Archiv der Kategorie: 05. Bundesmitgliederversammlung, Juni 1990 in Frankfurt am Main

Hochschulzulassung

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert Bund, Länder und Hochschulen auf, das Angebot an Studienplätzen der tatsächlichen Nachfrage anzupassen. Eine planwirtschaftliche Reglementierung anhand vermeintlicher Bedarfskriterien lehnen wir ab.

Eine individuelle Bewerbung bei den einzelnen Hochschulen ist einer bürokratischen Zuweisung an die Hochschulorte vorzuziehen. Bei der Vergabe der Studienplätze sind die individuellen Fertigkeiten und Neigungen der einzelnen Bewerber angemessen zu berücksichtigen.

Um dieses zu gewährleisten, befürwortet der LHG, die den Hochschulen verfügbaren Auswahlkriterien auszuweiten. Dies bedeutet, daß z.B. neben der allgemeinen Abiturnote auch der Schnitt aus bestimmten Fächern zulassungsrelevant sein kann. Zudem kann in Testverfahren nach eigenen Vorstellungen der Hochschule die Eignung zum Studium festgestellt werden, wobei die Methodenfähigkeit eher zu prüfen ist als inhaltliches Wissen. Persönliche Auswahlgespräche bilden eine weitere Möglichkeit der Auswahl von Studierenden. Personen mit gleichwertigen Abschlüssen sollen auch gleich behandelt werden. Bewerber mit zwingenden persönlichen und fachlichen Gründen sind angemessen zu berücksichtigen. Die sinnvolle Nutzung der genannten Auswahlkriterien ist dadurch zu gewährleisten, daß vergleichende Informationsmöglichkeiten wie Ranking-Listen regelmäßig veröffentlicht werden. Diese müssen die nötige Transparenz über studienrelevante Daten schaffen. Bewerber, die bei dem direkten Bewerbungsverfahren keinen Studienplatz erhalten haben, werden über ein zentrales Verfahren an Hochschulorte mit unbesetzten Studienplätzen verteilt.

Hochschulzugangsberechtigung

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert im Sinne flexibler Strukturen innerhalb der Bundesländer, das Erlangen der allgemeinen Hochschulreifen auch nach 12 oder 12,5 Jahren zu ermöglichen. Folglich muß der Studienbeginn in allen Studiengängen zum Sommersemester ermöglicht werden.

Eine Hochschulzugangsberechtigung kann auch über berufliche Qualifikation erlangt werden. Die Zugangsberechtigung erstreckt sich dann auf Fächergruppen, die den berufsspezifischen Kenntnissen entspricht.

Modell einer reformierten Juristenausbildung

  1. Kurzanalyse der gegenwärtigen Probleme

 

Die gegenwärtige Form der Juristenausbildung leidet an den folgenden bekannten Grundproblemen:

  • zu lange Ausbildungszeiten
  • zu umfangreicher Prüfungsstoff aufgrund einer echten all-round-Orientierung am Leitbild des sog. Einheitsjuristen
  • Fehlorientierung hinsichtlich des Ausbildungsziels: 100 % aller Absolventen müssen eine Ausbildung für den Staatsdienst, orientiert am Berufsbild des Richters, durchlaufen, obwohl nur eine Minderheit von weniger als einem Drittel tatsächlich in den Staatsdienst eintreten kann
  • aus dem Letztgenannten resultierend Staatsprüfungen, die die Verantwortungseinheit für die Inhalte von Ausbildung und Prüfung zerstören, und eine einheitliche Staatssprache Praxisausbildung (Referendariat), bei der Kapazitätsmangel zusätzliche Wartezeiten verursacht.

 

  1. Grundlegende Praemissen einer Reform

 

Eine Reform der Juristenausbildung muß deshalb – anders als ihre sogenannten Vorgängerinnen in den Siebzigern und Achtzigern – von folgenden Praemissen ausgehen:

Erstens muß eine Restrukturierung des prüfungsrelevanten Ausbildungsstoffes und damit des Prüfungsstoffes durch Reduzierung des Pflichtfachkatalogs auf die Grundlagen erfolgen. Dies ist zu kombinieren mit verstärkten Wahlrechten des Absolventen hinsichtlich des über den Pflichtfachkatalog hinausgehenden Stoffes, wodurch die Möglichkeit zur partiellen Spezialisierung bereits im Rahmen der akademischen Ausbildung eröffnet wird.

