabe der Mittel erfolgt nach einem Gutachterprinzip ähnlich der DFG. Jedes Universitätsmitglied kann einen Antrag auf Förderung stellen, der von unabhängigen Gutachtern geprüft wird. Die Beurteilung richtet sich u.a. nach folgenden Kriterien:

 

– Einzelprojektförderung:

Gefördert werden Projekte, die im Rahmen bestehender Studienordnungen wesentliche Verbesserungen in der Unterrichtsgestaltung darstellen. Darüber hinaus gelangen Projekte in die Förderung, die gänzlich neue Ausbildungsformen in Erweiterung bestehender Curricula einführen. Insbesondere sind Projekte zu fördern, die die Studierenden in die Unterrichtsgestaltung und inhaltliche Vorbereitung von Unterrichtsreihen einbinden. Beispiele wären ein Ost-West-Tutorenprogramm in Fächern wie Jura oder BWL, Einführungsveranstaltungen vor Studienbeginn, die einen Überblick über das Studienfach geben und ein breiteres Seminarangebot schon im Grundstudium.

 

– Schwerpunktförderung:

Mit der Schwerpunktförderung sollen interdisziplinäre Modellversuche oder Modellstudiengängen (gemäß HRG) eines Faches zur Studienreform ermöglicht werden. Die Schwerpunktförderung dient dem Erhalt der Innovationsfähigkeit der Hochschulen in der Lehre. und damit zur Weiterentwicklung des wissenschatlichen Hochschulsystems. Insbesondere ist dabei an die Entwicklung von Studiengängen in den neuen Ländern zu denken.

 

– Ausbildungsforschung:

Es sollen Projekte gefördert werden, die der Erforschung der Ausbildungsbedingungen, -ziele, -motivation sowie den dabei erforderlichen Anpassungen dienen. Die Entwicklung moderner Curricula ist dabei ein Aspekt. Auf diese Weise könnte der wechselseitigen Beeinflussung von gesellschaftlichen Veränderungen und Anforderungen an die wissenschaftliche Ausbildung durch die Universität Rechnung getragen werden. Es wird die Möglichkeit geschaffen, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu fördern, die die Ausbildungsqualität und die Qualität der Hochschulausbildung untersuchen und der Verbesserung der Ausbildung dienen. Beispiele dafür wären Untersuchungen über die motivationssteigernde Wirkung von Vorlesungsbefragungen oder über Fünf-Minuten-Tests. Auch könnten Themenbereiche wie die Auswirkung der Benachteiligung von Frauen oder Ausländern auf das Studium besser untersucht werden.

 

– Didaktische Unterstützung der Lehre:

Gefördert werden Projekte, die der Verbesserung der Lehrbefähigung aller Lehrenden (Tutoren, Angehörige des Mittelbaus, Professoren) dienen.

 

– Förderung der Evaluation:

Die Entwicklung geeigneter Parameter und derer Kombination zur Messung der Leistungsfähigkeit der Hochschule und einzelner Dozenten soll gefördert werden.

 

 

Finanzierung

 

Zu Beginn sollte die Deutsche Lehrgemeinschaft mit 50 Millionen DM ausgestattet werden. Diese Mittel müßten von Bund und Ländern gemeinsam aufgebracht werden. Weitere Drittmittelgeber müssen gefunden werden. Eine Finanzierung der Deutsche Lehrgemeinschaft darf nicht aus den den Universitäten bislang zur Verfügung stehenden unzureichenden Mitteln erfolgen.

 

 

Mitglieder und Organisation

 

Mitglieder sind: die wissenschaftlichen Hochschulen; die wissenschaftlichen Verbände zur Förderung der Lehre; andere Lehreinrichtungen. Vertreter der wissenschaftlichen Hochschulen sind je ein Professor (vom Senat gewählt), ein wissenschaftlicher Mitarbeiter (von den wissenschaftlichen Mitarbeitern gewählt) und ein Student (vom StuPa gewählt). Die Mitgliederversammlung bestellt einen Generalsekretär und wählt ein Präsidium; bestehend aus einem Präsidenten und zwei ehrenamtlichen Vizepräsidenten (von denen einer Studierender ist).

Für jeden der fünf Aufgabenbereiche wird ein Fachausschuß gebildet, der einem Hauptausschuß sein Votum zu einem Förderungsantrag zur Beschlußfassung vorlegt. Im Hauptausschuß sitzen je drei Vertreter der Professoren und der Studenten sowie ein Vertreter des Bundes und ein Vertreter der Verbände/Lehreinrichtungen. Beratend: Vertreter der Rektorenkonferenz, des Wissenschaftsrates und des Stifterverbandes.