Zweitens muß eine Abkehr von der gegenwärtigen Orientierung am Berufsbild des Richters erfolgen. Diese stimmt mit den praktischen Gegebenheiten nicht überein. Daraus folgt zugleich das Postulat nach der Abschaffung der obligatorischen Staatsprüfungen und des zwangsweisen Referendariats als richterbildorientierter Praxisausbildung.

 

  1. Strukturentscheidungen des Reformmodells

 

Unser Modell einer reformierten Juristenausbildung basiert auf den folgenden Strukturentscheidungen:

Gliederung der Ausbildung in ein akademisches Studium und eine eventuelle anschließende Praxisphase

Ausrichtung der Praxisphase als Ausbildung in einem spezifischen Berufsfeld, d.h. keine einheitliche obligatorische Praxisausbildung nach Art des gegenwärtigen Referendariats mehr für alle Absolventen

Unterteilung der akademischen Ausbildung in eine allround-orientierte Grundstudiumsphase nach gegenwärtigem Muster, die durch eine Zwischenprüfung abgeschlossen wird, und eine Vertiefungsstudiumsphase mit Schwerpunktsetzung nach Wahl des Absolventen

Abschluß der akademischen Ausbildung mit einer akademischen Diplomprüfung unter Abschaffung der obligatorischen Staatsprüfungen

Abschlußqualifikation der Praxisphase kann vom jeweiligen Arbeitgeber ausgestaltet und verlangt werden, ist also nicht generell obligatorisch, insbesondere nicht für Absolventen der anwaltsbezogenen Praxisphase.

 

  1. Einzelheiten des Reformmodells

 

Daraus ergeben sich folgende Einzelpunkte:

 

I

Das Grundstudium erfolgt in den drei Pflichtgebieten des Bürgerlichen Rechts, des Strafrechts und des öffentlichen Rechts. In ihm werden Übungsscheine in jedem dieser Gebiete durch das Bestehen einer Klausur und einer dreiwöchigen Hausarbeit erworben. Das Grundstudium soll methodisch darauf ausgerichtet sein, den Studenten die Strukturen des Rechts und die juristischen Methoden zur Bewältigung rechtlicher Probleme zu vermitteln. Didaktisch bietet sich insoweit die Normalfallmethode als Strukturierungshilfe an sowie eine an Plausibilität und Vermittelbarkeit, nicht unbedingt an der Systematik der Einzelgesetze ausgerichtete Präsentation des Rechtsstoffes in den Lehrveranstaltungen. Studienbegleitende Arbeitsgemeinschaften zum Erlernen der Fallösungstechnik sind in je dem Semester des Grundstudiums anzubieten.

 

Das Grundstudium wird durch eine Zwischenprüfung in den drei Pflichtfächern (im Regelfall in Form je einer Klausur) abgeschlossen. Diese kann im Rahmen der Übungen und damit zeitlich entzerrt erfolgen. Die Zwischenprüfung kann nur einmal wiederholt werden. Sie muß im Regelfall bis zum Ende des vierten, im Wiederholungsfall bis zum Ende des fünften Studiensemesters bestanden werden. Für Härtefälle ist eine Sonderregelung zu treffen.

 

II

Die Regelstudiendauer des Vertiefungsstudiums beträgt fünf Semester.

  1. Inhaltlich gliedert sich das Vertiefungsstudium in drei Bereiche:

 

  1. einen obligatorischen Pflichtfachkatalog in den drei Gebieten des Bürgerlichen Rechts, des Strafrechts und des öffentlichen Rechts;

 

  1. einen vom Absolventen bestimmten, prüfungsrelevanten Zusatzbereich in einem dieser drei Fächer (Pflichtbereich und Pflichtzuwahlbereich in diesem Fach ergeben zusammen das sog. Hauptfach);

 

  1. ein vom Absolventen aus den angebotenen Möglichkeiten ausgewähltes Wahlfach. Damit ergibt sich ein „Drei‑Topf‑Modell“, das einen tragfähigen Kompromiß zwischen einer einheitlichen Grundausbildung in den Pflichtfächern und den erforderlichen Möglichkeiten einer Spezialisierung bereits im Studium darstellt. Idealiter wählt der Absolvent sein Wahlfach als thematische Ergänzung zum gewählten Hauptfach aus. Er kann sich spezialisieren und wird durch ein starkes Engagement in den ihn interessierenden Bereichen motiviert. Wer seinen Schwerpunkt nach den eigenen Neigungen und Interessen bestimmen kann, wird durch mehr Erfolg im Studium zusätzlich angespornt. Durch die Reduzierung der Pflichtfachanforderungen wird gleichzeitig der Fächerkanon und -katalog“entschlackt“ und auf ein lern- wie prüfbares Maß herabgesetzt. Zum Inhalt der einzelnen Bereiche liegt eine gesonderte Aufstellung bei. Der Pflichtfachkatalog wurde auf die methodisch oder praktisch erforderlichen Rechtsgebiete reduziert. Spezialmaterien wurden weitgehend den Wahlfächern zugewiesen. Soweit spezielle Materien im Pflichtfachbereich belassen wurden, werden sie ausdrücklich als Beispielsfälle für bestimmte Rechtsstrukturen aufgeführt.

 

2.Während des Vertiefungsstudiums finden zwei sechswöchige Praktika bei Stellen nach Wahl des Absolventen statt. Ein Praktikum muß Bezug zum gewählten Hauptfach haben. Im Vertiefungsstudium werden Übungsscheine durch das Bestehen je einer Klausur und je einer dreiwöchigen Hausarbeit in jedem Pflichtfach und im Wahlfach erworben. Die Übungsscheine sind Voraussetzung für die Zulassung zur Diplomprüfung.

 

III

Zur inhaltlichen und wertigkeitsmäßigen Ausgestaltung der Diplomprüfung liegt ebenfalls eine gesonderte Aufstellung bei. In Anerkennung der gewachsenen Traditionen ist eine alternative Ausgestaltung als Hausarbeiten- oder als Klausurenmodell für jede einzelne Fakultät möglich. Zur Wahrung der formalen Einheitlichkeit der Diplomprüfung innerhalb eines Bundeslandes empfiehlt sich indes eine ländereinheitliche Rahmenregelung, die durch die zuständigen Ministerien im Rahmen der Genehmigung der Prüfungsordnungen der Fakultäten sichergestellt werden könnte. Die Ausgestaltung als akademische Prüfung gewährleistet die bestmögliche Einheit der Inhalte von Lehre und Prüfung. Sie führt zudem zu einer personellen Kontinuität von Lehre und Prüfung und zu einer eindeutigen Zuweisung der persönlichen Verantwortlichkeit an die Hochschullehrer. Die gegenwärtige Anonymität der Staatsprüfungen wird dadurch vermieden.

 