Kinderbetreuung an Hochschulen

Ausreichende Angebote zur Kinderbetreuung sind eine entscheidende Voraussetzung, um Studium und wissenschaftliche Berufslaufbahn mit der Kindererziehung zu vereinbaren und damit zur Verbesserung der Situation von Eltern an den Hochschulen.

Viele Studierende und Angehörige des wissenschaftlichen Personals haben derzeit Schwierigkeiten, eine angemessene Versorgung ihrer Kinder zu gewährleisten. Denn die Kindertagesstätten am Wohnort nehmen, sofern überhaupt genug Plätze vorhanden sind, keine Rücksicht auf den Zeitplan des Hochschul-Lebens, wie unregelmäßige Stundeneinteilung, zahlreiche Abendveranstaltungen, etc. Einige sozialdemokratische Landesregierungen, z.B. in Niedersachsen, lehnen aber eine besondere Förderung von Kindertagesstätten an Hochschulen ab, da sie hierin eine Unterstützung gesellschaftlich angeblich privilegierter Gruppen sehen. Diese Haltung ist für uns absolut ungerechtfertigt.

Daher fordern wir Bund und Länder auf, die Einrichtung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten an den Hochschulen verstärkt zu fördern. Dabei müssen die besonderen Bedürfnisse der Hochschulangehörigen berücksichtigt werden, vor allem die Zeitgestaltung der Studierenden. Daher sind insbesondere Elterninitiativ Gruppen zu unterstützen, wie sie Studierende an etlichen Hochschulen aufgebaut haben. Derartige Gruppen dürfen nicht länger an bürokratischen Hemmnissen wie der Raumvergabe scheitern. Die Flexibilität solcher Lösungen auf privater Basis ist den langfristigen Planungen öffentlicher Angebote vorzuziehen.

„5-Minuten-Test“

Um die Qualität der Lehre an bundesdeutschen Hochschulen gibt es seit einiger Zeit eine lebhafte Diskussion. Immer wieder wird die Tatsache kritisiert, daß sich die Reputation der Professorinnen und Professoren ausschließlich durch Forschungserfolge begründet; gute Lehre ist so zur Privatsache einiger Engagierter und insgesamt zum Stiefkind der Universitäten geworden. Auch bei Berufungen ist die Lehrqualität meist von untergeordneter Bedeutung.

Neben fehlendem Engagement sowie Defiziten in Didaktik und Rhetorik einiger Lehrenden liegt die Unzufriedenheit mit der Form vieler Lehrveranstaltungen sicherlich auch an mangelnder personeller Ausstattung der Fachbereiche und der daraus resultierenden Überfüllung. Das Problem der Ausstattung läßt sich inneruniversitär nicht befriedigend lösen, das der Vortragsqualität vielleicht schon.

Die Idee des „5-Minuten-Tests“ stammt aus den USA. Neben anderen Verfahren, die der Bewertung von Lehre dienen, wird dieses Mittel dort eingesetzt, um Lehrenden mehr Einblick in die Wirkung ihrer Veranstaltungen zu geben.

 

Der „5-Minuten-Test“

 

Jede Lehrveranstaltung wird ungefähr einmal im Monat 5 Minuten früher geschlossen. In der verbleibenden Zeit notieren die Studierenden, bei Großveranstaltungen evtl. nur ein Teil der Studierenden, auf einem neutralen Blatt kurz ihre Antworten auf die Fragen:

  • Was ist mir in dieser Veranstaltung klar geworden?
  • Welche Fragen sind in dieser Veranstaltung offen geblieben?
  • Wie gut/schlecht konnte ich der Gedankenführung folgen?

Die Antworten sind ausschließlich für die Professorin bzw. den Professoren bestimmt. Durch die individuelle Auswertung der Bögen erreicht man ein Feed-Back, das ansonsten an den Massenuniversitäten verloren gegangen ist.

Der „5-Minuten-Test“ kann nicht der Bewertung der Lehre im Vergleich der Lehrenden dienen. Das Verfahren erreicht nur eine größere Transparenz für die Lehrenden über die Qualität ihrer eigenen Lehre.

 

Alle Professorinnen und Professoren werden dazu aufgefordert, sich an der Aktion „5-Minuten-Test“ zu beteiligen. Diese Idee läßt sich ohne finanziellen Mehraufwand verwirklichen. „Institutionalisierte Kritik“ kann sicherlich niemandem schaden, vielleicht aber durch die Verdeutlichung von Defiziten helfen. Nur gemeinsam können Lehrende und Lernende trotz Hochschulnotstand die Qualität der Lehre verbessern.