IV

Ob nach dem Erwerb des akademischen Abschlußdiploms eine Praxisphase erforderlich ist, hängt von den einzelnen Berufsfeldern ab. Bei Juristen, die in die Wirtschaft gehen, ist es bereits jetzt der Fall, daß ihre jeweiligen Arbeitgeber sie ein Trainee-Programm durchlaufen lassen. Daran soll sich nichts ändern. Soweit der Staat als Arbeitgeber besondere Qualifikationen für den Eintritt in den Staatsdienst verlangt, kann er diese in einer staatsdienstbezogenen Ausbildung selber vermitteln und gegebenenfalls in einer autonomen staatlichen Staatsdiensteingangsprüfung abprüfen. Es muß jedoch nochmals betont werden, daß das hier vorgelegte Modell weder eine einheitliche obligatorische Praxispflichtausbildung nach Staatsanforderungen, wie sie in Form des Referendariats gegenwärtig existiert, vorsieht noch eine obligatorische zweite Staatsprüfung für alle Juristen. Wenn nur circa zwanzig Prozent aller Absolventen Eingang in den Staatsdienst finden, müssen eben nicht alle Absolventen dessen Anforderungen erfüllen, sondern nur jene etwa zwanzig Prozent. Diese haben ihre freie Entscheidung ge troffen, sich zum Eingang in den gewünschten Beruf eventuell einer weiteren Prüfung unterziehen zu müssen. Damit müssen nicht alle belastet werden. Eine Besonderheit gilt für diejenigen Absolventen, die den Anwalts oder den Notarberuf ergreifen wollen. Unser Modell sieht für sie eine einjährige praktische Ausbildung zum Anwalt vor, die bei Anwälten erfolgen soll. So erlernen sie in der Praxis die für den Anwaltsberuf nötigen Fähigkeiten. Begleitend finden sog. Akademiekurse bei den Anwaltskammern statt, in denen bestimmte Fragen (z.B. des Kostenrechts) vertieft werden. Während der praktischen Zeit wird der zukünftige Anwalt von seinem jeweiligen Arbeitgeber in Höhe eines an Referendarbezüge angelehnten Gehaltes pro Monat bezahlt; dies erscheint angemessen, da der Arbeitgeber zugleich den Nutzen von der Arbeitskraft des zukünftigen Anwalts hat und ihm dessen Spezialkenntnisse zugutekommen. Die praktische Ausbildung zum Anwalt wird nicht mit einer Prüfung abgeschlossen. Die Konnpatibilität zwischen den einzelnen Berufsfeldern kann durch eine generelle Regelung herbeigeführt werden, daß langjährige Tätigkeit in einem juristischen Beruf die praktische Erfahrung für einen anderen vermuten läßt.

 

 

Hochschulzugang für DDR-Bürger

Dieser Beschluss wurde durch einen Beschluss der 25. ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des LHG von 07.07 bis 09.07.2015 in Jena aufgehoben.

 

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die zuständigen Organe der Bundesrepublik und der DDR auf, umgehend den Hochschulzugang für die DDR-Bürger zu ermöglichen, die aus politischen Gründen nicht zum Abitur in der DDR zugelassen wurden.

Fachhochschulen

Fachhochschulen sind nach Auffassung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG) ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Bildungswesens. Sowohl mit ihrer anwendungsorientierten Wissenschaft als auch mit ihrer berufsbildbezogenen Lehre bieten die Fachhochschulen eine Alternative zu Forschung und Lehre an den Universitäten. Vor allem die strukturierten Studiengänge an Fachhochschulen (mit der Folge erheblich kürzerer Studienzeiten) kommen sowohl den Anforderungen des Beschäftigungsmarktes als auch den Wünschen vieler Studierender entgegen.

Der LHG fordert deshalb den weiteren Ausbau des Fachhochschulwesens, um dem steigenden Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften auf dem Wege zeitlich begrenzter Studiengänge mit raschem berufsqualifizierendem Abschluß Rechnung zu tragen.

Insbesondere hält der LHG in den Disziplinen des naturwisenschaftlich-technischen Spektrums Parallelangebote von praxisorientierten Studiengängen an den Fachhochschulen einerseits und von grundlagenwissenschaftlich geprägten Studiengängen an den Universitäten und gleichgestellten wissenschaftlichen Hochschulen andererseits für erforderlich.

Der öffentliche Dienst bleibt aufgefordert, die sachlich längst nicht mehr gerechtfertigte Benachteiligung der Fachhochschulabsolventen in seiner Einstellungs- und Beförderungspraxis aufzugeben.

Um eine solche, stärkere Stellung der Fachhochschulen im deutschen Bildungswesen zu erreichen, muß vor allem die Qualität der Lehre an den Fachhochschulen verbessert werden.

 

Im einzelnen fordert der LHG:

  • Berufungsvoraussetzung zur Professur an Fachhochschulen muß zumindest die Promotion sein, auf alle Fälle weiterhin eine mindestens fünf-Jährige berufliche Tätigkeit.
  • Aufgabe der Fachhochschulprofessoren soll hauptsächlich die Lehre sein.
  • Einrichtung von Stellen für studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche Mitarbeiter auch an Fachhochschulen, um Forschung durchführen zu können.
  • Daneben soll die Beteiligung von Lehrbeauftragten aus der beruflichen Praxis an der Lehre verstärkt gefördert werden.
  • Der Übergang vom Fachhochschulstudium zum Studium an Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen ist flexibler zu gestalten; FH-Absolventen soll die Möglichkeit geboten werden, in kurzer Zeit die Voraussetzungen für eine Promotion zu erwerben.
  • Zwischen Universitäten und Fachhochschulen ist eine stärkere Zusammenarbeit in Forschungsprojekten anzustreben.

 

Es bleibt jedoch festzuhalten, daß obige Maßnahmen nur sinnvoll durchgeführt werden können, wenn durch entsprechende Erhöhung der Ausgaben von Bund und Ländern für die Hochschulen es zu einer spürbaren Entlastung der Hochschulen kommt.

Gesetzliche Einrichtung der Verfaßten Studentenschaft an den Hochschulen in der DDR

 

Dieser Beschluss wurde durch einen Beschluss der 25. ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des LHG von 07.07 bis 09.07.2015 in Jena aufgehoben.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die gesetzgebenden Körperschaften der neu entstehenden Länder in der DDR auf, baldmöglichst nach ihrer Konstituierung Verfaßte Studentenschaficen an den Hochschulen ihres Landes gesetzlich einzurichten.

Zur wirksamen Interessenvertretung der Studenten an den Hochschulen und in der Gesellschaft hält der LHG die gesetzliche Absicherung repräsentativ zusammengesetzter und demokratisch legitimierter Studentenschaftsorgane bereits im Vorgriff auf zukünftige Landeshochschulgesetze für dringend erforderlich, nicht zuletzt, um die Mitwirkung an der Erarbeitung solcher Hochschulgesetze zu gewährleisten.

In den Verfaßten Studentenschaften, wie sie derzeit in neun von elf Bundesländern eingerichtet sind ‑ rechtsfähigen Teilkörperschaften mit Pflichtmitgliedschaft aller Studierenden sowie Satzungshoheit, Haushalts und Geschäftsführungsautonomie (bei Rechtsaufsicht durch die Hochschulen oder die Landesregierung) ‑ sieht der LH(; ein bewährtes Modell studentischer Interessenvertretung.

Der Verfaßten Studentenschaft muß das Recht zur umfassenden politischen Vertretung studentischer Belange zugestanden werden. Dabei sind hochschulpolitische Themen sowie die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Studenten auch im Zusammenhang allgemeinerer gesellschaftspolitischer Fragestellungen zu betrachten.

Für die Organisation der Studentenschaften sind die allgemeinen Grundsätze repräsentativer und pluralistischer Demokratie gesetzlich festzuschreiben. Als Organe der Studentenschaft sind festzuschreiben

‑   ein durch allgemeine, freie, gleiche, unmittelbare und geheime Wahlen repräsentativ zusammengesetztes beschlußfassendes Organ (Studentenparlament) mit parlamentarischer Arbeitsweise (Mehrheitsentscheidung und Minderheitenschutz),

‑          ein ausführendes Organ (Allgemeiner Studentenausschuß), das vom Parlament durch Mehrheitsentscheidung gewählt wird und voller parlamentarischer Kontrolle unterliegt,

‑          ein unabhängiges Schiedsgericht zur inneren, vorgerichtlichen Schlichtung von Streitfragen, in dem alle stimmenmäßig relevanten parlamentarischen Gruppierungen proportional angemessen vertreten sind. Die Möglichkeit einer fachlichen oder regionalen Gliederung der Studentenschaft soll in den Studentenschaftsgesetzen vorgesehen werden. Auf solche Untergliederungen sollen die obigen Grundsätze soweit möglich entsprechend angewendet werden.Die gesetzgebenden Körperschaften der Länder Baden‑Württemberg und Bayern fordert der LHG erneut auf, in ihren Hochschulgesetzen die Verfaßte Studentenschaft wieder einzurichten. Im derzeitigen Fehlen dieses Instituts sieht der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen ein inakzeptables Defizit an politischem Pluralismus in unserer Gesellschaft. An Bundestag und Bundesrat appelliert der LHG erneut, durch Novellierung des Hochschulrahmengesetzes die Verfaßte Studentenschaft an den Hochschulen aller Bundesländer verpflichtend festzuschreiben sowie eine demokratisch legitimierte und repräsentativ zusammengesetzte studentische Interessenvertretung auf Bundesebene einzurichten.

 

DDR-Praktika / DAAD

 

Dieser Beschluss wurde durch einen Beschluss der 25. ordentlichen Bundesmitgliederversammlung des LHG von 07.07 bis 09.07.2015 in Jena aufgehoben.

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) fordert den Bundesminister für Bildung und Wissenschaft auf, darauf hinzuwirken, daß Fördermittel und Zuschüsse, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Programmes „Hochschulföderung in der DDR“ für Studierende aus der DDR gewährt werden, die an Hochschulen in der Bundesrepublik während der vorlesungsfreien Zeit sog. Sommerkurse besuchen, bzw. in der Bundesrepublik fachbezogene Praktika ableisten, nicht – wie im Programm vorgesehen – von einer Hochschule in der Bundesrepublilk, sondern direkt von den Studierenden aus der DDR beantragt werden können

Eine dahingehende Änderung des Programmes „Hochschulförderung DDR“ erachtet der LHG ebenso für dringlich, wie die Aufhebung der im Programm vorgesehenen Antragsfrist (08.06.1990) für direkt gestellte Anträge von Studierenden aus der DDR.

Bahntarife für Studenten

Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen fordert die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn dazu auf, bereits zum Sommer dieses Jahres das Schienennetz der Deutschen Reichsbahn in den Bereich der von der Deutschen Bundesbahn gewährten Tarifvergünstigungen für Jugendliche und Studenten (Junior-Paß, Twen-Ticket, Tramper-Monats-Ticket, Inter-Rail-Ticket) einzubeziehen.

Darüber hinaus appelliert der LHG an die Deutsche Reichsbahn, die derzeit in der DDR geltende Bestimmung, daß Studenten unter Vorlage ihres gültigen Studentenausweises generell nur 50% des allgemeinen Tarifs bei Fahrten mit der Bahn zu entrichten haben, beizubehalten. Die Deutsche Reichsbahn wird aufgefordert, eine identische Tarifbestimmung für den Bereich des Schienennetzes der Deutschen Bundesbahn zu erlassen.

Hochschulautonomie

Im Zuge eines zu erstrebenden Wettbewerbes zwischen den Hochschulen fordert der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen; – getragen von dem Wunsch, eine größtmögliche Angebotsvielfalt und eine an der studentischen Nachfrage orientierte Ausrichtung der Studiengänge zu gewährleisten, – die Regierungen und Parlamente der Bundesländer auf, auf eine größtmögliche Autonomie der Hochschulen hinzuwirken.

 

Unabdingbare Voraussetzung ist eine effektive Einflußnahmemöglichkeit durch die Studierendenschaft auf die Qualität der Lehre einzelner Hochschullehrer. In diesem Zusammenhang fordert der LHG die Beendigung der Abhängigkeit der Hochschulen bei der Berufung von Professoren von der Genehmigung durch den zuständigen Minister. Darüberhinaus fordert der LHG die Schaffung von Globalhaushalten, die es den Hochschulen ermöglichen, die Mittelzuweisung nach eigenen Ermessen zu gestalten; so kann gewährleistet werden, daß die Ausbildungskapazitäten optimal ausgeschöpft werden. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Fächervielfalt an den Hochschulen erhalten bleibt.

Studienordnungen sollten künftig nicht mehr der Genehmigung durch das zuständige Ministerium bedürfen.

Anreize für die Lehre

Die Situation der Lehre an den bundesdeutschen Hochschulen wird derzeit im wesentlichen]ichen durch zwei Faktoren negativ beeinflußt:

Zum einen durch die unzureichende Ausstattung der Hochschulen mit Mitteln, Räumen und Personal, so daß das Angebot an Vorlesungen, Seminaren und Übungen nicht dem notwendigen Maß entspricht. Überfüllte Veranstaltungen und katastrophale Betreuungsrelationen sind ein wesentlicher Kritikpunkt bei der Qualität der Lehre.

Zum anderen ist über diese aktuelle Einschränkung der Lehrleistungen hinaus die niedere Bewertung der Lehre im Vergleich zu Forschungserfolgen ein Grund für die geringe Motivation der Dozenten zu einer engagierten Lehrtätigkeit. Da die wissenschaftliche Reputation der Hochschullehrer nur durch ihre Forschungstätigkeit, nicht aber durch ihre Lehrerfolge begründet wird, besteht von ihrer Seite kein Interesse an einer attraktiven Darbietung des Lehrstoffes.

Um im Sinne der Studierenden neue Anreize für die Lehre zu schaffen, können nach Meinung des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen folgende Mittel als geeignet angesehen werden:

 

Ein sinnvoller Aufbau der Studiengänge, d.h. eine übersichtliche und strukturierte Gliederung der Stoffgebiete soll angestrebt werden. Statt der Überfrachtung einzelner Fachbereiche mit Detailund Spezialwissen sollten die Studienanforderungen und die Prüfungsordnungen an die heutigen Notwendigkeiten angepaßt werden.

 

Die inhaltliche Qualität der Lehre, d.h. das Wissen und die Kompetenz des Dozenten, wird durch die Übertragung von aktuellen Forschungsergebnissen auf die Lehre ermöglicht. Dies bedeutet, daß sowohl die Auseinandersetzung mit der Forschung in der Lehre verstärkt werden muß als auch, daß es das Lehrdeputat aufzustocken gilt, um ein Gleichgewicht zwischen Forschung und Lehre herzustellen.

 

Die didaktische Aufbereitung, d.h. eine verständliche und nachvollziehbare Darbietung der Inhalte, kann dadurch gefördert werden, daß bei Berufungsverfahren die Qualität der Lehre vermehrt berücksichtigt wird. So erscheint es sinnvoll, die pädagogisch-didaktische Befähigung des Bewerbers durch einen gesonderten Nachweis zu belegen. Als positives Beispiel kann hier das System der Nachwuchsförderung in den USA gelten, wobei die Bewertung der Lehrleistungen durch die Studenten für eine weitere Berufung ein entscheidender Faktor sein kann. Darüber hinaus gilt es, gerade die Standardveranstaltungen der Lehre als sich stetig wiederholender Prozeß attraktiver zu machen. Über finanzielle Anreize kann hier zwischen den Professoren ein Wettbewerb angeregt werden, so z.B. über einen Preis für herausragende Lehre, der vom Deutschen Hochschullehrerverband oder vom Stifterverband vergeben werden könnte. Ein weiterer Punkt wäre die Bereitstellung von Drittmitteln für gute Lehrleistungen, wie z.B. von am fahigen Nachwuchs interessierten Arbeitgebern.

 

Die Betreuungsqualität, d.h. die Möglichkeit des persönlichen Kontakts mit dem Dozenten bzw die tutoriale Betreuung, ist ein wesentliches Kriterium für eine bedarfsgerechte und effektive Lehre. Durch die Einrichtung zusätzlicher AG s bzw Tutorien kann in diesem Bereich der wissenschaftliche Mittelbau geschult und der Stoff vertiefend nachbereitet werden.

Langfristig muß durch eine Änderung im Finanzierungssystem der Hochschulen ein wirksamer Anreiz für den gesamten Lehrkörper geschaffen werden, die Lehre aus dem Reservat der „Privatangelegenheiten“ herauszuführen und zu einem gleichwertigen Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit aufzuwerten. Damit der Lehrleistung ein spürbarer Anteil an der wissenschaftlichen Reputation zukommt, muß sie sich dem Wettbewerb und der Kritik stellen – wie es bei der Forschung schon längst der Fall ist